Sarkozys Luxusurlaub Malaise auf Malta

"Arrogant", "ungezügelt", "neureich" - Frankreichs designierter Präsident Sarkozy sorgt in der Heimat für Empörung, weil er einen gesponserten Luxus-Kurztrip auf Malta verbracht hat. Die Opposition schäumt, die Parteifreunde wundern sich, aber Sarkozy gibt sich unbeirrt.


Paris - Er wollte sich entspannen nach dem kräfteraubenden Wahlkampf und besinnen auf die vor ihm liegenden Aufgaben: Doch der Kurzurlaub von Nicolas Sarkozy auf der Yacht eines französischen Milliardärs stößt auf heftige Kritik. Die Sozialisten kritisierten Sarkozys "Milliardärsferien" als "Arroganz und Beleidigung" des Volkes. "Die Franzosen haben die politische Macht der Macht des Geldes anvertraut", klagte der frühere Parteichef Henri Emmanuelli.

Sarkozy auf Malta: "Nichts zu verbergen"
AFP

Sarkozy auf Malta: "Nichts zu verbergen"

Zeitungen monierten, Sarkozy gebe sich "nach der Art eines Neureichen" dem "ungezügelten Luxus" hin und trete wie "unser erster amerikanischer Präsident" auf. Sarkozy entgegnete, er habe "nichts zu verbergen und sich für nichts zu entschuldigen". Der Geschäftsmann Vincent Bolloré hatte Sarkozy zu dem Kurzurlaub auf Malta auf seine Yacht eingeladen und ihm dafür auch seinen Privatjet gestellt.

"Meine Reise hat den Steuerzahler keinen Cent gekostet", sagte Sarkozy. "Ich wünsche der französischen Wirtschaft viele Vincent Bollorés. Es ist keine Schande, hart gearbeitet und einen Konzern aufgebaut zu haben." Bolloré erklärte, er fühle sich "geehrt", Sarkozy empfangen zu dürfen. Seine Familie habe einst ebenso den früheren Regierungschef Léon Blum nach dessen Befreiung aus dem Konzentrationslager Buchenwald empfangen. Bolloré ist Hauptaktionär des Werbekonzerns Havas und der britischen Marktstudiengruppe Aegis und besitzt 40 Prozent des Meinungsforschungsinstituts CSA. Er ist im Kinogeschäft, aber auch in den Bereichen Logistik, Verkehr und Energieverteilung aktiv.

Sarkozy beendete heute Abend seinen Kurzurlaub und flog nach Paris zurück - mit dem Privatjet von Bolloré. Morgen will Sarkozy mit Präsident Jacques Chirac an einer Zeremonie zur Erinnerung an die Abschaffung der Sklaverei teilnehmen. Chirac hatte diesen Gedenktermin durchgesetzt und Sarkozy, der keinen Auftritt mit dem Präsidenten vor der Amtsübergabe wollte, ausdrücklich dazu eingeladen.

Die nächtlichen Krawalle linksradikaler Sarkozy-Gegner flauten nach Angaben von Innenminister François Baroin merklich ab. In der Nacht zum Mittwoch seien etwa 200 Fahrzeuge angezündet und 80 Personen festgenommen worden, sagte Baroin in Paris. Das waren jeweils etwa halb so viel wie in der Nacht zuvor. In der Wahlnacht hatten noch 730 Autos gebrannt und 595 Personen waren festgenommen worden. "Die Linksradikalen haben bei der Wahl nicht ihr erhofftes Ergebnis erreicht und sind deshalb zu dieser unannehmbaren Form der Agitation übergegangen."

Die Jugendlichen aus der autonomen Szene und aus trotzkistischen Gruppen prangerten Sarkozy erneut als "Faschisten" an. In Paris zerstreute die Polizei 150 Demonstranten auf dem Bastille-Platz. In Lyon gingen Ordnungshüter gegen 200 Randalierer vor. Dort ging im Vorort Villeurbanne ein Büro der Regierungspartei UMP in Flammen auf.

Studenten beschließen Streik gegen Sarkozy-Reformen

Die Pariser Studenten haben wegen der Wahl Sarkozys einen Uni-Streik beschlossen. Nach mehr als dreistündiger Vollversammlung stimmten am Nachmittag rund 800 Hochschüler mehrheitlich dafür, den zur Universität Paris I Panthéon-Sorbonne zählenden Uni-Standort Tolbiac im Süden der Stadt zu blockieren. Zur Begründung verwiesen sie auf die von Sarkozy geplanten Hochschulreformen.

Das Uni-Hochhaus in der Rue Tolbiac wurde umgehend geräumt, der einzige Zugang über die Fahrstühle lahmgelegt. Mitglieder der größten Studentengewerkschaft Unef hatten bei der Vollversammlung vergeblich gesagt, noch sei es "zu früh" für Streikaktionen. Schließlich habe Sarkozy noch nicht mit der Umsetzung seines Programms begonnen.

Unterdessen zeigte sich der langjährige, frühere Präsidentenberater Jacques Attali überzeugt, dass es wegen Sarkozys Reformprogramm zu Spannungen in Frankreich kommen werde. Wenn Sarkozy nur die Hälfte dessen, was er versprochen habe, umsetze, "wird dies viele Störungen mit sich bringen", sagte Attali in Tokio und prophezeite: "Der Herbst wird sehr wichtig." Dann werde sich zeigen, wie die Franzosen auf Sarkozys Reformen reagierten. Er setze indes darauf, dass Sarkozy "nicht zurückweichen" werde, sagte Attali, der zu den wichtigsten Beratern des sozialistischen Staatschefs François Mitterrand (1981 bis 1995) gezählt hatte.

asc/AFP/dpa



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