Vorwahlkampf der US-Republikaner: Santorum macht Weg für Romney frei

Das Rennen der Republikaner um den Herausforderer des amtierenden US-Präsidenten ist so gut wie entschieden. Rick Santorum verkündete am Dienstag seinen Rückzug. Jetzt wird Multimillionär Mitt Romney gegen Barack Obama antreten.

AFP

Washington/Hamburg - Rick Santorum ist aus dem Vorwahlkampf der republikanischen Präsidentschaftskandidaten ausgeschieden. "Das Rennen ist für mich vorbei", sagte der 53-Jährige am Dienstag bei einer Pressekonferenz in Gettysburg in seinem Heimatstaat Pennsylvania. Er habe am Wochenende entschieden, seine Kampagne auszusetzen. "Wir werden aber weiter kämpfen, um Barack Obama zu besiegen", kündigte der frühere Senator an. Mit der Entscheidung steht einer Nominierung des Multimillionärs Mitt Romney als republikanischer Gegenkandidat zu Amtsinhaber Obama nichts mehr im Wege.

Die anderen verbliebenen Mitbewerber Ron Paul und Newt Gingrich haben wegen schwacher Wahlergebnisse kaum noch Chancen, von der Partei aufgestellt zu werden. Beide haben jedoch immer wieder erklärt, bis zum Ende des Nominierungsprozesses im Rennen bleiben zu wollen.

Santorum trat gemeinsam mit seiner Familie vor die Presse. Als Grund, der zu seiner Entscheidung beigetragen habe, nannte er dabei die Sorge um seine dreijährige Tochter Isabella. Sie leidet an einer schweren Behinderung und musste seit Januar mindestens zweimal mit einer lebensgefährlichen Infektion ins Krankenhaus. Santorum hat sieben Kinder.

Im Wahlkampf sei er weiter gekommen, als es irgendwer für möglich gehalten hätte, sagte der 53-Jährige. Er habe "allen Widrigkeiten zum Trotz" gekämpft. Tatsächlich war Santorum als krasser Außenseiter in den Vorwahlkampf der Republikaner gestartet. Bis zuletzt galt er als ärgster Widersacher von Romney und setzte sich in elf Bundesstaaten gegen ihn durch. Allerdings fiel er bei der wichtigen Delegiertenzahl für den Nominierungsparteitag der Republikaner im August immer deutlicher zurück.

Um auf dem Nominierungsparteitag der Republikaner Ende August zum Herausforderer von Präsident Obama gekürt zu werden, muss ein Bewerber bei den Vorwahlen in den Bundesstaaten mindestens 1144 Delegierte gewinnen. Romney konnte sammelte mehr als 625 Delegierte, Santorum kam nicht einmal auf die Hälfte. Auf diesen Unterschied kam Santorum auch am Dienstag zu sprechen: "Wir haben in einer ganz anderen Art gewonnen", sagte er vor seinen Anhängern. "Wir haben die Herzen berührt."

Fotostrecke

12  Bilder
Rick Santorum: Der Erzkonservative gibt auf
Romney gratulierte seinem Parteifreund in einer kurzen Mitteilung zur bisherigen Kampagne und bezeichnete ihn als einen "tüchtigen und würdigen Wettbewerber". Wie aus Kreisen der Republikaner verlautete, hatten Romney und Santorum vor der offiziellen Ankündigung des Rückzugs miteinander gesprochen. Die Frage ist, wie Romney sich nun auf der ganz großen politischen Bühne schlagen wird. Das Wochenmagazin "Time" analysierte jüngst, der 65-Jährige habe in dem seit Januar bitterböse geführten Vorwahlkampf so viele Federn gelassen, dass er für Obamas Wahlkampfmaschine ein leichtes Opfer werden könnte.

