Verhaftungswelle Saudi-Arabien dementiert Gerüchte über toten Prinzen

Ist Prinz Abdulasis bin Fahd bei seiner Festnahme in Saudi-Arabien ums Leben gekommen? In sozialen Medien wird darüber spekuliert, die Regierung in Riad weist die Berichte zurück.

Saudi-arabische Prinzen (Archivbild)
REUTERS

Saudi-arabische Prinzen (Archivbild)


Die saudi-arabische Regierung hat Gerüchte über den Tod eines Prinzen im Rahmen der jüngsten Antikorruptionsrazzien dementiert. Entsprechende Berichte über das Schicksal von Prinz Abdulasis bin Fahd seien falsch, der Prinz sei "am Leben und wohlbehalten", teilte das Informationsministerium in Riad mit. Abdulasis ist Sohn des früheren Königs Fahd.

Das Ministerium sah sich offenbar durch erregte Debatten in sozialen Netzwerken zu der Klarstellung veranlasst. Im Internet machten Meldungen die Runde, denen zufolge Abdulasis in Gewahrsam ums Leben gekommen sei oder er getötet worden sei, als er Widerstand gegen seine Festnahme geleistet habe.

Die Verhaftungswelle vom Wochenende hat in dem Königreich große Unruhe ausgelöst. Dutzende Persönlichkeiten - unter ihnen Prinzen, Politiker und Geschäftsleute - waren unter Korruptionsverdacht festgenommen worden. Ein solches Vorgehen innerhalb der weitverzweigten königlichen Familie ist in der modernen Geschichte Saudi-Arabiens ohne Beispiel.

Die Festnahmen waren unmittelbar nach der Einsetzung einer Antikorruptionskommission unter Leitung des Kronprinzen Mohammed bin Salman erfolgt. Das Vermögen der Betroffenen wurde eingefroren.

Videoanalyse: "Es geht um Machterhalt"

AFP;SPIEGEL ONLINE

Der im Juni zum Kronprinzen ernannte Sohn des 81-jährigen Königs Salman plant umfassende Reformen. Nach seiner Ernennung hatte er einen Modernisierungskurs angekündigt. Der Kronprinz gilt bereits als De-facto-Herrscher Saudi-Arabiens. Er dürfte das Ziel haben, bis zu seiner endgültigen Machtübernahme alle Widersacher aus dem Weg zu räumen.

Die Maßnahmen vom Samstag betreffen Beobachtern zufolge nicht nur Kritiker seines Modernisierungskurses. Viele der Festgenommenen lehnen auch seinen rigiden außenpolitischen Kurs ab, der den Boykott des Golfemirats Katar einschließt.

Unterdessen versucht die saudi-arabische Führung, negative Folgen für die Wirtschaft zu verhindern. Die Antikorruptionsermittlungen richteten sich nur gegen einzelne Personen, nicht gegen ihre Unternehmen. Die Führung des Landes sei sich der Bedeutung der Unternehmen für die heimische Wirtschaft und des Vertrauens der Investoren in Saudi-Arabien bewusst.

Auch die Zentralbank versuchte zu beruhigen. Die Geschäfte von Firmen und Banken seien nicht betroffen, versicherte sie. Zuvor war aus Bankenkreisen verlautet, dass im Zuge der Antikorruptionskampagne mehr als 1200 Konten eingefroren worden seien.

International bereitet auch der harsche anti-iranische Kurs der saudi-arabischen Führung Sorge. Die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini warnte vor einer weiteren Zunahme der Spannungen zwischen beiden Ländern. Die aktuelle Eskalation sei "extrem gefährlich", sagte Mogherini bei einem Besuch in Washington.

US-Präsident Donald Trump hingegen hatte zuvor der saudi-arabischen Führung sein "großes Vertrauen" ausgesprochen. König Salman und Kronprinz Mohammed bin Salman "wissen genau, was sie tun", schrieb er auf Twitter.

wal/AFP/Reuters



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almutairi.thaar 07.11.2017
1. Die reformationen
Die Reformen in Saudi-Arabien werden nach der Vision von 2030 durchgeführt, damit die Institutionen des Staates frei von finanzieller und administrativer Korruption sind. Die saudische Jugend, vertreten durch Kronprinz Mohammed bin Salman, hat den Ehrgeiz, dass sie ein entwickeltes und fortschrittliches Land haben wollen, das gegen die Korruptionen und Extremismus kämpft. Ehrlich sage, Saudi Arabien ist auf dem richtigen Weg zur Entwicklung ist. Danke
Newspeak 07.11.2017
2. ...
Ich glaube mehr noch als Nordkorea ist Saudi-Arabien das Land des Teufels. Wenn man das irgendwie blumig ausdruecken will. Es sollte Aufgabe der ganzen Menschheit sein, diesen Staat, der Terror foerdert, Frauen unterdrueckt, und alle moeglichen anderen menschenfeindlichen Dinge tut, in die Geschichte eingehen zu lassen.
Ein_denkender_Querulant 07.11.2017
3. 1001 und eine Nacht?
Wenn ich eine Prinzengesellschaft mit tausenden die Gesellschaft ausschmarotzenden Gesellen sehe, glaube ich nur, im falschen Film zu sein, wenn wir bedenken, dass auch Saudi Arabien im Jahr 2017 lebt. Dazu quasi absolutischtische Vorgehensweisen. In den nächsten 50 Jahren droht Saudi Arabien ein massiver gesellschaftlicher Umschwung oder es wird im Chaos versinken. Meine Meinung
goethestrasse 08.11.2017
4. S a
...sollte den Iran nicht zu sehr reizen .Das Königreich wird wie ein Kartenhaus zusammenfallen, wenn es die Lunte zündet. Und der Westen setzt mal wieder auf die falsche Karte.
sitcom 08.11.2017
5. Notwendig
Wenn es ein Land gibt wo Reformen und der Kampf gegen Korruption notwendig sind dann ist das Saudi-Arabien. Ich hoffe das der Kronprinz Erfolg hat...
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