Unruhen in Burma: Satellitenbilder zeigen Zerstörung muslimischer Wohnviertel

Mehr als 800 zerstörte Häuser, niedergebrannte Wohnviertel: Satellitenbilder belegen laut "Human Rights Watch" das Ausmaß der Ausschreitungen gegen Muslime in Zentralburma. Die Menschenrechtler verlangen Aufklärung, der Staatspräsident sorgt sich um das Image des Landes.


Human Rights Whatch/ DigitalGlobe
Bangkok/Rangun - Burma gerät wegen der jüngsten Ausschreitungen gegen Muslime zunehmend unter Druck. Die Menschenrechtsorganisation "Human Rights Watch" (HRW) forderte am Montag die Regierung auf, die Unruhen gründlich zu untersuchen und diejenigen zu bestrafen, die für den Tod von Muslimen verantwortlich sind.

Die Organisation veröffentlichte Satellitenbilder, die offenbar das Ausmaß der Zerstörung bei den Ausschreitungen in der zentralburmesischen Stadt Meiktila zeigen. Dort gab es vor anderthalb Wochen drei Tage lang die schwersten Zusammenstöße zwischen Buddhisten und Muslimen.

Die Aufnahmen zeigen die Zerstörungen in drei Gebieten der Stadt. Dabei erscheinen in den Aufnahmen vom 27. März ganze Stadtviertel von Asche bedeckt und zerstört. Auf der Grafik oben, die die aktuellen Bilder mit Aufnahmen vom Dezember 2012 abgleicht, sollen laut "Human Rights Watch" 442 Wohnhäuser zerstört oder stark beschädigt sein. Auf einer weiteren Aufnahme sind offenbar 345 zerstörte Gebäude abgebildet. SPIEGEL ONLINE kann die Angaben nicht unabhängig überprüfen.

Brad Adams, Asiendirektor bei HRW, fordert von der burmesische Regierung, "die Verantwortung für die Gewalt sowie das Versagen der Polizei, die mutwilligen Tötungen und das Niederbrennen gesamter Viertel" zu untersuchen. Insgesamt spricht HRW von 828 zerstörten Gebäuden in Meiktila, von denen die große Mehrheit Wohnhäuser seien, sowie einem Gebiet von 24 Hektar "nahezu kompletter Zerstörung".

Staatspräsident: "Image des Landes befleckt"

Die Ausschreitungen gegen Muslime hatten sich in den vergangenen Tagen auch auf andere Landesteile ausgebreitet. Mehrere Moscheen wurden niedergebrannt. Laut Uno-Angaben flohen mehr als 12.000 Menschen aus Meiktila. Die burmesischen Staatsmedien hatten bereits am Samstag von mehr als 160 gewaltsamen Zusammenstößen gesprochen. Insgesamt sind demnach 43 Menschen gestorben und landesweit mehr als 1300 Häuser zerstört worden.

Burmas Staatspräsident sorgt sich derweil um den Ruf des Landes. In einer Radioansprache am Sonntag sagte Thein Sein, manche Bürger hätten Tötungen und Brandstiftungen aus Zorn begangen, und "ihre Handlungen hätten das Image des Landes befleckt".

Tatsächlich steht Burma, das wegen seines demokratischen Wandels international gefeiert wurde, wegen des Umgangs mit Minderheiten in der Kritik. Die Spannungen zwischen der buddhistischen Mehrheit und der muslimischen Minderheit waren während der jahrzehntelangen Militärdiktatur unterdrückt worden. Es besteht nun die Befürchtung, dass die Unruhen im Zuge der Demokratisierung zunehmen könnten.

So kommt es im Westen des Landes immer wieder zu Ausschreitungen gegen die muslimischen Rohingya. Im Oktober hatte "Human Rights Watch" ganz ähnliche Satellitenaufnahmen von Rohingya-Siedlungen veröffentlicht, die niedergebrannte Wohnviertel zeigten.

fab

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insgesamt 21 Beiträge
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1.
Indigo76 01.04.2013
Zitat von sysopHuman Rights Whatch/ DigitalGlobeMehr als 800 zerstörte Häuser, niedergebrannte Wohnviertel: Satellitenbilder belegen laut "Human Rights Watch" das Ausmaß der Ausschreitungen gegen Muslime in Zentralburma. Die Menschenrechtler verlangen Aufklärung, der Staatspräsident sorgt sich um das Image des Landes. http://www.spiegel.de/politik/ausland/satellitenbilder-zeigen-laut-hrw-zerstoerung-bei-unruhen-in-burma-a-891906.html
Aber wehe, es wäre anderherum; wehe es wären Muslime, die Wohnviertel von Buddhisten zerstört hätten. Wann wird endlich die Einsicht durchsickern, dass es nicht "die Guten" und "die Bösen" gibt. EIN Mensch mag lieb und nett sein, aber wenn sich viele Menschen zusammen rotten, sind sie wilde Tiere.
2. optional
großwolke 01.04.2013
"Es besteht nun die Befürchtung, dass die Unruhen im Zuge der Demokratisierung zunehmen könnten." Ein toller Satz. Auf sowas muss man erstmal kommen. Was mich in dem Zusammehang am ehesten interessiert: wo kommen diese Feindseeligkeiten eigentlich her? Blutrünstige Buddhisten, das ist ja schon irgendwie ein Widerspruch in sich. Aber wie es aussieht, muss ich mir meine Hintergründe wohl wieder selber suchen, die Speerspitze des deutschen Online-Journalismus lässt mich damit mal wieder allein
3. @großwolke
achim58 01.04.2013
"wo kommen diese Feindseeligkeiten eigentlich her? Blutrünstige Buddhisten, das ist ja schon irgendwie ein Widerspruch in sich. Aber wie es aussieht, muss ich mir meine Hintergründe wohl wieder selber suchen, die Speerspitze des deutschen Online-Journalismus lässt mich damit mal wieder allein" 100 % Zustimmung - in keinem Pressebericht finde ich eine Erklärung für dieses (für Buddhisten völlig untypische) Verhalten ? Stellt sich keiner der Journalisten diese naheliegende Frage, oder darf nur die Antwort nicht veröffentlicht werden ? Sehr seltsam....
4.
Syrus 01.04.2013
Die Gründe für die Ausschreitungen dürften vielschichtig sein. Einer der Anführer, ein buddhistischer Abt, gab an, dass er Rache für die in 2001 durch die Taliban zerstörten buddhistischen Heiligtümer in Afghanistan wolle: Muslims vanish as Buddhist attacks approach Myanmar's biggest city | Reuters (http://www.reuters.com/article/2013/03/29/us-myanmar-unrest-idUSBRE92S08H20130329)
5. Seltsam
kuac 01.04.2013
Zitat von SyrusDie Gründe für die Ausschreitungen dürften vielschichtig sein. Einer der Anführer, ein buddhistischer Abt, gab an, dass er Rache für die in 2001 durch die Taliban zerstörten buddhistischen Heiligtümer in Afghanistan wolle: Muslims vanish as Buddhist attacks approach Myanmar's biggest city | Reuters (http://www.reuters.com/article/2013/03/29/us-myanmar-unrest-idUSBRE92S08H20130329)
Seltsam. Rache nach 12 Jahren? Und nicht gegen Taliban oder eine Moschee, sondern einfach gegen unschuldige hundert Tausende moslemische Einwohner und deren Wohnviertel?
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