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11. Januar 2013, 15:54 Uhr

Saudi-Arabien

König Abdullah ernennt erstmals weibliche Ratsmitglieder

Es ist ein kleiner Schritt in Richtung Gleichberechtigung: Zum ersten Mal in der Geschichte Saudi-Arabiens hat König Abdullah 30 Frauen in den Schura-Rat berufen. Der Saal des Gremiums muss nun umgebaut werden.

Riad - Der saudische König Abdullah hat erstmals Frauen für den Schura-Rat benannt: Von den insgesamt 150 Mitglieder des neuen Gremiums sind 30 weiblich. Der Schura-Rat, eine Art Pseudo-Parlament, hat nur beratende Funktion. Er besteht meist aus Akademikern, Geistlichen, Geschäftsleuten und ehemaligen Beamten. Seine Mitglieder werden alle vier Jahre vom König ernannt.

Der betagte Monarch sorgte zudem vor: Damit seine Nachfolger den emanzipatorischen Schritt nicht wieder rückgängig machen können, legte er per Dekret fest, dass auch künftig mindestens 20 Prozent der Schura-Sitze für Frauen reserviert werden müssen.

Die strikte Geschlechtertrennung bleibt aber bestehen. Der Schura-Saal wird deshalb umgebaut: Die ernannten Frauen bekommen eigene Sitzreihen und eine eigene Eingangstür. Kontakte zwischen Männern und Frauen, die miteinander nicht verheiratet sind, im islamischen Saudi-Arabien verboten. Der König ermahnte die weiblichen Ratsmitglieder, "sich gemäß dem islamischen Recht zu verhalten" und zu den Sitzungen mit vorschriftsmäßigem Schleier zu erscheinen.

Unter den 30 weiblichen Schura-Mitgliedern sind zwei Prinzessinnen, die bekannte Krebsforscherin Chaula al-Kuraja und die ehemalige Uno-Untergeneralsekretärin Thuraja Obeid. Vorsitzender des Rates bleibt der Islamgelehrte Scheich Abdullah bin Mohammed al-Alscheich, ein Sohn des früheren Muftis von Saudi-Arabien.

Der Schura-Rat hatte Frauen seit 2006 mehrfach als Beraterinnen angehört, meist zu Themen, die mit der Familie zu tun hatten. Der Mitgliedstatus wurde ihnen jedoch bisher verweigert.

Die Interparlamentarische Union in Genf lobte die Entscheidung des Königs. Nun sei auch die Zeit gekommen, um das Parlament insgesamt zu reformieren, damit es zu einer Institution wird, die das gesamte saudische Volk repräsentiert.

In Saudi-Arabien, wo eine puritanische Auslegung des sunnitischen Islam Staatsreligion ist, wird die Hälfte der Mitglieder der Kommunalräte gewählt. Die andere Hälfte wird vom Herrscher ernannt. Bisher waren Frauen von den Kommunalwahlen, die 2005 zum ersten Mal stattfanden, ausgeschlossen. Bei der nächsten Wahl sollen die Frauen auch wählen und kandidieren dürfen. Autofahren dürfen die saudischen Frauen allerdings immer noch nicht.

heb/dpa/Reuters

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