Der erzkonservative Santorum hatte zuletzt mit "Negative Campaigning", also mit dem Verunglimpfen des politischen Gegners, Aufsehen erregt: Ein Ende März veröffentlichtes Kampagnenvideo zeigte ein gruselig verzerrtes Bild der USA bei einer Wiederwahl Obamas, ein Horrorstreifen im Hitchcock-Stil. Im Wahlkampf fiel der frühere Senator aus Pennsylvania auch durch seine Fixierung auf die Themen Familie und Sexualmoral auf. Er sprach sich gegen Sex außerhalb der Ehe, gegen Abtreibung und die Schwulenehe aus.

Die Entscheidung, den Wahlkampf nun auszusetzen, sei eine der schwersten gewesen, die er und seine Ehefrau Karen jemals hätten treffen müssen, heißt es in einer von Santorum online veröffentlichten Erklärung.

Einer aktuellen Umfrage von "Washington Post" und dem TV-Sender ABC zufolge liegt Obama erstmals seit Monaten deutlich vor der Konkurrenz: 51 Prozent der Befragten wollen demnach für ihn stimmen. Nur 44 Prozent würden für Ex-Gouverneur Romney votieren. Für den Fall einer Santorum-Kandidatur fiel Obamas Vorsprung sogar noch etwas deutlicher aus. Am 6. November wird in Amerika ein neuer Präsident gewählt.

aar/fab/Reuters/dpa/AP/AFP/dapd

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 20 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Plutokratie
lichtwort.de 10.04.2012
Zitat von sysopREUTERSMitt Romney gegen Barack Obama: Das Rennen der Republikaner um den Herausforderer des amtierenden US-Präsidenten ist so gut wie entschieden. Rick Santorum verkündete am Dienstag seinen Rückzug - und macht damit den Weg frei für Multimilionär Romney. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,826709,00.html
In den USA regieren Geld und Kapital. Oder gibt es noch eine andere westliche "Demokratie", unter deren Gouverneure und Präsidenten es soviele Multimillionäre gibt?
2.
unrolledloop 10.04.2012
Zitat von sysopREUTERSMitt Romney gegen Barack Obama: Das Rennen der Republikaner um den Herausforderer des amtierenden US-Präsidenten ist so gut wie entschieden. Rick Santorum verkündete am Dienstag seinen Rückzug - und macht damit den Weg frei für Multimilionär Romney. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,826709,00.html
"deutlich vor seinen Konkurrenten" - mit 51%? Das ist hoffentlich Ironie des Autors.
3. sarah palin
swabawath 10.04.2012
Zitat von unrolledloop"deutlich vor seinen Konkurrenten" - mit 51%? Das ist hoffentlich Ironie des Autors.
wäre die bessere Präsidentin, weil es jedes mal wenn Sie Ihr Mund aufmacht etwas zum lachen gibt.
4. Titel fuer einen - aber nicht den anderen
Der Pragmatist 10.04.2012
Zitat von sysopREUTERSMitt Romney gegen Barack Obama: Das Rennen der Republikaner um den Herausforderer des amtierenden US-Präsidenten ist so gut wie entschieden. Rick Santorum verkündete am Dienstag seinen Rückzug - und macht damit den Weg frei für Multimilionär Romney. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,826709,00.html
DER SPIEGEL hat eine recht komische Bereichterstattung. Jedesmal, wenn der Name Romney erwaehnt wird, folgt sofort der Titel "Multimillionaer". Obama ist auch Multimillionaer, aber bekommt niemals diesen Ehrentitel in SPIEGEL Artikeln verliehen. Ist soetwas nicht Diskriminierung? Ob DER SPIEGEL damit wohl etwas in Sinne hat? Pragmatist
5.
Deutscher__Michel 10.04.2012
Zitat von lichtwort.deIn den USA regieren Geld und Kapital. Oder gibt es noch eine andere westliche "Demokratie", unter deren Gouverneure und Präsidenten es soviele Multimillionäre gibt?
Ja die gibt es: Großbritannien..
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Politik
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Ausland
RSS
alles zum Thema Rick Santorum
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 20 Kommentare

Fläche: 9.632.000 km²

Bevölkerung: 310,384 Mio.

Hauptstadt: Washington, D.C.

