Saudi-Arabiens Kronprinz Mohammed Morgen ein König

Saudi-Arabiens Kronprinz Mohammed bin Salman gibt den Kämpfer gegen Korruption. Doch das ist nur ein Vorwand, um unliebsame Rivalen aus dem Weg zu räumen. Ob der junge Mann damit Erfolg hat, ist völlig offen.

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Das "Ritz Carlton" in Riad ist komplett ausgebucht. Bis zum 1. Dezember sind laut Internetseite des Luxushotels weder Gästezimmer noch Suiten verfügbar.

Doch die Gäste, die derzeit in dem palastartigen Komplex residieren, sind nicht freiwillig dort. Seit Samstagabend ist das Hotel ein goldener Käfig, in dem Saudi-Arabiens Kronprinz Mohammed bin Salman Dutzende hochrangige Persönlichkeiten aus der Elite des Königreiches festhält. Zuvor hatte die Hotelleitung alle Gäste aufgefordert, ihre Zimmer "wegen unvorhergesehener Umstände" bis Samstag 23 Uhr zu verlassen. Die Rezeption ist telefonisch nicht mehr erreichbar, die Leitung ins "Ritz Carlton" tot.

Nun hat Kronprinz Mohammed die Luxusherberge zu einem Gefängnis für elf Prinzen, vier amtierende Minister und Dutzende frühere Regierungsmitglieder gemacht. Ihnen wird Korruption vorgeworfen. "Einige schwache Seelen" hätten ihre Interessen über die Interessen der Öffentlichkeit gestellt, "um illegal Gelder anzuhäufen", heißt es in einer offiziellen Erklärung des Königshauses.

Niemand in Saudi-Arabien bestreitet, dass die Selbstbereicherung der Tausenden saudischen Prinzen den Staat Jahr für Jahr Milliarden kostet. Das Land ist nach der Herrscherfamilie Al-Saud benannt, entsprechend führen sich die Mitglieder der weitverzweigten Sippe auch auf - so, als ob ihnen das Land und seine Reichtümer allein gehören.

Gleichzeitig gehen Öl und Gas, aus deren Exporten sich Saudi-Arabien zu rund 90 Prozent finanziert, langsam aber sicher zur Neige. König Salman und sein Kronprinz Mohammed stehen also durchaus unter Handlungsdruck. Doch solange das Staatsoberhaupt selbst in seinem einmonatigen Sommerurlaub in Marokko mehr als 100 Millionen US-Dollar ausgibt und sein designierter Nachfolger und selbsternannter Korruptionsbekämpfer mehr als 500 Millionen Dollar für eine Jacht ausgibt, wirkt der Kampf gegen die Verschwendungssucht der Verwandtschaft bestenfalls wie ein Scheingefecht.

Stattdessen steckt hinter der Verhaftungswelle vom Samstag ein knallharter Machtkampf innerhalb des saudischen Regimes. Der erst 32 Jahre alte Kronprinz Mohammed versucht, weitere potenzielle Rivalen aus dem Weg zu räumen:

  • Da ist zum einen Prinz Mutaib bin Abdullah. Der Sohn des 2015 verstorbenen Königs Abdullah stand bis zu seiner Verhaftung am Samstag an der Spitze der Nationalgarde. Diese Truppe besteht größtenteils aus Stammeskämpfern. Ihre Aufgabe ist es, die Mitglieder der Königsfamilie sowie die Ölinfrastruktur im Land zu schützen. Von 1963 an befehligte der spätere König Abdullah die Nationalgarde, 2010 übernahm sein Sohn Mutaib die Aufgabe. Nun hat Mohammed diesem Zweig der Saud-Familie die Befehlsgewalt entzogen. Damit kontrolliert der Kronprinz künftig den kompletten Sicherheitsapparat: Seit 2015 steht er als Verteidigungsminister an der Spitze der Armee, nun bringt er auch die Nationalgarde als zweitwichtigste Truppe auf Linie. Damit reduziert er die Gefahr einer bewaffneten Palastrevolte.
  • Da ist zum anderen Prinz Alwaleed bin Talal. Sein Vermögen wird auf mehr als 17 Milliarden Dollar geschätzt. Damit ist er der reichste Mann Saudi-Arabiens. Er besitzt neben vielen anderem Anteile an der Citigroup, an der Hotelkette "Four Seasons", am Medienkonzern Time Warner und an Twitter. Und ihm gehört Rotana, das größte Unternehmen für Unterhaltungsmedien in der arabischen Welt, zu dem Dutzende TV-Sender und Magazine gehören. Mit seiner Medienmacht und seinem Reichtum stellt Alwaleed eine potenzielle Gefahr für Mohammed dar. Denn der Kronprinz hat die ehrgeizige "Saudi Vision 2030" ausgerufen. Der Plan sieht unter anderem 80 gigantische Investitionsvorhaben vor, allen voran die futuristische Megastadt "Neom" am Roten Meer, die allein 500 Milliarden Dollar kosten soll. Doch ausgerechnet der reichste Saudi Alwaleed zeigte bislang kein Interesse, sich an der "Saudi Vison 2030" zu beteiligen. Er trieb stattdessen eigene Bauprojekte voran. Offenbar ist ihm das nun zum Verhängnis geworden.
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Festnahmen in Saudi-Arabien: Im goldenen Käfig von Riad

