Nach EU-Sanktionen: Moskau kündigt höhere Energiepreise für Europa an

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Pumpstation einer Gazprom-Pipeline: Moskau droht mit höheren Preisen

Russland reagiert scharf auf die Sanktionen des Westens: Der Kreml droht den Europäern mit höheren Energiepreisen. Auch westliche Banken müssten negative Folgen fürchten.

Moskau - Als Konsequenz der neuen internationalen Sanktionen gegen Russland hat das russische Außenministerium höhere Energiepreise für Verbraucher in Europa angedroht. Die Strafmaßnahmen der EU seien ein "unbedachter, unverantwortlicher Schritt", der unausweichlich zu höheren Preisen auf dem europäischen Energiemarkt führen werde, teilte das Ministerium am Mittwoch mit.

Auch die in Russland tätigen Banken aus der Europäischen Union müssten negative Folgen fürchten. Die Sanktionen seien ein Verstoß gegen die Regeln der Welthandelsorganisation WTO.

Die EU hatte am Dienstag umfassende Wirtschaftssanktionen gegen Russland beschlossen, die sich auch gegen den Energiesektor des Landes richten. Kurz darauf verschärften auch die USA ihre Strafmaßnahmen gegen Moskau.

"Indem man sich in eine Sanktionsorgie begibt, stellt Brüssel nach eigenem Willen Hürden für weitere Kooperationen in einem so wichtigen Feld wie der Energie auf", hieß es in einer Erklärung des Ministeriums. Die Politik der EU stütze sich nicht auf "überprüfte Fakten", sondern sei "von Washington diktiert", hieß es weiter. Die "antirussischen Sanktionen" bezeugten die "Unfähigkeit" der EU, eine "eigenständige Rolle" in der Weltpolitik zu spielen.

Deutschland deckt Drittel seines Bedarfs mit russischer Energie

Die EU und Deutschland decken rund ein Drittel ihres Energiebedarfs aus Russland. Am Dienstag hatte die EU im Zuge der Ukraine-Krise härtere Wirtschaftssanktionen gegen Russland für vier Branchen beschlossen. Strafmaßnahmen im Gasgeschäft sind darin nicht enthalten, dafür aber Beschränkungen für Projekte zur Ölförderung.

Bärbel Höhn, Energieexpertin der Grünen-Fraktion im Bundestag, nannte die Drohung unrealistisch. "Beim Erdgas gibt es langfristige Lieferverträge über mehrere Jahre mit klaren Preisabsprachen. Ein Verstoß dagegen wird vor internationalen Schiedsgerichten richtig teuer." Beim Erdöl könnten russische Firmen "kurzfristig die Preise erhöhen, hier gibt es aber genügend alternative Anbieter, auf die man ausweichen kann", so Höhn.

Mit den Wirtschaftssanktionen des Westens wird Russland an empfindlichen Stellen getroffen, etwa durch einen erschwerten Zugang zu EU-Finanzmärkten, ein Verbot künftiger Rüstungslieferungen sowie ein Exportverbot für bestimmte Hochtechnologiegüter an das russische Militär. Russland verfügte am Mittwoch seinerseits einen Importstopp für Obst und Gemüse aus Polen.

Die prowestliche ukrainische Führung begrüßte die verschärften Sanktionen gegen Russland. "Dieser angemessene Schritt wird seine Wirkung zeigen", sagte ein Sprecher von Präsident Petro Poroschenko. Je nach Entwicklung der Krise in der Ostukraine erwarte Kiew weitere harte Strafmaßnahmen gegen Moskau.

fab/AFP/dpa/Reuters

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