Militär-Milliarden gegen Hisbollah Frankreich und Saudi-Arabien rüsten Libanon auf

Riad gibt das Geld, Paris liefert die Waffen: Saudi-Arabien und Frankreich rüsten für drei Milliarden Dollar die libanesische Armee auf. Beide Länder wollen so die Macht der Hisbollah brechen - doch jetzt droht eine unkontrollierte Verbreitung der Rüstungsgüter.

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Beirut/Paris - Es kommt selten vor, dass sich Libanons Präsident direkt an sein Volk wendet. Doch am frühen Sonntagabend hielt Michel Suleiman eine kurzfristig anberaumte Fernsehansprache: Saudi-Arabiens König Abdullah werde der libanesischen Armee drei Milliarden US-Dollar überweisen. Mit dem Geld sollten Waffen und andere Rüstungsgüter aus Frankreich gekauft werden. Es ist die größte Finanzspritze für die libanesischen Truppen seit der Gründung des Landes 1943.

"Die Stärkung unserer Armee ist eine nationale Forderung und ein Traum, den ich in allen 41 Jahren meines Dienstes im Militär gehabt habe", sagte Suleiman, der selbst von 1998 bis 2008 Oberbefehlshaber der libanesischen Streitkräfte war. "Seit der Unabhängigkeit träumt jeder Libanese davon, sich dem israelischen Feind entgegenzustellen, die Demokratie zu schützen und den Terror zu bekämpfen."

Welche Waffen der Libanon nun mit saudi-arabischen Petrodollars in Frankreich einkaufen wird, ließ der Präsident offen. Den Zeitpunkt der Bekanntgabe hatte Suleiman aber nicht zufällig gewählt. Wenige Stunden zuvor fand im Zentrum Beiruts die Trauerfeier für den am Freitag getöteten Politiker Mohammed Schatah statt. Der ehemalige Finanzminister war gemeinsam mit sieben weiteren Menschen bei einem Bombenattentat ums Leben gekommen.

Sunniten wollen Gegengewicht zur Hisbollah

Der Sunnit Schatah galt als entschiedener Gegner der schiitischen Hisbollah im Libanon. "Die Hisbollah macht Druck, um die gleiche Macht in Fragen der Sicherheits- und Außenpolitik zu bekommen, die Syrien 15 Jahre lang im Libanon ausgeübt hat", schrieb er in seinem letzten Tweet nur etwa eine Stunde vor seinem Tod.

Mit seiner Spende will Saudi-Arabiens König Abdullah die libanesische Armee als Gegengewicht zur Hisbollah stärken. Bislang ist die schiitische Miliz bei weitem die stärkste militärische Macht im Land. Das hat die "Partei Gottes" ihrer Schutzmacht Iran zu verdanken, von der sie finanziert und aufgerüstet wird und die ihre Kämpfer ausbildet.

Die Sunniten im Libanon, die etwa ein Drittel der Landesbevölkerung stellen, sehen diese Aufrüstung mit immer größerer Skepsis. Noch mehr gilt das für die sunnitischen Regierungen in der Region - allen voran Saudi-Arabien, das sich als Schutzmacht der libanesischen Sunniten sieht und mit Iran um die Vorherrschaft im Nahen Osten ringt.

Saudi-Arabien will also mit der Finanzhilfe seine Stellung im Libanon stärken. Doch die Armeeführung in Beirut könnte die Abhängigkeit von den Geldern aus Riad schon bald vor Probleme stellen. Denn derzeit stellen ausgerechnet militante Sunniten das Militär vor die größte Herausforderung. In diesem Jahr starben Dutzende Soldaten bei Gefechten mit Anhängern des radikalen sunnitischen Predigers Ahmed al-Assir, mehr als hundert weitere wurden verletzt. Anfang Dezember stellte die Regierung Tripoli, die größte sunnitische Stadt des Landes unter die direkte Kontrolle des Militärs, weil in den vergangenen Monaten verstärkt Kämpfe zwischen Sunniten und der alawitischen Minderheit aufgeflammt sind.

