Dichter Ashraf Fayadh Saudi-Arabien wandelt Todesurteil in Haftstrafe um

Ashraf Fayadh wurde wegen angeblicher Blasphemie in Saudi-Arabien zum Tode verurteilt. Nun hat ein Gericht daraus eine achtjährige Haftstrafe gemacht. Zudem drohen dem Lyriker 800 Peitschenhiebe.

Dichter Fayadh: Acht Jahre Haft und 800 Peitschenhiebe
AP/Instagram account of Ashraf Fayadh

Dichter Fayadh: Acht Jahre Haft und 800 Peitschenhiebe


Ein Gericht in Saudi-Arabien hat das Todesurteil gegen den Dichter Ashraf Fayadh gekippt. Es sei in eine achtjährige Haftstrafe umgewandelt worden, teilte sein Anwalt Rahman al-Lahim mit. Zudem drohen dem Lyriker nun wegen "Abwendung vom Glauben" 800 Peitschenhiebe, und er muss in staatlichen Medien einen formellen Widerruf veröffentlichen.

Fayadh ist Nachfahre palästinensischer Flüchtlinge. Er lebt seit seiner Geburt in Saudi-Arabien, besitzt aber keine Staatsangehörigkeit. 2014 war er zunächst zu vier Jahren Gefängnis und 800 Peitschenhieben verurteilt worden, weil er Gott verhöhnt haben soll, in seiner Dichtung wie im Privaten. Fayadh bestreitet die Vorwürfe.

Im November 2015 verhängte ein Berufungsgericht dann die Todesstrafe. Nach Angaben der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch waren dem Dichter blasphemische Äußerungen bei einer Diskussionsveranstaltung in einem Café sowie in einem vor zehn Jahren erschienenen Gedichtband vorgeworfen worden.

Die internationale Schriftstellervereinigung P.E.N. hatte die saudi-arabischen Behörden in einem offenen Brief aufgefordert, "damit aufzuhören, Menschen für die Ausübung ihres Rechts auf freie Meinungsäußerung zu bestrafen". Zu den mehr als hundert Unterzeichnern, die eine "bedingungslose Freilassung" Fayadhs forderten, gehörten die Pulitzerpreisträger John Ashbery und Charles Simic.

Nach Bekanntwerden der aktuellen Gerichtsentscheidung veröffentlichte die Vereinigung eine Mitteilung und nannte die neue Strafe "komplett inakzeptabel". Fayadh hätte stattdessen freigelassen werden sollen.

Saudi-Arabien gehört nach Angaben von Menschenrechtsorganisationen zu den Ländern mit den meisten Hinrichtungen weltweit. Laut Amnesty International wurden 2015 insgesamt 151 Todesurteile vollstreckt - so viele, wie seit 20 Jahren nicht mehr.

In Saudi-Arabien steht auf Terrorismus, Mord, Vergewaltigung, bewaffneten Raub und Drogenhandel die Todesstrafe. Aber auch Delikte wie das Abfallen vom Glauben, Hexerei und Ehebruch können laut Amnesty mit dem Tode bestraft werden. Riad argumentiert mit der abschreckenden Wirkung der Hinrichtungen.

SPIEGEL ONLINE

aar/AFP

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