Saudi-Arabien Leiche von geköpfter US-Geisel gefunden

Die Leiche der von Al-Qaida-Terroristen gekidnappten US-Geisel Johnson ist in Riad gefunden worden. Al-Qaida hatte zuvor drei Fotos veröffentlicht, die den enthaupteten Körper zeigten. US-Außenminister Powell kündigte an, mit doppeltem Einsatz den Terrorismus zu bekämpfen.


Paul Johnson: Dieses Bild veröffentlichten die Terroristen nach der Geiselnahme
REUTERS

Paul Johnson: Dieses Bild veröffentlichten die Terroristen nach der Geiselnahme

Riad - Vom Fund der Leiche des 49-jährigen Amerikaners berichtet eine saudische Website. Zuvor waren auf islamistischen Internet-Seiten ein Video von der Hinrichtung und drei Fotos des enthaupteten Paul Marshall Johnson zu sehen. Die USA bestätigten den Tod Johnsons. "Es ist passiert", teilte ein Beamter in Washington mit.

Auf einem der drei Fotos war ein Kopf zu sehen, der von einer Hand hoch gehalten wird. Auf den anderen Aufnahmen war ein enthaupteter Körper mit gefesselten Händen auf einem Bett zu sehen, der Kopf auf dem Rücken platziert. Das Gesicht ähnelte dem von Paul Johnson. Eine Bestätigung über die Echtheit der Bilder hatte zunächst nicht vorgelegen. Die Geisel war in einen orangenen Anzug gekleidet, der denen der Guantanamo-Häftlinge ähnelte.

Auf der einschlägigen Website teilt die Terrororganisation mit: "Der Ungläubige hat bekommen, was er verdient. Lasst ihn etwas von dem schmecken, was Muslimen zuteil wird, die seit langem von Apache-Hubschraubern und Raketen getroffen werden."

US-Außenminister Colin Powell verurteilte die Enthauptung Johnsons als "barbarisch". Er gelobte, die USA würden ihre Bemühungen, den Terrorismus zu bekämpfen, verdoppeln. Johnson sei kaltblütig getötet worden, obwohl er unschuldig gewesen sei und nur anderen Menschen habe helfen wollen, sagte Powell in Washington.

Seit Tagen war intensiv nach Johnson gefahndet worden. Er war am vergangenen Samstag verschleppt worden. Der Angestellte der Rüstungsfirma Lockheed Martin arbeitete seit Jahren in Saudi-Arabien an Ziel- und Nachtsichtsystemen der Kampfhubschrauber.

Die Kidnapper, die sich als Mitglieder der Gruppe "al-Qaida der Arabischen Halbinsel" bezeichnen, drohten auf einer Webseite, den Mann heute zu ermorden, wenn nicht zahlreiche militante Islamisten aus saudischen Gefängnissen entlassen werden und alle "Ungläubigen" die Arabische Halbinsel verlassen. Weiter erklärte die al-Qaida-Gruppe, der Kampf gegen die Feinde Gottes werde fortgesetzt.

Johnsons Frau, die Thailänderin Thanom Johnson, hatte im saudischen Fernsehen noch an die Entführer appelliert, ihren Mann freizulassen. Sohn und Schwester von Johnson beschworen die Behörden im US-Fernsehen, alles zu tun, um das Leben des Mannes zu retten. Ein saudischer Freund von Johnson warnte die Entführer, ihre Morddrohung wahrzumachen. Er verbürge sich als Muslim für Johnson, womit es unter islamischen Gesetzen verboten sei, den Mann zu Schaden kommen zu lassen.

Sogar der Imam der großen Moschee der heiligen Stadt Mekka rief in seiner Freitagspredigt die Entführer auf, das Leben Johnsons zu verschonen. Imam Scheich Salih forderte in der im Fernsehen übertragenen Predigt auch, die Angriffe auf Nicht-Muslime in Saudi-Arabien zu beenden. Die maßgeblichen saudischen Religionsgelehrten hatten in der Vergangenheit von Mekka aus selbst oft genug vor dem angeblich schädlichen Einfluss der "Ungläubigen" gewarnt.

In Saudi-Arabien sind Ausländer seit einigen Wochen im Visier islamistischer Terroristen. Am Pfingstwochenende hatten radikale Islamisten bei einem Terrorüberfall und einer anschließenden Geiselnahme in der Erdölstadt Chobar 22 Menschen getötet. Am 6. Juni erschossen Terroristen in Riad einen irischen Kameramann und verletzten einen Korrespondenten des britischen Senders BBC schwer. Zwei Tage später ermordeten Unbekannte in der saudischen Hauptstadt einen Amerikaner.

Vor Johnson war bereits der entführte US-Bürger Nicholas Berg, 26, enthauptet worden. Seine Leiche war am 8. Mai in der irakischen Hauptstadt Bagdad entdeckt worden. Berg war von vermummten Islamisten vor laufender Kamera geköpft worden.

Zuvor war der ebenfalls im Irak entführte 36-jährige Italiener Fabrizio Quattrocchi am 14. April vor laufender Kamera mit einem Kopfschuss getötet worden.



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