Bush-Satire: Verwählt

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Eine US-Website hat die Meldung verbreitet, der republikanische Ex-Präsident George W. Bush habe sich am Wahlautomaten vertippt - und aus Versehen für Barack Obama gestimmt. Viele hätten die Geschichte nur zu gerne geglaubt.

Bush (re.) und Obama: "Rot steht doch für Stopp" Zur Großansicht
REUTERS

Bush (re.) und Obama: "Rot steht doch für Stopp"

Crawford - Die Geschichte ist einfach zu schön, um wahr zu sein: "George Bush wählt aus Versehen Obama" titelt die Webseite "The Daily Currant". Der ehemalige US-Präsident habe am Dienstag in einem Wahllokal nahe seinem Haus in Crawford, Texas, gewählt, heißt es da. Lokalreporter hätten zufällig beobachtet, wie Bush bei der Präsidentschaftswahl vom Wahlcomputer überfordert gewesen sei. Statt des republikanischen Kandidaten Mitt Romney habe er den Demokraten gewählt.

Die Webseite beruft sich auf eine Reporterin der Zeitung "Waco Times": Suzanna Everett, angeblich politische Korrespondentin des Blattes, sei Zeugin geworden, wie Bush mit Wahlhelfern stritt, weil er seine Stimmabgabe rückgängig machen wollte.

Genüsslich walzt die Seite ein Gespräch zwischen der Reporterin und dem republikanischen Politiker aus. "Herr Präsident, Fox News berichtet, dass Sie versehentlich Barack Obama gewählt haben. Was sagen Sie dazu?" "Ja. Wegen der Unfähigkeit der Leute, die die Wahlmaschinen entworfen haben, zählt meine Stimme jetzt für den anderen Typen." Hauptsächlich sei der Aufbau des Bildschirms schlecht, moniert der Ex-Präsident da. "Das ist viel zu durcheinander. Das verwirrt die Leute nur." Zunächst habe er den falschen Kandidaten angeklickt. Dann habe er den roten Knopf gedrückt, weil er den für die Löschtaste gehalten habe. Doch stattdessen habe er mit diesem Knopfdruck seine Stimme losgeschickt. "Normalerweise steht doch rot für Stopp und grün für Gehen. Ich dachte, ich stoppe den Vorgang."

George W. Bush - so doof! Haha

So weit, so lustig - aber alles erfunden. "The Daily Currant" ist eine Satire-Webseite und die angebliche Reporterin Suzanna Everett sowie die Zeitung "Waco Times" gibt es gar nicht. Doch viele Menschen wollten die Geschichte offenbar nur allzu gern glauben. Sie verbreitete sich kurz nach Mitternacht rasant via Twitter rund um den Globus. George W. Bush - so doof! Haha.

Schließlich hatte er ja auch schon während seiner Amtszeit manchen denkwürdigen Auftritt abgeliefert. Mit sprachlichen Patzern und Ahnungslosigkeit. Legendär seine Warnung, ihn nicht zu "verunterschätzen". Der frühere Regierungssprecher von Kanzler Gerhard Schröder, Uwe-Karsten Heye, bezeichnete ihn in einem TV-Interview einmal als "intellektuell äußerst niederschwellig". Bush musste oft um Worte ringen und manches Mal konnten selbst Wohlgesinnte nur erahnen, was er wohl meinte.

Und nicht zuletzt hatte es ja bei Bushs erster Wahl zum Präsidenten im Jahr 2000 große Probleme mit Wahlcomputern gegeben. Das Ergebnis in Florida: höchst umstritten. Dort wurden die Computer später per Gesetz wieder durch Wahlzettel aus Papier abgelöst - damit man sie notfalls nachzählen kann.

