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Saudi-Arabien: 100 Hinrichtungen seit Anfang des Jahres

Hartes Justizsystem: Vorbereitungen für eine öffentliche Auspeitschung in der saudi-arabischen Stadt Khobar (Archiv) Zur Großansicht
REUTERS

Hartes Justizsystem: Vorbereitungen für eine öffentliche Auspeitschung in der saudi-arabischen Stadt Khobar (Archiv)

Menschenrechtsaktivisten sprechen von einem "Feldzug des Todes": Die saudi-arabische Justiz hat dieses Jahr bereits mehr Menschen hinrichten lassen als im gesamten vergangenen Jahr. Die Vergehen waren oft harmlos.

In Saudi-Arabien wurden seit Anfang des Jahres bereits 100 Menschen exekutiert - 47 von ihnen wegen gewaltfreien Drogenmissbrauchs. "Die saudi-arabische Justiz befindet sich dieses Jahr auf einem 'Feldzug des Todes'", sagte Sarah Leah Whitson, die Nahost- und Nordafrika-Direktorin von der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW).

Saudi-Arabien hätte in sechs Monaten mehr Menschen hingerichtet als im gesamten letzten Jahr: 2014 waren es 88 Hinrichtungen in dem Land, meldet HRW. "Die Hinrichtungen für gewaltfreie Drogendelikte zeigen, wie schamlos das ist", sagte Whitson.

Nur 14 der 100 Hingerichteten seien nach dem "Hadd", dem islamischen Recht, verurteilt worden, meldet die saudi-arabische Nachrichtenagentur "Saudi Press Agency". 30 von ihnen hätten das islamische Gesetz "Qisas" zugrunde - eine Vergeltungsstrafe für Mord. Über die Gründe für die restlichen 56 Exekutionen schwiegen die Richter demnach.

In Saudi-Arabien gibt es kein Strafgesetzbuch. Es liegt daher allein im Ermessen der Richter, zu entscheiden, was ein Verbrechen ist, wie der Schuldige überführt wird und welche Strafe verhängt wird.

Internationale Standards geben vor, dass Länder, in denen es die Todesstrafe gibt, diese nur für "gefährliche Straftaten" einsetzen dürfen. 2012 haben die Vereinten Nationen festgelegt, dass die Todesstrafe nur in Verbindung mit dem Strafbestand Mord verhängt werden darf - und nicht für Drogendelikte. Auch Saudi-Arabien hat sich in der arabischen Charta der Menschenrechte dazu verpflichtet, sich an die Vorgaben zu halten.

In Saudi-Arabien haben es Angeklagte schwer, ein faires Verfahren zu bekommen: Sie werden oft nicht darüber informiert, welche Strafen ihnen drohen und erhalten keinen Zugang zu Beweismaterial. Richter erlauben es den Anwälten der Angeklagten oft nicht einmal, während des Verhörs einzuschreiten.

Saudi-Arabien hat eine der höchsten Hinrichtungsraten der Welt. Noch schlimmer ist die Lage im Nahen Osten, wie etwa in Iran: Dort wurden laut Uno-Experten seit Januar mehr als 340 Gefangene exekutiert - 98 allein zwischen dem 9. und 28. April.

kry

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 169 Beiträge
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1. Wortgetreue Koranauslegung.
janzen1 16.06.2015
Wo ist das Problem? Die saudische Justiz setzt doch letztendlich die Strafen um, die der Koran fordert. Soll doch keiner so tun, als wüsste er von nichts.
2. Hauptsache...
stasy 16.06.2015
...Deutschland liefert weiter fleißig Waffen an dieses Unterdrücker-Regime und der deutschen Rüstungsindustrie geht´s gut. Da muss man angesichts solcher Zahlen auch nicht unbedingt was sagen - wär ja schlecht für´s Geschäft.
3. Was Saudi-Arabien und IS gemeinsam haben
japhet 16.06.2015
Jeder mag sich selbst mit der Frage beschäftigen, was der sog. Islamische Staat und Saudi-Arabien gemeinsam haben - die Antwort ist eigentlich sehr einfach. Das einzige was sie wirklich unterscheidet ist der Umstand, dass der IS rund 100 Jahre "zu spät" ausgerufen wurde und sich deshalb (noch?) nicht der "internationalen Anerkennung" als Staat erfreuen kann.
4.
chalchiuhtlicue 16.06.2015
Ich zitiere mal den Satz, den die Gutmenschen hier im Forum so gerne von sich geben, wenn sie überwachungsstaatliche Maßnahmen verharmlosen wollen: "Wer sich nicht zu Schulden kommen lässt, der hat auch nichts zu befürchten." Gilt hier wie dort. Oder gilt es etwa hier wie dort NICHT?
5.
Korf 16.06.2015
Also, bitte! Wer wird sich denn hier so echauffieren? Wir machen gute Geschäfte mit den Saudis, da muss man schon mal über das eine oder andere Defizit hinwegschauen können. Wo kämen wir sonst hin?
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