Sanktionen gegen Iran Firmen-Exodus schwächt Ahmadinedschads Macht

Für seine Krawall-Rede vor der Uno wurde Irans Präsident Ahmadinedschad vor allem im Westen gescholten - aber auch sonst gerät sein Regime immer stärker unter Druck. Deutsche und andere Großkonzerne ziehen sich reihenweise aus seinem Land zurück, sogar Russland weist Teheran in die Schranken.

Von Ulrike Putz, Beirut

Anti-Ahmadineschad-Demo in New York: Langjährige Handelspartner wenden sich ab
AFP

Anti-Ahmadineschad-Demo in New York: Langjährige Handelspartner wenden sich ab


Er hat sie nicht ernst genommen, sie lächerlich gemacht: Als die Uno im Juni eine neue Runde Sanktionen gegen Iran verhängte, bewies Präsident Mahmud Ahmadinedschad wieder mal, dass er immer für einen markigen Spruch zu haben ist: Die Strafmaßnahmen seien nichts anderes als ein "benutztes Taschentuch", tönte er. Sie gehörten "in den Mülleimer geworfen". Unter iranischen Hardlinern fanden Ahmadinedschads abfälligen Bemerkungen großen Anklang.

Drei Monate später dürfte selbst den treuesten Anhängern des Teheraner Regimes das Lachen vergangen sein: Denn die verhängten Uno-Sanktionen beginnen zu greifen. Eine internationale Firma nach der anderen beendet ihre Iran-Geschäfte, auch langjährige Handelspartner wenden sich von Teheran ab. Der Exodus aus Iran geht weit über die Sanktionen hinaus - ein Effekt, der im Westen erhofft, in Teheran gefürchtet worden war.

Es war keine gute Woche für Ahmadinedschad: Zuerst zog sich Russland aus einem drei Jahre alten Vertrag zur Lieferung von Raketen zurück - eine Überraschung, denn lange hatte Moskau darauf beharrt, den 2007 abgeschlossenen Deal erfüllen zu wollen. Am Dienstag jedoch stoppte der Kreml die Auslieferung der Boden-Luft-Raketen vom Typ S-300 an Iran. Der russische Generalstabschef Nikolai Makarow sagte zur Begründung, die Lieferung der Raketen würde "zweifellos" gegen die Sanktionen des Uno-Sicherheitsrats verstoßen. Noch am selben Tag unterzeichnete der russische Präsident Dmitrij Medwedew ein entsprechendes Lieferverbot.

Noch im Juni hatte der russische Außenminister Sergej Lawrow versichert, die Uno-Sanktionen hätten keinen Einfluss auf das Raketengeschäft. Als "defensive Waffen" fielen sie nicht unter die Einschränkungen. Dann hat Moskau seine Haltung geändert. "Interessant ist, dass dieser Befehl nicht nur den Verkauf von Boden-Luft-Raketen, sondern auch den anderer Waffensysteme verbietet", sagte Alexander Nekrassow, ehemaliger Kreml-Berater, dem Sender Al-Dschasira. Zudem seien iranische Offizielle, die mit dem Atomprogramm zu tun hätten, künftig in Moskau nicht mehr willkommen.

Zahnloser Tiger

Das Einlenken Russlands kommt zu einem geschickt gewählten Zeitpunkt: Im August geriet Moskau unter Beschuss, als Iran bekannt gab, in Buschehr einen von einem russischen Atomkonzern gebauten Reaktor hochgefahren zu haben. Im September dann sorgten russische Pläne, Syrien mit den Anti-Schiff-Lenkwaffen "Jahont" zu beliefern, für Aufregung. Kritiker befürchten, Damaskus könnte die Raketen an die libanesische Hisbollah-Miliz weitergegeben, die die Waffen dann gegen Israel einsetzen könnte.

Am Donnerstag dräute die nächste böse Überraschung für Teheran. Der Vorstandschef von ThyssenKrupp, Ekkehard Schulz, erklärte, sein Konzern werde ab sofort keine neuen Verträge mit Iran abschließen. Damit unterstützte das Unternehmen die Sanktionspolitik Deutschlands, der EU und der USA. ThyssenKrupp werde sich so schnell wie möglich von iranischen Beteiligungen trennen und fortan keine neuen Geschäfte mit Kunden des Landes schließen, das einst selbst an ThyssenKrupp beteiligt war.

Diese Maßnahmen gehen über die von der Uno verhängten Sanktionen hinaus.

Auch der Krawall-Auftritt Ahmadinedschads vor der Uno-Vollversammlung am Donnerstag konnte nicht darüber hinwegtäuschen, dass seine Regierung unter stetig wachsendem Druck steht. Zwar platzierte der Iraner mit gewohnt süffisantem Lächeln seine Aufreger, verkündete, die verheerenden Anschläge vom 11. September 2001 seien von den USA selbst inszeniert worden "um die schrumpfende amerikanische Wirtschaft und ihren Griff auf den Nahen Osten ebenso zu retten wie das zionistische Regime". Doch wirkten seine Angriffe auf den "großen Satan" USA müde.