Die Geschichte im "Daily Currant" war also nur einen Hauch überzeichnet. Nur so viel, dass sie gerade noch vielleicht hätte wahr sein können. Deshalb bemühte sich die tatsächlich in Waco erscheinende Zeitung "Waco Tribune" schnell um Aufklärung. "Satireseite postet Ente über George W. Bush", heißt es da. Die Autoren stellen klar, dass es in ihrer Stadt weder die Zeitung "Waco Times" gibt, noch die Reporterin Everett. Außerdem habe Bush gar nicht in der Region gewählt. Zwar besitze er eine Ranch in Crawford bei Waco, lebe heute aber meist in seinem Haus in der Nähe von Dallas.

Auch bei Twitter und Co. ist seit Stunden klar, dass die Geschichte nur ein hübscher Gag ist.

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1.
hxk 07.11.2012
Zitat von sysopREUTERSEine US-Website hat die Meldung verbreitet, der republikanische Ex-Präsident George W. Bush habe sich am Wahlautomaten vertippt - und aus Versehen für den Demokraten Barack Obama gestimmt. Schnell war klar: alles nur erfunden. Doch viele hätten die Geschichte nur zu gerne geglaubt. http://www.spiegel.de/politik/ausland/satireseite-macht-sich-ueber-ex-praesident-bush-lustig-a-865898.html
Ich möchte nicht wissen wie viel Deutsche, die sich bei jeder Gelegenheit über die 'dummen Amis' ereifern darunter waren. Wäre ja nicht das erste Mal, dass diese Besserwisser zum Opfer ihrer eigenen Vorurteile werden. http://www.news.at/_storage/asset/1053572/storage/newsat:key-visual/file/12287796/bericht-toulouse-buddhistischer-killer-322854_e.jpg
2. optional
Onzlow 07.11.2012
Und ich dachte die Republikaner wollten um jede Stimme in den Swing States kämpfen. W hätte sich doch bei seinem Bruder Jebb in Florida einquartieren können. Gut, dann muss es aber noch mit der Hollerith-Maschine klappen.
3. oh armes..
zweistein59 07.11.2012
Amerika - wenn ihr euch von solch schlichten Figuren in Kriege treiben lasst. unabhängig. ob wahr oder nicht wahr, was sich in der Wahlkabine abgespielt hat - es war schon recht "westerwellig", was der Vorgänger von Obama da manchmal zum besten gab .....
4. yeah, Tex4ever
xaka 07.11.2012
Zitat von sysopREUTERSEine US-Website hat die Meldung verbreitet, der republikanische Ex-Präsident George W. Bush habe sich am Wahlautomaten vertippt - und aus Versehen für den Demokraten Barack Obama gestimmt. Schnell war klar: alles nur erfunden. Doch viele hätten die Geschichte nur zu gerne geglaubt. http://www.spiegel.de/politik/ausland/satireseite-macht-sich-ueber-ex-praesident-bush-lustig-a-865898.html
was war denn nun erfunden, dass er sich vertippt hat, oder dass er Obama gewählt hat??? ;-)))
5. Die Realität ist weitaus schlimmer
el-gato-lopez 07.11.2012
Zitat von sysopREUTERSEine US-Website hat die Meldung verbreitet, der republikanische Ex-Präsident George W. Bush habe sich am Wahlautomaten vertippt - und aus Versehen für den Demokraten Barack Obama gestimmt. Schnell war klar: alles nur erfunden. Doch viele hätten die Geschichte nur zu gerne geglaubt. http://www.spiegel.de/politik/ausland/satireseite-macht-sich-ueber-ex-praesident-bush-lustig-a-865898.html
"Vertippen" ist ja noch harmlos - selbst wenn es tatsächlich so vorgefallen wäre. Die Realität ist, bzw. war viel schlimmer: Pennsylvania Voting Machine Switches Vote From Barack Obama To Mitt Romney (VIDEO) (http://www.huffingtonpost.com/2012/11/06/pennsylvania-voting-machine-switches-vote-obama-romney_n_2083015.html) Das ganze war (angeblich) bloss ein Kalibrierungsfehler des Touchscreens - Interessanterweise machte das Gerät aber nur beim Feld für Obama ärger...
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