Staats- und Regierungschef: Barack Obama

Vizepräsident: Joseph R. Biden

Mehr auf der Themenseite | Wikipedia | Lexikon | USA-Reiseseite


US-Wahl
Wahl des Präsidenten
In den USA liegt die exekutive Gewalt grundsätzlich beim Präsidenten, der Staatsoberhaupt, Regierungschef und Oberbefehlshaber der Streitkräfte in einer Person ist. Der Präsident wird alle vier Jahre neu gewählt, eine einmalige Wiederwahl ist möglich.
Die Präsidentschaftswahl in den Vereinigten Staaten ist eine indirekte Wahl: Am Wahltag, der immer am Dienstag nach dem ersten Montag im November stattfindet, wählt die US-Bevölkerung in jedem Bundesstaat Wahlmänner. Diese bilden das Wahlmännergremium, das offiziell erst im Dezember den Präsidenten und seinen Vize wählt. Dabei gilt in den allermeisten Bundesstaaten das Mehrheitswahlrecht: Die Wahlmänner eines Bundesstaates stimmen alle für den Präsidentschaftskandidaten, der in ihrem Staat die meisten Stimmen bekommen hat. Für den Gegner sind alle Wahlmänner verloren - egal wie knapp das Ergebnis ist ("Winner takes all"-Prinzip).
Parteien und Swing States
In den USA hat sich, durch das einfache Mehrheitswahlrecht begünstigt, ein Zweiparteiensystem gebildet: Praktisch spielen nur die demokratische und die republikanische Partei eine Rolle. Da in vielen Bundesstaaten die Mehrzahl der Wähler traditionell einer der beiden Parteien zugetan sind, steht in diesen Staaten praktisch fest, für welchen Kandidaten die Wahlmänner dieses Staates stimmen werden.
In anderen ist der Ausgang der Wahl hingegen offen: Sie werden als umkämpfte Staaten oder Swing States bezeichnet. Auf sie konzentriert sich der Wahlkampf der Kontrahenten. Besonders die bevölkerungsreichen unter ihnen wie Ohio und Florida stehen im Fokus der Wahlkampfstrategen, da sie viele Wahlmänner im Wahlmännergremium stellen und damit für den Ausgang der Präsidentschaftswahl entscheidend sein können.
Wahlmänner
Der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika wird nicht direkt vom Volk gewählt, sondern indirekt von Wahlmännern ("electors"). Ein Wahlmann ist ein Bürger, den die Einwohner eines US-Bundesstaates gewählt haben, damit er oder sie in einem landesweiten Gremium in ihrem Namen seine Stimme für den Präsidenten und den Vizepräsidenten abgibt. Die Wahlmänner werden von ihrer jeweiligen Partei in einem Auswahlprozess aufgestellt, der von Bundesstaat zu Bundesstaat verschieden ist. Normalerweise nominieren die Parteien sie auf einem Parteitag im jeweiligen Bundesstaat, oder der Zentralausschuss ("central committee") der Partei stellt sie auf.
Am Wahltag geben die Wähler jedes Bundesstaates ihre Stimme für einen der Präsidentschaftskandidaten ab. Da die Wahl indirekt ist, wählen sie damit Wahlmänner, die dann nach dem eigentlichen Präsidentschaftswahltag in dem bundesstaatenübergreifenden Wahlmännergremium ("electoral college") ihre Stimme für ihren Präsidentschaftskandidaten und seinen Vize abgeben.
Welche Wahlmänner aus einem Bundesstaat in das Wahlmännergremium geschickt werden, wird in 48 US-Bundesstaaten nach dem Mehrheitswahlrecht ermittelt: Alle von einem Staat entsandten Wahlmänner gehören derselben Partei an, selbst wenn diese in dem betreffenden Staat nur mit einem hauchdünnem Vorsprung gewonnen haben sollte ("Winner takes all").
Wie viele Delegierte ein Bundesstaat entsendet, ist von seiner Größe abhängig. Jeder Staat schickt so viele gewählte Electors, wie er Senatoren und Abgeordnete im Kongress stellt. Die meisten Wahlmänner, nämlich 55, hat zurzeit Kalifornien, gefolgt von New York (31) und Florida (27). Bevölkerungsarme Staaten wie zum Beispiel Alaska oder Montana entsenden das Minimum von drei Wahlmännern. Obwohl der Hauptstadtbezirk Washington D.C. keine stimmberechtigten Vertreter im Kongress hat, entsendet auch er drei Wahlmänner ins Gremium.
Wahlmännergremium
Das Electoral College ist ein Kollegium von insgesamt 538 Vertretern der einzelnen US-Bundesstaaten, das den US-Präsidenten und seinen Vize wählt - denn Amerikas Bürger entscheiden nicht direkt darüber, wer sie regiert, sondern nur über die Zusammensetzung des Gremiums, das den Präsidenten wählt.
Das Wahlmännergremium tritt physisch nie an einem Ort zusammen. Stattdessen versammeln sich die Wahlmänner im Dezember nach der Wahl durch das Volk in den Hauptstädten ihrer Bundesstaaten, um ihre Stimme abzugeben. Dabei richten sie sich in ihrer Entscheidung traditionell nach dem Votum des Volkes, zwingend vorgeschrieben ist das jedoch nicht in allen Staaten. Die Wahlmänner-Stimmen werden dann nach Washington geschickt, wo sie während einer gemeinsamen Sitzung des Kongresses im Januar ausgezählt werden. Der amtierende Vizepräsident kann dann endlich das offizielle Ergebnis der Präsidentschaftswahlen verkünden, das in der Regel ja schon kurz nach der allgemeinen Wahl bekannt ist, weil die Zahl der Wahlmänner jedes Kandidaten feststeht.
Wenn keiner der Präsidentschaftskandidaten die Mehrheit der Wahlmännerstimmen erhält, sieht der 12. Zusatzartikel der Verfassung vor, dass die Wahl durch das Repräsentantenhaus entschieden wird. In diesem Fall wählt das Repräsentantenhaus den Präsidenten per Mehrheitsentscheid unter den drei Kandidaten aus, die die höchste Anzahl an Wahlmännerstimmen erhalten haben. Jeder Staat gibt dann eine Stimme ab. Wenn keiner der Kandidaten für das Amt des Vizepräsidenten die Mehrheit der Wahlmännerstimmen erhält, entscheidet hingegen der Senat per Mehrheitsentscheid über den Vizepräsidenten, wobei sich jeder Senator für einen der beiden Kandidaten mit der größten Anzahl an Wahlmännerstimmen entscheiden muss.
"Winner takes all"
In 48 US-Bundesstaaten gilt bei den Präsidentschaftswahlen das Mehrheitswahlrecht: Alle Wahlmännerstimmen eines Staates werden komplett dem Präsidentschaftskandidaten zugeordnet, der in diesem Bundesstaat die meisten Wählerstimmen erhalten hat - "Der Sieger bekommt alles" ("The winner takes it all"). Der in diesem Staat unterlegene Präsidentschaftskandidat geht leer aus, ganz gleich wie viele Stimmen der Bürger er auf sich vereinigen konnte - diese Stimmen entfallen.
Präsident wird, wer die Mehrheit der Stimmen von den Wahlmännern bekommt, die jeder einzelne Bundesstaat in das staatenübergreifende Wahlmännergremium (electoral college) schickt. Ob der Präsidentschaftskandidat auch die Mehrheit der in den USA abgegebenen Stimmen (popular vote) bekommen hat, ist für die Präsidentenwahl hingegen nicht entscheidend. So führt das Prinzip "Der Sieger bekommt alles" dazu, dass die Wahl kein genaues Bild vom wahren Kräfteverhältnis im ganzen Land gibt.
Nur in den Bundesstaaten Nebraska und Maine gilt das System des "Winner takes all" nicht. Hier werden die Wahlmänner nach dem Verhältniswahlrecht ermittelt: Die Wahlmännerstimmen werden proportional zu den auf die Kandidaten entfallenen Wählerstimmen zwischen den Parteien aufgeteilt.