Vorwahlen der Republikaner: Santorum schafft Doppel-Coup im tiefen Süden

Von Marc Pitzke, New York

Für den einstigen Underdog war es der bisher freudigste Tag seines Wahlkampfs: Rechtsaußen-Republikaner Rick Santorum hat in Mississippi und Alabama zwei weitere Vorwahlsiege eingefahren - der Favorit Mitt Romney kam nur auf Platz drei.

Es ging mal wieder um alles oder nichts. "Prüfstand im Süden", posaunte CNN. "Südstaaten-Showdown", sekundierte Fox News, während MSNBC zur "Dreier-Schlacht" rief. "Dies könnte die entscheidendste Nacht der Vorwahlsaison werden", bebte die Website "Politico", per Livestream atemlos mit dabei.

Und dann? Trotz stundenlanger Zitterpartie ist auch diesmal nichts entschieden - sondern nun doch wieder alles offen. Rick Santorum gewinnt denkbar knapp in Mississippi und Alabama. Newt Gingrich landet denkbar knapp dahinter. Mitt Romney landet denkbar knapp auf Platz drei.

Im Klartext: Das Drama geht weiter. Die Vorwahl-Karawane der US-Republikaner, die sich seit zehn Wochen durch Amerika wälzt, wird wohl noch lange voranwalzen. Auch nach der groß gehypten "Südstaaten-Wahl" am Dienstag, bei der Mississippi und Alabama einen seltenen Moment im Rampenlicht genossen, der mal nicht mit Hurrikanen oder Krisen zu tun hatte.

Wie der Super Tuesday, der in der vergangenen Woche alles klären sollte, klärte auch der "Dixie Tuesday" nichts. Romney bleibt uneinholbar, trotz seiner jüngsten Pleiten, doch zugleich politisch unvertretbar, trotz seines Verbiegens. Santorum bleibt selbstbewusst, trotz seiner Zittersiege (35 Prozent in Alabama, 33 Prozent in Mississippi). Gingrich bleibt unbeirrbar. Aus der "Dreier-Schlacht" wird ein Duell mit Trittbrettfahrer.

Dabei hatten sich vor allem Romney und Gingrich äußerste Mühe gegeben, sich bei den Südstaatlern einzuschmeicheln. Sie trugen Karohemden, aßen vom Barbecue-Grill, nuschelten im Pseudodialekt - und bestätigten dabei nur alle Vom-Winde-verweht-Klischees.

"Morning, y'all", krähte der verbriefte Yankee Romney in Jackson, der Hauptstadt Mississippis, in steifem Südstaaten-Idiom - und legte gleich noch zwei kulinarische Schlüsselreize nach: "Ich habe den Morgen richtig angefangen, mit einem Biskuit und etwas Käse-Maisgrütze."

"Als sei er auf Safari im eigenen Land", lästerte MSNBC-Kommentator Jonathan Capeheart. Es hilft nichts: Wahlbezirk für Wahlbezirk schlagen Santorum und Gingrich ihn. CNN dramatisiert das Kopf-an-Kopf-Rennen, indem es live überträgt, wie die Wahlhelfer die einzelnen Stimmkarten direkt in die Computer speisen. Es ist politisches "Demolition Derby" in Zeitlupe.

Romney schickt den Sprecher vor

"Eine ganz schön schlechte Nacht für Mitt Romney", freut sich Obamas Ex-Sprecher Robert Gibbs, der aus Alabama stammt. Und stellt gleich klar: "Auch ich mag Maisgrütze."

Santorum befinde sich "am verzweifelten Ende seiner Kampagne", hat Romney zuvor voreilig prophezeit. Doch etwa mehr als zwei Stunden nach Schließung der Wahllokale hat Santorum Alabama in der Tasche, kurz darauf Mississippi.

Romney verzichtet denn auch auf eine Rede und schickt einen Sprecher vor, der gequält argumentiert, sein Chef habe sowieso nicht siegen wollen, sondern nur "ein Drittel der Delegierten" begehrt. In der Tat könnte Romney in dieser langen Nacht trotz seiner Zweifach-Niederlage mehr Delegierte gesammelt haben als die anderen. Das Außengebiet Amerikanisch-Samoa im Südpazifik entschied er für sich, auch Hawaii ging an Romney.

Und so plagen sie sich - und die Amerikaner - weiter. Auch wenn Romney glaubt, er habe längst genug Delegierte, um mathematisch nicht mehr zu stoppen zu sein, geben die anderen nicht auf, an seinem Thron zu sägen.

"Wir werden überall antreten"

Vor allem nicht Santorum, für den dies die bisher freudigste Nacht der Vorwahlen wird. Obwohl er rechnerisch die Hälfte aller noch verbliebenen Delegierten gewinnen müsste, um am Ende auf die nötigen 1144 zu kommen - unmöglich, so lange Gingrich im Rennen ist.

Wenn Gingrich in Alabama und Mississippi nicht gewinne, hatte dessen Sprecher insinuiert, dann sei es aus. Gingrich selbst nimmt das dann prompt wieder zurück. "Wir werden bis nach Tampa gehen und um die Nominierung kämpfen", verspricht er seinen Anhängern in Anspielung auf den Wahlparteitag in Florida. Aus den Boxen dröhnt sein Wahlkampfsong, die patriotische Country-Hymne "Only in America".