Paris will Eiszeit zwischen USA und Saudi-Arabien ausnutzen

Außerdem liefern sich libanesische Soldaten immer wieder Gefechte mit syrischen Rebellen, die vom Libanon aus Angriffe auf Assads Truppen in Syrien starten. Saudi-Arabiens Königshaus unterstützt eben jene Aufständischen und teilt zudem das streng religiöse Weltbild von radikalen Predigern wie Assir. Daher liegt es kaum im Interesse der Saudis, die libanesische Armee im Kampf gegen eben jene Gruppen zu unterstützen.

Auch Frankreichs Regierung scheint sich dieser Gefahren bewusst zu sein. In der Vergangenheit beschuldigte Paris Saudi-Arabien, ein doppeltes Spiel zu spielen, weil das Königreich allen Beteuerungen zum Trotz radikale Islamisten in Syrien ausrüstete, die dadurch inzwischen stärker geworden sind als die vom Westen unterstützte "Freie Syrische Armee". Diese Erfahrung weckt Befürchtungen, dass auch die französischen Waffen für den Libanon in den Händen von Islamisten in Syrien landen könnten.

Trotzdem sagte Frankreichs Präsident François Hollande, der am Sonntag in Riad mit König Abdullah zusammentraf: "Wir wollen einen stabilen Libanon und werden jede libanesische Anfrage positiv beantworten." Als ehemalige Mandatsmacht hat Paris seit jeher eine besondere Beziehung zum Libanon.

Doch wichtiger noch sind handfeste finanzielle und politische Interessen: Ein Auftrag in Höhe von drei Milliarden Euro ist für die französische Rüstungsindustrie äußerst lukrativ. Und Paris hofft auch noch mehr: Sehr genau hat Hollande registriert, dass sich die Beziehungen zwischen den USA und Saudi-Arabien unter Barack Obama abgekühlt haben. Riad hält Washingtons Kurs gegenüber Teheran für zu nachgiebig, den Atom-Kompromiss mit Iran sieht König Abdullah äußerst skeptisch. Von dieser Entfremdung will nun Frankreich profitieren.

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plumplori1975 30.12.2013
1. optional
Die einzigen die profitieren, sind die Franzosen und deren Rüstungssektor, die Saudis, weil sie nebenbei noch ihre Männiken ausrüsten. Wer nicht profitiert ist das Volk, weil es wieder zwischen die Fronten kommt. Israel, weil es sich wieder gegen sinnlose Machogehabe der Hisbollah und einigen unkontrollierbaren libanesischen Soldaten erwähren muss und wieder in ein Konflikt reingezogen wird, der für sie nun seit dem Abzug aus dem Jahre 2000 abgehakt erscheinte
KnoKo 30.12.2013
2. ...
Seien es nun Banken-, Währungs,- Wirtschaftskrisen oder Waffenlieferungen an irgendwelche unberechenbaren Parteien - die an den Tag gelegte Lernresistenz in manchen Bereichen ist regelrecht erschütternd.
pauschaltourist 30.12.2013
3. Geniestrategen
Nichts gelernt aus Afghanistan, nichts gelernt von Pakistan, nichts gelernt. Politiker eben.
hummel1 30.12.2013
4. Perverse Rüstungsgeschäfte!
So liefert Jeder an Jeden. Vielleicht sollte man sich einigen an niemanden zu liefern aber daran verdient man ja nichts. Wie pervers das doch alles ist. Heute haben wir die Interessen und morgen ganz andere und dann beliefern wir halt wieder die Gegenseite und hat ein Lieferland trouble mit dem Empfänger kein Problem es gibt genug die Knete brauchen dann lieferts halt ein anderer. Schon klar Deutschland liefert auch! ;-) Ich sage nur Weltsicherheitsrat und muss einen Foristen zitieren der mal sagte Erfindung frisst Erfinder.
buerger2013 30.12.2013
5. Hätte
Zitat von sysopAPRiad gibt das Geld, Paris liefert die Waffen: Saudi-Arabien und Frankreich rüsten für drei Milliarden Dollar die libanesische Armee auf. Beide Länder wollen so die Macht der Hisbollah brechen - doch jetzt droht eine unkontrollierte Verbreitung der Rüstungsgüter. http://www.spiegel.de/politik/ausland/saudi-arabien-gibt-libanon-drei-milliarden-dollar-fuer-waffen-a-941249.html
nicht gedacht, dass Sozialdemokraten mal die grössten Kriegstreiber werden. Hat Herr Hollande sich schon wegen der Kostenübernahme in Brüssel gemeldet?
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