Mit seiner Machtkonzentration bringt Kronprinz Mohammed das seit Jahrzehnten bewährte Herrschaftsgefüge in Riad gehörig durcheinander. Seit der Ausrufung des Königreiches 1932 war es üblich, dass die Macht zwischen Staatsgründer Abdulaziz und seinen Söhnen, die er mit verschiedenen Frauen hat, aufgeteilt wird. Wichtige Entscheidungen am Hof sind in großer Runde getroffen worden, die insgesamt mehr als 40 Söhne des ersten Königs wurden mit Posten und Geld versorgt und so weitgehend ruhiggestellt.

Der amtierende Monarch Salman wird der letzte von Abdulaziz' Söhnen auf dem Thron in Riad sein. Sein designierter Nachfolger Mohammed, der das Land schon jetzt faktisch regiert, zeigt einen anderen Führungsstil. Er trifft seine Entscheidungen in kleiner Runde und scheut nicht davor zurück, hart gegen die eigene Verwandtschaft vorzugehen.

Doch noch ist längst nicht klar, ob Mohammeds Weg erfolgreich sein wird. Kurz nachdem er 2015 Verteidigungsminister wurde, startete er eine Militärkampagne gegen die Huthi-Rebellen im Nachbarland Jemen. Er versprach eine zügige Armeeoperation, die den gestürzten Präsidenten Abd Rabbuh Mansur Hadi, wieder an die Macht bringen sollte. Zweieinhalb Jahre später ist Saudi-Arabien tief in den Jemenkrieg verstrickt. Und just, als in Riad die Verhaftungen begannen, feuerten die Huthis am Samstagabend eine Mittelstreckenrakete auf die saudi-arabische Hauptstadt ab. Die Armee fing die Rakete in der Nähe des Flughafens ab, die Explosion war in der ganzen Stadt zu hören. Saudi-Arabiens Regime bezeichnete den Beschuss als "kriegerischen Akt" Irans, das die Huthi-Rebellen unterstützt.

Der Jemenkrieg ist nicht das einzige Projekt, in dem sich Mohammed zu verzetteln droht. Allein seitdem ihn sein Vater im Juni zum Kronprinzen kürte, hat er mehrere Projekte angestoßen, deren Erfolg äußerst fraglich ist:

  • Mohammed gilt als treibende Kraft hinter dem Boykott des Nachbarlandes Katar. Doch fünf Monate nach Beginn der Krise ist völlig unklar, welches Ziel der Kronprinz damit eigentlich bezweckt. Ein Erfolg ist jedenfalls nicht absehbar. Außer den Golfstaaten hat sich niemand der Blockade angeschlossen.
  • Mohammed präsentiert sich als Vorkämpfer für einen moderaten Islam. Ende Oktober verkündete der Kronprinz, er wolle die fundamentalistische Religionsauslegung in seinem Land liberalisieren. Teil dieser Reformen ist, dass Frauen ab kommendem Jahr in Saudi-Arabien Auto fahren dürfen. Doch welche Schritte darüber hinaus folgen sollen, ist ungewiss. Die Festnahmen vom Wochenende passen jedenfalls nicht dazu: Die Verhafteten sind nicht als religiöse Scharfmacher aufgefallen.

