Saudi-Arabien Frauen dürfen Unternehmen gründen - ohne männliche Erlaubnis

Neuer Reformschritt in Saudi-Arabien: Frauen dürfen in dem ultrakonservativen Königreich künftig selbstbestimmt als Unternehmerinnen arbeiten. Von echter Gleichberechtigung kann aber keine Rede sein.

Getty Images/ Photothek/ Thomas Koehler


Bislang musste ein männlicher Vormund ihnen die Erlaubnis erteilen, damit sie ein Unternehmen gründen konnten - damit ist es vorbei: Frauen in Saudi-Arabien können jetzt auch ohne Einverständnis von Ehemann, Vater oder Bruder als Unternehmerinnen aktiv werden. Außerdem ist es ihnen fortan erlaubt, Onlinedienste der Regierung zu nutzen. Das gab das Handelsministerium in Riad auf seiner Homepage bekannt.

Die Erleichterungen für Frauen sind Teil eines wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Modernisierungsprogramms von Kronprinz Mohammed bin Salman. Dessen erklärtes Ziel ist es, den Anteil der Frauen am Arbeitsmarkt von derzeit 22 Prozent auf mehr als 30 Prozent im Jahr 2030 zu steigern.

Anfang dieser Woche hatte die Staatsanwaltschaft in der Hauptstadt Riad angekündigt, zum ersten Mal Frauen einzustellen. Die Passbehörde des Landes hatte unlängst erklärt, sie habe 107.000 Bewerbungen von Frauen für 140 offene Stellen an Flughäfen und Grenzübergängen erhalten.

Bereits im vergangenen Jahr hatte Riad angekündigt, dass Frauen ab Juni 2018 in Autos am Steuer sitzen dürfen. Zudem können Frauen seit Januar für Fußballspiele in Stadien gehen und ab März ins Kino.

Allerdings sind Frauenrechte in dem streng muslimischen Königreich weiterhin stark eingeschränkt. So muss ihnen ein männliches Familienmitglied eine Erlaubnis geben, bevor sie studieren oder reisen können.

cbu/dpa



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spon-41d-frm9 18.02.2018
1. Immerhin
wenn man bedenkt, wie lange die französische Revolution her ist, und wie langsam die Gleichberechtigung von Frauen hier voran geschritten ist - man bedenke dass Frauen bis Mitte der 70er Jahre noch ihren Mann fragen mussten wenn sie arbeiten wollten, und dass auch heute noch kaum Frauen in Führungspositionen zu finden sind, und Männer für gleiche Arbeit viel mehr verdienen als Frauen - dann kann man den Saudis doch nur gratulieren für diesen, wenn auch kleinen, Fortschritt.
jozu2 18.02.2018
2. Ich freue mich über jeden Fortschritt. Weiter so!
Ich freue mich über jeden Fortschritt und unterstütze das. Aber man sollte darüber nicht vergessen, dass Saudi-Arabien damit nur auf den Weg vom Mittelalter in die Neuzeit angefangen hat, aber ihn noch nicht lange beschreitet. Viele moslemische, christliche und jüdische Menschen sind noch nicht mal so weit. Deshalb gilt mein Applaus vorbehaltlos dem mutigen Kronprinzen. Wir sind in Europa zwar wesentlich weiter, aber auch bei uns glauben noch viele Menschen an Götter (die es nicht gibt, weil es keine v e r n ü n f t i g e n Anhaltspunkte für deren Existenz gibt) und meinen die Allgemeinheit müsse auch noch darauf Rücksicht nehmen. Ein wirklich moderner, Vernunft-gesteuerter Staat kann nur ein säkularer Staat sein, in dem Christentum, Islam etc. so behandelt werden, wie derzeit Okkultismus. Das ist ja aber nur eine abwertende Bezeichnung der großen Religionen für Glauben, den sie für minderwertig oder falsch halten. Im Grunde ist auch Okkultismus eine Religion.
oldman2016 18.02.2018
3. Haben wir noch Mittelalter?
Frauen dürfen in Saudi-Arabien ein eigenes Unternehmen gründen, ins Fußballstadion gehen und ab Juni sogar selber ein Auto lenken. Immerhin. Und wie sieht es in den anderen islamischen Staaten aus, vor allem im Iran, dem Erzfeind Saudi-Arabiens? Trotzdem ein kleiner Fortschriftt für die Rechte der Frauen in Saudi Arabien.
satissa 18.02.2018
4. Vorsicht Augenmaß
Wenn die Reformen der Mächtigen schneller sind als die Akzeptanz in der Bevölkerung, kommt es meist zu Umstürzen mit eher negativen Folgen, siehe Iran und Afghanistan.
malaconciencia 18.02.2018
5. @1 halb richtig
Und wieder einmal. Nicht Frauen bekommen weniger als Männer sondern Arbeitnehmer mit höherer Beruferfahrung mehr als Arbeitnehmer mit geringerer Berufserfahrung. Als ich die Überschrift des Artikels gesehen habe, dachte ich auch erst es würde auf die Rechtslage in Deutschland Bezug genommen. Hier können Frauen nämlich auch ohne Einschränkungen Unternehmen gründen. Dort können sie dann Farien mehr zahlen und die Führungsriege komplett weiblich besetzen. Also dann mal die Energie in diese Tätigkeiten stecken als ständige Rummosereien, die ausschließlich mit Statistiken „bewiesen“ werden in denen eine Korrelation aber keine Kausalität zu erkennen ist!
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