Sanktionen: Iran droht mit Ölpreis von 250 Dollar

Iran droht mit harschen Konsequenzen, sollte der Westen Öl-Exporte aus seinem Land blockieren. Der Preis könne sich dann verdoppeln, warnt ein Sprecher des Außenministeriums in Teheran.

Teheran - Irans Außenminister hat Überlegungen des Westens, im Rahmen der laufenden Sanktionen auch Öl-Importe aus der islamischen Republik zu stoppen, scharf zurückgewiesen. Der Ölpreis könne in diesem Fall auf mehr als das Doppelte steigen, warnte ein Sprecher des Außenministeriums am Sonntag in Teheran.

Der US-Senat hatte am Donnerstag einstimmig neue Sanktionen gegen Teheran beschlossen. Die Sorgen über eine atomare Bewaffnung des Landes seien größer als die Vorbehalte gegen eine mögliche Ölpreis-Steigung, hieß es. Die US-Abgeordneten verfügten, dass alle Finanzinstitute, die Geschäfte mit der iranischen Zentralbank tätigen, mit Strafen zu belegen sind.

Auch die EU bereitet ein Verbot von Öleinfuhren aus Iran und Sanktionen gegen das Finanzsystem des Landes vor. Dies teilte Frankreichs Außenminister Alain Juppé am Donnerstag nach Beratungen der EU-Außenminister in Brüssel mit. Doch weder Washington noch Brüssel haben sich bisher zu einer Entscheidung durchgerungen. Iran ist der fünftgrößte Öl-Exporteur weltweit, 20 Prozent seiner Exporte gehen nach Europa.

"Sollte dieses Thema ernsthaft auf die Agenda kommen, würde der Ölpreis auf mehr als 250 Dollar pro Barrel steigen", warnte nun ein Sprecher des iranischen Außenministeriums der Zeitung Al-Sharq zufolge.

Ein Bericht der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA hatte im November für Aufregung gesucht. Die Organisation sei "ernsthaft besorgt über die möglichen militärischen Dimensionen des iranischen Nuklearprogramms", hieß es darin. Demnach arbeitete Iran mindestens bis zum vergangenen Jahr an der Entwicklung einer Atombombe und führte Experimente zur Entwicklung eines nuklearen Sprengkörpers durch. Iran behauptet nach wie vor, sein Atomprogramm diene nur friedlichen Zwecken.

In Teheran vertraut man offenbar darauf, dass sich weder die USA noch die EU zu weiteren Sanktionen durchringen werden: "Ich glaube nicht, dass die Situation in der Welt und vor allem im Westen vorteilhaft genug ist, um diese Frage aufzuwerfen", sagte der Sprecher Ramin Mehmanparast. Sanktionen, die Öl oder Gas betreffen, sollten nur nach reiflicher Überlegung verhängt werden.

Im Interview mit SPIEGEL ONLINE hatte der iranische Botschafter in Berlin, Ali Resa Scheich Attar, gesagt: "Seit 33 Jahren gibt es Sanktionen. Wir sind daran gewöhnt. Es hat uns nichts ausgemacht. Wir sind sogar mächtiger geworden."

Heldenempfang für ausgewiesene iranische Diplomaten

Am vergangenen Dienstag hatten aufgebrachte iranische Demonstranten die Botschaft in Teheran gestürmt. Dem britischen Außenminister William Hague zufolge zerstörten sie Mobiliar und entwendeten Botschaftseigentum. Auf Fernsehbildern war unter anderem zu sehen, wie die tobende Menge Fensterscheiben zerstörte und Unterlagen vernichtete, ein Auto stand in Flammen.

Es wird vermutet, dass die Randalierer auf Geheiß der Regierung agierten - alle Festgenommenen wurden bereits einen Tag nach dem Vorfall aus Polizeigewahrsam entlassen.

Nach dem vollständigen Abzug aller britischen Diplomaten aus Teheran hat nun auch Frankreich vorläufig sein Botschaftspersonal reduziert. Aus Kreisen des Außenministeriums in Paris verlautete, einige der etwa 20 bis 30 Mitarbeiter würden in den kommenden Tagen nach Hause zurückkehren. Die französische Botschaft in der iranischen Hauptstadt bleibe allerdings geöffnet, ebenso die französische Schule, hieß es.

Auch Deutschland und die Niederlande beriefen ihre Botschafter nach Hause. Italien und Spanien bestellten die iranischen Abgesandten ein.

Die im Gegenzug aus Großbritannien ausgewiesenen iranischen Diplomaten kamen am Samstag in Teheran an, wie die amtliche iranische Nachrichtenagentur Irna meldete. Die etwa zwei Dutzend Diplomaten und ihre Familien wurden von rund 150 Anhängern des Regimes wie Helden begrüßt.

Iranischer Außenminister nimmt an Afghanistan-Konferenz teil

Wie am Sonntag bekannt wurde, wird der iranische Außenminister Ali Akbar Salehi an der Afghanistan-Konferenz in Bonn teilnehmen und bereits am Nachmittag Bundesaußenminister Guido Westerwelle treffen. Salehi sei auf dem Weg von Teheran nach Bonn, hieß es am Mittag.

