Machtkampf im Nahen Osten Kuwait ruft Botschafter aus Iran zurück

Erst Saudi-Arabien, dann Sudan, Bahrain und die Vereinigten Arabischen Emirate - und nun hat auch Kuwait seinen Botschafter aus Iran abberufen. Die Regierung protestiert damit gegen die Erstürmung der saudischen Botschaft in Teheran.

Plakat für getöteten Geistlichen Nimr: Hinrichtung sorgt für diplomatische Verwerfungen
AP/dpa

Plakat für getöteten Geistlichen Nimr: Hinrichtung sorgt für diplomatische Verwerfungen


Innerhalb von anderthalb Tagen hat der fünfte arabische Staat seinen Botschafter aus Iran abgezogen. Kuwaits Regierung begründete diesen Schritt mit der Erstürmung der saudischen Botschaft in Teheran. Dieser Vorfall seien ein "grober Bruch" internationaler Verträge, teilte das Herrscherhaus über die staatliche Nachrichtenagentur Kuna mit.

Zuvor hatten bereits Saudi-Arabien sowie seine Verbündeten Bahrain und Sudan ihre diplomatischen Beziehungen zu Iran gänzlich abgebrochen. Die Vereinigten Arabischen Emirate zogen ihren Botschafter ab, ersetzten ihn aber durch einen Geschäftsträger. Unklar ist, ob auch Kuwait diesen Weg wählt.

Auslöser der Eskalation war die Hinrichtung von 47 Gefangenen in Saudi-Arabien am Samstag. Unter ihnen war ein bekannter Oppositioneller, der schiitische Geistliche Nimr al-Nimr. Riads angespanntes Verhältnis zum Rivalen Iran verschlechterte sich daraufhin rapide. Demonstranten stürmten die saudische Botschaft in Teheran und das Konsulat in Maschhad.

Saudi-Arabien rechtfertigt die Hinrichtungen

Die Vertretung des saudischen Regimes bei den Vereinten Nationen rechtfertigte die Exekutionen. Die Angeklagten hätten faire und gerechte Verfahren ohne Berücksichtigung ihrer religiösen Zugehörigkeit gehabt. Die gefällten Urteile gründeten sich allein auf die Gesetze und "das kriminelle und illegale Handeln" der Betroffenen, hieß es weiter. Das Königreich bedauere zutiefst, dass Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon sich besorgt über die Vorwürfe gegen die Delinquenten und die Prozesse geäußert habe.

Saudi-Arabiens Außenminister Adel al-Jubeir machte Iran für die Eskalation verantwortlich. "Die Aggression und das Böse gehen von Iran aus, nicht vom Königreich", sagte Jubeir in Riad auf einer Pressekonferenz mit seinem ägyptischen Kollegen Sami Schukri. Teheran mische sich in die Angelegenheiten der Region ein, unterstütze den Terrorismus und stifte zu Gewalt und Extremismus an.

Die iranische Regierung teilte mit, der Abbruch diplomatischer Beziehungen durch Saudi-Arabien und seine "Vasallen" werde "keinen Auswirkungen auf die Entwicklung Irans haben".

syd/dpa/Reuters

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