Santorum ist in der Nacht schon nach Louisiana weitergeprescht, das am 24. März wählt. Er trägt keinen Pullunder mehr, sein Underdog-Markenzeichen, sondern eine rosa-schillernde Krawatte. "Wir haben es abermals geschafft", strahlt er. Romney nennt er nicht beim Namen, schimpft statt dessen auf Obama - und schwört: "Wir werden überall antreten!"

Die nächsten Brocken warten schon

Santorum dürfte nun mindestens bis zum 24. April weitermachen, an dem sein Heimatstaat Pennsylvania wählt. Gingrich setzt bei seinem Ritt gegen die Windmühlenflügel wohl auf die nächsten Südstaaten wie Louisiana (24. März) und North Carolina (3. April). Dann kommen die Brocken Texas (29. Mai) und Kalifornien (5. Juni). Wer will sich die schon entgehen lassen?

Also geht es weiter. So lange die Millionen in der Wahlkampfkasse reichen, so lange die Vorwahlen weder Romney noch einem seiner Rivalen den Durchbruch bringen, wird sich keiner wegreden lassen. Und die Amerikaner werden auch künftig in den Genuss köstlich-grotesker TV-Szenen kommen.

Da schaltete CNN mehrfach nach Birmingham in Alabama, wo Pappkartons mit Stimmkarten aus Trucks geladen wurden - von Sträflingen in rot-weiß-gestreiften Knastuniformen. Dies, erläuterte CNN-Reporterin Dana Bush, sei Teil ihrer gerichtlich verordneten "Zwangsarbeit".

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insgesamt 44 Beiträge
founder 14.03.2012
So zuletzt in einem harmlosen Nebensatz "Gerichtlich verordnete Zwangsarbeit" Die USA haben mehr Häftlinge als China, owohl China mehr als die vierfache Bevölkerung hat. Die enorme Menge an Häftlingen in den USA, das [...]
So zuletzt in einem harmlosen Nebensatz "Gerichtlich verordnete Zwangsarbeit" Die USA haben mehr Häftlinge als China, owohl China mehr als die vierfache Bevölkerung hat. Die enorme Menge an Häftlingen in den USA, das ist die wiedereinführung der Sklaverei. Siehe Wikipedia (http://en.wikipedia.org/wiki/United_States_incarceration_rate) 743 pro 100.000 in den USA im Gefängnis 120 pro 100.000 in China im Gefängnis
ofelas 14.03.2012
Rechtsaussen, Vorwahlsiege in Mississipi und Alabama......es aendert sich wenig
Zitat von sysopRechtsaußen-Republikaner Rick Santorum hat in Mississippi und Alabama zwei weitere Vorwahlsiege eingefahren
Rechtsaussen, Vorwahlsiege in Mississipi und Alabama......es aendert sich wenig
panzerknacker51 14.03.2012
Und dieses Affentheater wurde uns vor drei Tagen noch von Teresa Nentwich zur Nachahmung empfohlen.
Zitat von sysopKnapper geht's kaum: Rick Santorum triumphiert bei den Vorwahlen der Republikaner in Mississippi und Alabama. Newt Gingrich rettet sich mit Achtungserfolgen, Spitzenreiter Mitt Romney kassiert eine Schlappe. Das Rennen dürfte noch lange andauern - als Duell mit Trittbrettfahrer. Vorwahlen der Republikaner: Santorum schafft*Doppel-Coup im tiefen Süden - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Politik (http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,821195,00.html)
Und dieses Affentheater wurde uns vor drei Tagen noch von Teresa Nentwich zur Nachahmung empfohlen.
Der Stellvertreter des Papstes in den USA fährt zwei weitere Siege ein - im tiefsten, tiefsten Süden. Was ist daran noch überraschend?
Der Stellvertreter des Papstes in den USA fährt zwei weitere Siege ein - im tiefsten, tiefsten Süden. Was ist daran noch überraschend?
PotatorEthaniel 14.03.2012
Wen interessieren denn Zirkusvorstellungen aus der Provinz eines Pleitestaates?
Wen interessieren denn Zirkusvorstellungen aus der Provinz eines Pleitestaates?
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  • Mittwoch, 14.03.2012 – 06:50 Uhr
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US-Wahl
In den USA liegt die exekutive Gewalt grundsätzlich beim Präsidenten, der Staatsoberhaupt, Regierungschef und Oberbefehlshaber der Streitkräfte in einer Person ist. Der Präsident wird alle vier Jahre neu gewählt, eine einmalige Wiederwahl ist möglich.
Die Präsidentschaftswahl in den Vereinigten Staaten ist eine indirekte Wahl: Am Wahltag, der immer am Dienstag nach dem ersten Montag im November stattfindet, wählt die US-Bevölkerung in jedem Bundesstaat Wahlmänner. Diese bilden das Wahlmännergremium, das offiziell erst im Dezember den Präsidenten und seinen Vize wählt. Dabei gilt in den allermeisten Bundesstaaten das Mehrheitswahlrecht: Die Wahlmänner eines Bundesstaates stimmen alle für den Präsidentschaftskandidaten, der in ihrem Staat die meisten Stimmen bekommen hat. Für den Gegner sind alle Wahlmänner verloren - egal wie knapp das Ergebnis ist ("Winner takes all"-Prinzip).




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