Deutscher Exodus

Auch die westlichen Delegierten, die aus Protest gegen die Provokationen den Saal verließen, schienen eher einem altbekannten Ritual zu folgen denn einer genuinen Empörung: Vorbei die Zeit, als Ahmadinedschads Auftritte vor der Uno noch Sensationen waren. Sie sind zum festen Bestandteil des Programms geworden. Ahamdinedschad wirkt zunehmend wie ein zahnloser Tiger.

ThyssenKrupp ist die vorerst letzte aus einer ganzen Reihe deutscher Firmen, die in den vergangenen Monaten ihre Iran-Geschäfte eingestellt haben: Die Zeiten, als sich deutsche Firmen Sanktionsaufrufen gegenüber taub stellten, scheinen vorbei. Noch im Winter 2008 war interessierten Firmenvertretern auf einer in Hamburg abgehaltenen und von der iranischen Melli-Bank gesponserten Konferenz nahegebracht worden, wie sie die damals schon bestehenden Sanktionen gegen Iran mit Hilfe von Gesetzeslücken umgehen könnten.

Versuche seitens der deutschen Regierung, deutsche Firmen von ihren Iran-Geschäften abzubringen, hatten in der Vergangenheit kaum Erfolg. Seit 2004 senkte Berlin seine Export-Kredit-Garantien für Iran um mehr als 90 Prozent. Trotzdem sank der Export nach Iran im selben Zeitraum um nur zehn Prozent. Noch 2009 hatten deutsche Firmen Waren im Wert von 3,7 Milliarden Euro in die Islamische Republik geliefert. Nun jedoch sieht es so aus, als werde Deutschland seinen Status als Exportweltmeister nach Iran verlieren.

Der deutsche Rückzug aus dem Iran-Geschäft begann schon Anfang des Jahres, noch bevor die Uno ihre vierte Runde Sanktionen gegen das Land verhängte. Im Januar kündigte Siemens an, keine Neuaufträge mehr anzunehmen. Die Münchener Rück und die Allianz zogen nach. Im April dann kündigte Daimler an, sein Engagement im Iran auf ein Minimum zurückzufahren. Anfang September schloss sich der Industriegas-Produzent Linde dem Exodus an.



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Seite 1
skanti 25.09.2010
1. Lacher
"Deutsche und andere Großkonzerne ziehen sich reihenweise aus seinem Land zurück,.... blabla" ttzzzz HAHAHA wer's glaubt muss einfach ein Dummhaufen sein. Kollege Siemens hat schon mit dem Irak dicke Geschäfte gemacht da war der "scharfsinnige" Redakteur dieses Artikels noch in der Schule am büffeln. Also Leute, was soll der Quatsch, es zieht sich keiner so schnell zurück solange großes Geld zu machen ist.
pietro-del-cesare 25.09.2010
2. ....
Zitat von sysopFür seine Krawall-Rede vor der Uno wurde Irans Präsident Ahmadinedschad vor allem im Westen gescholten - aber auch sonst gerät sein Regime immer stärker unter Druck. Deutsche und andere Großkonzerne ziehen sich reihenweise aus seinem Land zurück, sogar Russland weist Teheran in die Schranken. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,719596,00.html
Ich könnte mir vorstellen, dass die Herrschaften aus dem Schussfeld sein möchten, wenn die ersten B-52 und B-2 Teheran anfliegen und dort abladen.
Guitas 25.09.2010
3. Firmen-Exodus im Iran,
...ist mehr, als verständlich. Die iransichen Firmen(Inhaber) hätten bereits viel früher auf solchen irregeleiteten, bösartigen, hasserfüllten Geisteskranken reagieren müssen, man tat es im Dritten Reich und ähnlichen Machthabern, auch im Iran sollte man daran denken, dass die Machtinhaber nur vom Geld leben und dieses sollte man denen nicht nur durch Sanktionen, sondern durch Einfrieren auf Konten (z.B. Schweiz) vornehmen. Dann lernen diese "Herren" schnell!
Orix 25.09.2010
4. ?
Zitat von sysopFür seine Krawall-Rede vor der Uno wurde Irans Präsident Ahmadinedschad vor allem im Westen gescholten - aber auch sonst gerät sein Regime immer stärker unter Druck. Deutsche und andere Großkonzerne ziehen sich reihenweise aus seinem Land zurück, sogar Russland weist Teheran in die Schranken. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,719596,00.html
Ich halt das für ne Ente !!
Deluminatus 25.09.2010
5. falsch
Die Statistiken belegen genau das Gegenteil: im ersten Halbjahr 2010 sind die deutschen Exporte nach Iran um 14% gestiegen. Importe sind um 88% gestiegen. Quellen: Deutsch-Iranische Handelskammer http://j.mp/cgEDUe und Reuters http://j.mp/9BnV9T
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