Sarkozy bei Merkel: "Herzlich willkommen, lieber Nicolas"

Neuer Präsident, neuer Stil: Nicht mit einem Handkuss sondern mit einer herzlichen Umarmung begrüßte Sarkozy Kanzlerin Merkel bei seinem Besuch in Berlin. Nach den Freundlichkeiten ging es umgehend um die drängendsten Probleme: EU-Verfassung, EADS-Krise.

Berlin - Der französische Präsident Nicolas Sarkozy und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) haben sich bei Sarkozys Antrittsbesuch in Berlin betont freundschaftlich begrüßt und geherzt. Einen klassischen Handkuss wie bei Sarkozys Vorgänger Jacques Chirac gab es zwar nicht, aber die Begrüßung in Berlin direkt nach Amtsantritt war nicht weniger herzlich. Der Präsident legte bei seiner Ankunft die Hand auf Merkels Schulter - und wenig später erwiderte die Kanzlerin diese Geste bei Sarkozy. "Herzlich willkommen", sagte sie zu ihm und nannte den französischen Präsidenten "lieber Nicolas".

Sarkozy und Merkel: "Lieber Nicolas"
AFP

Sarkozy und Merkel: "Lieber Nicolas"

Nach den Förmlichkeiten ging es um Politik. Sarkozy will nach seiner Amtsübernahme zusammen mit Deutschland bei der Lösung der drängenden EU-Probleme rasch vorankommen. "Europa wartet darauf, dass wir die Initiative ergreifen", sagte er. "Europa muss aus der Lähmung heraus (...) Es ist wirklich Eile geboten."

Die Kanzlerin kündigte eine "sehr, sehr enge Abstimmung" mit Sarkozy zur Lösung der Verfassungskrise in der Europäischen Union (EU) an. Bis zum Jahr 2009 solle die EU auf eine neue vertragliche Grundlage gestellt werden. Merkel bezeichnete die deutsch-französische Freundschaft als ein "Wunder". Sie griff damit ein Wort Sarkozys auf, das dieser nach seiner Amtsübernahme in Paris beim Besuch einer Erinnerungsstätte für Widerstandskämpfer gegen die Nazi- Besetzung ausgesprochen hatte.

"Ich möchte der deutschen Regierung und dem deutschen Volks sagen, dass für Frankreich die deutsch-französische Freundschaft heilig ist und dass nichts diese Freundschaft in Frage stellen kann", sagte Sarkozy.

Anders als Merkel sprach Sarkozy die Industriepolitik und das Thema Airbus und EADS an. Auch dies sei eine dringende Frage zwischen Deutschland und Frankreich, sagte der Präsident. Es dürfe "keine Minute" verloren werden. Bei der EADS-Tochter Airbus sollen europaweit 10.000 Stellen abgebaut werden, nachdem die Lieferverzögerungen beim Großraumflugzeug A380 das Unternehmen in eine tiefe Krise gestürzt haben. Im Wahlkampf hatte Sarkozy gesagt, er fühle sich nicht an den Airbus-Sparplan Power8 gebunden. Zudem will Sarkozy, dass der Aktionärspakt bei EADS, der eine ausgewogene Beteiligung von deutschen und französischen Aktionären vorsieht, "neu verhandelt wird".

Sarkozy hatte zuvor in einer prunkvollen Zeremonie im Élyséepalast das Amt des Staatspräsidenten übernommen. Der 52-jährige Konservative löste Jacques Chirac, 74, ab, der zwölf Jahre lang im Amt war und besonders enge Beziehungen zu Deutschland pflegte.

Unions-Vize-Fraktionschef Andreas Schockenhoff (CDU) rechnet mit einem neuen "deutsch-französischen Motor" für die EU. "Jetzt wird es deutlich mehr Dynamik geben", sagte er der Deutschen Presse-Agentur dpa. "Es kann im größer gewordenen Europa nur Fortschritte geben, wenn Frankreich und Deutschland sich nicht nur einig sind, sondern gemeinsam Initiativen ergreifen."

asc/dpa

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