Saudi-Arabiens Kronprinz bin Salman "Israelis haben das Recht auf ein eigenes Land"

Saudi-Arabien und Israel gelten seit jeher als verfeindet. Das ölreiche Land erkennt die Existenz des Judenstaates bis heute nicht an. Umso überraschender sind die jüngsten Aussagen von Kronprinz Mohammed bin Salman.

Kronprinz Mohammed bin Salman
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Kronprinz Mohammed bin Salman


Ausbau von erneuerbaren Energien, mehr Rechte für Frauen, Kampf gegen Korruption: Saudi-Arabiens Kronprinz Mohammed bin Salman setzt auf weitreichende Reformen, um westliche Investoren ins Land zu locken und die Abhängigkeit vom Öl zu reduzieren. Nun scheint der 32-Jährige auch die Beziehungen zum eigentlich verfeindeten Israel verbessern zu wollen. Bislang unterhalten das wahhabitische Königreich und der jüdische Staat nicht einmal diplomatische Beziehungen.

In einem Interview mit dem US-amerikanischen Magazin "The Atlantic" sagte bin Salman: "Ich glaube, dass sowohl Palästinenser als auch Israelis das Recht auf ihr eigenes Land haben. Allerdings brauchen wir ein Friedensabkommen, um die Stabilität für jeden in der Region zu garantieren."

Die Aussagen überraschen auch deshalb, weil Saudi-Arabien Israel bislang nicht anerkennt. Der jüdische Staat, der am 14. Mai 1948 auf dem Gebiet des damaligen Palästinas gegründet wurde, eroberte im Sechs-Tage-Krieg 1967 zahlreiche arabische Gebiete (Gazastreifen, Sinai, Westjordanland), die bis heute als Ursache für viele Konflikte in der Region gelten. Saudi-Arabien verlangt seit jeher die Rückgabe der Territorien. Offiziell befindet sich das Land seit dieser Zeit im Kriegszustand mit Israel.

Annäherung schon vor einiger Zeit

"Wir haben religiöse Bedenken bezüglich des Schicksals der heiligen Moschee in Jerusalem - auch die Rechtslage der Palästinenser bereitet uns Sorgen. Wir haben jedoch keine Einwände gegen andere Menschen", sagte bin Salman im Interview.

Wegen des immer dramatischer werdenden Konflikts zwischen Saudi-Arabien und Israels Erzfeind Iran gibt es Spekulationen, Saudi-Arabien könnte sich in Zukunft Israel weiter annähern, um gemeinsam gegen Iran vorzugehen. Erst kürzlich erklärte der israelische Generalstabschef Gadi Eizenkot auf einer saudi-arabischen Nachrichtenseite, Israel sei bereit, Geheimdienstinformationen mit Saudi-Arabien auszutauschen, und hob hervor, dass beide Länder "viele Interessen" teilten. