Anklage gegen Sara Netanyahu 100.000 Dollar für Gourmetessen in drei Jahren

Sara Netanyahu soll Hunderte Gerichte in Edelrestaurants im Wert von 100.000 Dollar geordert haben - nun wird die Frau des israelischen Premiers dafür angeklagt. Der Vorwurf: Betrug und Untreue.

Sara Netanyahu
AFP

Sara Netanyahu


Benjamin Netanyahu richtet immer wieder Dinner in seiner Residenz in der Smolenskin-Straße 9 in Jerusalem aus. Eigentlich nichts Besonderes - sieht man von dem Eklat ab, der Anfang Mai öffentlich wurde. Der Chefkoch von Israels Premier präsentierte dem japanischen Ministerpräsidenten Shinzo Abe den Nachtisch in Schuhen - nach Angaben von Diplomaten ein schwerer Affront, weil Schuhe in der japanischen Kultur als abstoßend gelten.

Nun geht es wieder ums Essen im Hause Netanyahu, um sehr teures Essen. Sara Netanyahu, Ehefrau des israelischen Ministerpräsidenten, ist wegen Betrugs angeklagt worden. Auch ein Mitarbeiter des Büros des Ministerpräsidenten soll vor Gericht gestellt werden.

Der 59-Jährigen wird vorgeworfen, gemeinsam mit einem Mitarbeiter in Restaurants Essen im Wert von umgerechnet rund 100.000 Dollar bestellt zu haben, obwohl dies gegen die Regeln verstieß.

Bereits 2015 Kritik an hohen Ausgaben

Sara Netanyahu soll Hunderte Gerichte in Restaurants bestellt und das Geld dafür vom Büro des Ministerpräsidenten erhalten haben. Gleichzeitig seien Köche in der Residenz des Regierungschefs beschäftigt gewesen. Netanyahu und der Mitarbeiter hätten dies allerdings verschleiert, hieß es in der Mitteilung des Gerichts. Der Mitarbeiter sei auch für die Verwaltung der Residenz zuständig gewesen.

Nach einem Bericht der Tageszeitung "Haaretz" bestellte Netanyahu das Essen zwischen 2010 bis 2013 in Edelrestaurants. Sie wurde bereits mehrmals wegen des Verdachts des Betrugs befragt. Von anderen Verdachtsmomenten gegen Netanyahu war in einer Pressemitteilung des Gerichts nicht die Rede.

Unter anderem gab es den Verdacht, dass sie eine Pflegekraft für ihren Vater mit öffentlichem Geld bezahlt habe. Ebenso war sie verdächtigt worden, Ausgaben im Privathaus der Familie in der mondänen Küstenstadt Caesarea auf Staatskosten abgerechnet zu haben - etwa für Gartenmöbel.

Israels Staatskontrolleur hatte bereits Anfang 2015 einen äußerst kritischen Bericht über die hohen Ausgaben im Haushalt des Regierungschefs veröffentlicht. Die Polizei hat auch gegen Regierungschef Netanyahu eine Anklage wegen Korruption empfohlen.

dop/dpa/AP



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