Zusammengefasst: In Saudi-Arabien wurden Dutzende Minister und Prinzen festgenommen. Treibende Kraft dahinter ist Kronprinz Mohammed bin Salman. Er rechtfertigt sein hartes Vorgehen mit dem Kampf gegen Korruption und Selbstbereicherung. Doch das ist nur ein Vorwand, um Rivalen aus dem Weg zu räumen. Der ehrgeizige 32-Jährige bringt damit das seit Jahrzehnten geübte Machtgefüge in Riad durcheinander - und geht ein hohes Risiko ein.

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noodles64 06.11.2017
1. Morgen ein König?
Wer weiss das schon. Erstmal abwarten was die Säuberungswelle in SA bringt.Nicht dass der selbsternannte Korruptionsbekämpfer am Ende bekämpft wird und abdanken muß.
n.a.max 06.11.2017
2. Ich hoffe, ...
... das ist der Anfang vom Ende von Saudi-Arabien. Der Wahabismus und der darauffolgende Salafismus mit jeglichen sunnitischen Terrororganisationen weltweit ist eine Erfindung von Saudi-Arabien. Möge die Speerspitze der Saudischen Herrschaftsfamilie untergehen!
hugahuga 06.11.2017
3.
Können muss ja nicht unbedingt was mit dem Alter zu tun haben. Allerdings scheint es eher fraglich, ob ein verwöhnter, reicher und übereifriger 32jähriger in der Lage sein könnte, gewachsene Strukturen nachhaltig zu verändern. Vor allem dann, wenn diese Veränderung auf religiöse Vorbehalte stößt, wird's richtig eng. Ich gebe dem jungen Mann, der bereits heute viel Blut an den Händen hat, nicht mehr viel Zeit. Will er nicht mit dem Schwert Bekanntschaft machen, sollte er sich beizeiten in Florida ein schönes Anwesen suchen und das Leben genießen. Am mangelnden Geld wird es ja nicht liegen.
willibaldus 06.11.2017
4.
Schwer zu sagen was da noch kommt. Eine Säuberungswelle gegen Leute, die ihm gefährlich werden können, sowie kritischer Geister mit Einfluss. Ob die Furcht vor iranischem Einfluss auf der arabischen Halbinsel berechtigt ist? Möglich. Ist der Krieg im Jemen notwendig? Ich habe da meine Zweifel. Katar? Selbstüberschätzung? Testballon? Riesenpojekte wie NEON sind Merkmale von Autokratien. Der Neue Typ an der Spitze baut seine Pyramide. Ein Umbau der Wirtschaft ist weitsichtig. Die Ölvorräte sind zwar gewaltig. Das einzige grosse Ölfeld der Welt, das noch nicht angebohrt wurde ist, in Saudi Arabien, aber was ist mit der NAchfrage? Wird in 20 Jahren überhaupt noch so viel Öl gebraucht? Oder hat China mit seiner Wende zu E-Autos den ganzen MArkt bis dahin umgekrempelt? Ob es ihm ernst ist mit der gesellschaftlichen Liberalisierung? Wahrscheinlich schon in gewissen Grenzen. Es gibt allerdings erheblichen Widerstand im Land, die Geistlichkeit versteht da wenig Spass. Die junge Generation macht andererseits in grossen Teilen erheblichen Druck.
PeaceNow 06.11.2017
5. Reine PR
um das arg ramponierte Image der Saudis aufzupolieren. Und der angebliche Raketenbeschuss der Houtis dient aktuell als Vorwand nun alle Häfen total zu blockieren, was die ohnehin dramatische Lage der Zivilisten im Jemen weiter verschärfen wird mit noch mehr Hunger- und Chloeratoten als ohnehin schon. Auch muss man sich fragen wie es sein kann das eine wahabitisch-salafistische Diktatur Saudiarabien, noch dazu nachweislich weltweit No.1 Terrorfinanzier, als der engste Verbündete des Westens in ganz Nahost gilt. Anstatt der Saudis wäre der Iran historisch, kulturell und intelektuell der viel logischere und naheliegendere Verbündte, was aber auf Druck der USA und Israels seit Jahrtzehnten verhindert wird.
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