Der iranische Außenminister hatte seine Teilnahme bereits vor längerer Zeit zugesagt. Nach der Eskalation des Atomstreits waren aber Zweifel laut geworden, ob er tatsächlich nach Bonn komme.

An der Konferenz am Montag wollen Delegationen aus 85 Ländern teilnehmen. Pakistan hat wegen eines Nato-Angriffs auf zwei Militärposten seine Teilnahme abgesagt. Der Iran ist neben Pakistan der mächtigste Nachbar Afghanistans.

Salehi hatte Anfang November an einer Vorbereitungskonferenz in Istanbul teilgenommen und auch dort Westerwelle getroffen. Der iranische Minister kritisierte den Nato-Einsatz in Afghanistan damals scharf. "Den ausländischen Truppen ist die Lage der Menschen in Afghanistan egal", sagte er.

ala/Reuters

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1. Die Mullahs - die verbreiter der Wahrheit
Der Pragmatist 04.12.2011
Zitat von sysopIran droht mit harschen Konsequenzen, sollte der Westen Öl-Exporte aus seinem Land blockieren. Der Preis könne sich dann verdoppeln, warnt ein Sprecher des Außenministeriums in Teheran. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,801606,00.html
Wenn die Mullahs das sagen, dann muss es wohl stimmen. Warum druckt der SPIEGEL ueberhaupt einen solchen Unsinn ab? Pragmatist
2. Den Ölmultis dürfte dies entgegenkommen …
wika 04.12.2011
… oder sogar erwünscht sein, das schont die Reserven und lässt die Gewinne abermals anschwellen. Und die Menschheit ist sicher bereit für diesen guten Zweck weiter tief in die Tasche zu greifen. Das es sich insgesamt um eine verfehlte Politik des Westens handelt sollte man dabei besser ausblenden … wie immer die Mullahs haben die Schuld. Und auf die Idee, dass derzeit tatsächlich Kriegstreiberei durch den Westen betrieben wird, darauf können natürlich auch unsere Medien nicht kommen … dessen Brot ich esse, dessen Lied ich singe. Also dann, weiter eskalieren wenn es dem Profit dienlich ist … (°!°)
3. Prima!
montaxx 04.12.2011
Endlich haben die Konzerne wieder einen Vorwand: Leider,leider werden sie die Preise wieder "anpassen" müssen....
4. wäre doch...
b.oreilly 04.12.2011
...gut für die Umwelt!
5. iranisches Öl wird weiter ungehindert fliessen.
pudel_ohne_mütze 04.12.2011
Zitat von sysopIran droht mit harschen Konsequenzen, sollte der Westen Öl-Exporte aus seinem Land blockieren. Der Preis könne sich dann verdoppeln, warnt ein Sprecher des Außenministeriums in Teheran. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,801606,00.html
Wenn nicht nach Westen dann nach Osten. Die halbe Welt dürfte sich die Hände reiben, wenn den Amis mal der Ölhahn ein wenig abgedreht wird. Unsere Autos werden weiterfahren. Da sorgt schon die Ölmafia für. Ich bin sogar der Ansicht, dass der Ölpreis dann sinken wird.
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Leute
Iran hat rund 75 Millionen Einwohner. Auf dem Uno-Index menschlicher Entwicklung (HDI) für 179 Staaten belegt Iran Platz 76 (Deutschland ist auf Platz 5). Die durchschnittliche Lebenserwartung liegt bei 73 Jahren (zum Vergleich: Die Lebenserwartung in Deutschland liegt bei 80 Jahren).
Wirtschaft
Die Wirtschaftsleistung pro Kopf betrug 2008 laut einer Schätzung des Internationalen Währungsfonds (IWF) rund 5200 Dollar. Begünstigt vom hohen Ölpreis wuchs die Wirtschaft zuletzt um etwa sechs Prozent. Neben der Arbeitslosenquote, die laut inoffiziellen Schätzungen bei etwa 30 Prozent liegt, ist die Inflation eines der größten wirtschaftlichen Probleme. 2008 soll sie bei fast 30 Prozent gelegen haben, für 2009 rechnet der IWF mit 25 Prozent. Im Jahr 2005 machten Teherans Ausgaben für das Militär laut Uno-Statistiken 5,8 Prozent der gesamten Wirtschaftsleistung aus (Deutschland: 1,4 Prozent).
Menschenrechte
Nach China ist Iran das Land, in dem die meisten Todesurteile vollstreckt werden. Laut Amnesty International wurden 2009 mindestens 388 Menschen hingerichtet, das waren 42 Hinrichtungen mehr als im Vorjahr. Der Uno zufolge saßen 2007 pro 100.000 Einwohner 214 Menschen im Gefängnis (in Deutschland sind es 95). Korruption ist in Iran weit verbreitet. Auf dem weltweiten Index von Transparency International nimmt Iran 2009 bei 180 beobachteten Staaten den 168. Rang ein (Deutschland: 14).