Saudi-Arabien Frauen dürfen erstmals wählen

Zum ersten Mal in der Geschichte Saudi-Arabiens dürfen sich Frauen an einer Wahl beteiligen. Abgestimmt wird allerdings nur über die Besetzung von Gemeinderäten, deren Befugnisse gering sind.

Wahlkampfzentrale einer weiblichen Kandidatin: 900 Frauen haben sich aufstellen lassen
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Wahlkampfzentrale einer weiblichen Kandidatin: 900 Frauen haben sich aufstellen lassen


In Saudi-Arabien haben die ersten für Frauen offenen Wahlen in der Geschichte des streng muslimischen Landes begonnen. Bei der Abstimmung über die Gemeinderäte im Königreich durften Frauen erstmals sowohl wählen als auch kandidieren. Die nach Männern und Frauen getrennten Wahllokale öffneten um 8.00 Uhr (6.00 Uhr MEZ) für neun Stunden.

Landesweit bewarben sich mehr als 6900 Kandidaten, darunter 980 Frauen. Sie bewerben sich um die Sitze in insgesamt 284 Gemeinderäten.

Allerdings reichen die Befugnisse der Kommunalvertretungen über Straßenbau, öffentliche Anlagen und Müllabfuhr kaum hinaus. In die Wählerlisten schrieben sich nach amtlichen Angaben nur 130.600 Frauen ein, etwa zehn Mal weniger als Männer.

Im ultrakonservativen Königreich Saudi-Arabien unterliegen Frauen zahlreichen Beschränkungen, zu denen auch ein Fahrverbot gehört. Das nun gewährte aktive und passive Wahlrecht für Frauen gilt einigen als zumindest kleiner Schritt nach vorn. Menschenrechtler begrüßten die Abstimmung als Fortschritt für die Frauenrechte in Saudi-Arabien. Der Wahlausgang dürfte aber weniger vom Geschlecht als von der Stammeszugehörigkeit der Kandidaten abhängen.

ler/AFP/dpa



insgesamt 26 Beiträge
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coyote38 12.12.2015
1. Hut ab ...^^
Und diese Mittelalter-Monarchie ist ein offizieller "Strategischer Partner" Deutschlands. Das Regime am Golf unterscheidet sich vom IS nur dadurch, dass die Scheichs besser angezogen sind und keine Pickup-Trucks fahren.
recepcik 12.12.2015
2. Natürlich nur Kommunalwahlrecht
Oder hat Saudi-Arabien ein Parlament ?
Whitejack 12.12.2015
3.
Zitat von coyote38Und diese Mittelalter-Monarchie ist ein offizieller "Strategischer Partner" Deutschlands. Das Regime am Golf unterscheidet sich vom IS nur dadurch, dass die Scheichs besser angezogen sind und keine Pickup-Trucks fahren.
Das ist auch der Grund, warum von den in der Region aktiven Staaten - Türkei, Iran, Russland, Jordanien, Israel, Saudi-Arabien - keiner den IS so recht ernst nimmt. Außerhalb Europas ist der IS kaum ein Thema, und das liegt vor allem daran, dass der IS sich propagandistisch gezielt gegen Europa wendet. Es ist eine anti-europäische Bewegung, die europäisch denkt und zu einem guten Teil aus Europäern besteht. Ansonsten: Kopf abschneiden, Frauen unterdrücken, totalitärer Eingriff in alle Lebenslagen, das gibt es alles auch bei unserem Verbündeten Saudi-Arabien. Es sind also wohl kaum die Menschenrechte, die die europäischen Interessen dort leiten. (Aber es wäre auch mal ganz was Neues, wenn es nicht geostrategische Interessen oder günstige Rohstoffe wären. Man hat zwar keine Kolonien mehr, aber die Denkweisen sind immer noch auf dem Fundament der alten Kolonialzeit aufgebaut, bei der man sich Staaten schafft und umbaut, wie es gerade opportun erscheint.) Immerhin gibt die Meldung Anlass zur Hoffnung, dass sich selbst in so rigorosen Diktaturen Dinge ändern können. Solche Änderungen wird man aber nicht herbeibomben können.
recepcik 12.12.2015
4. Saudi-Arabien ist ein
Islamistischer Unrechtsstaat der seinen wahabistischen Islam expandiert. Der Wahabismus bildet die Grundlage für den islamistischen Terror. Wenn man sieht dass sich nur 130000 Frauen in die Wahllisten eingetragen haben zeigt es doch dass Wahlrecht alleine nicht reicht. Viele befürchten trotz des Wahlrechts die privaten Schariagesetze zu Hause .
ixfueru 12.12.2015
5. Vielleicht darf daran erinnert werden,
dass vor noch nicht langer Zeit sogar unser Wirtschaftsminister in dem Lande war - nicht um über Sanktionen zu reden sondern über gute Geschäfte. Aber muslimische Frauen werden nicht nur in Saudi Arabien unterdrückt - das passiert auf verschieden Weise sogar in Deutschland. Hier allerdings nicht mit Unterstützung des Staates. Aber verhindern tut er's auch nicht.
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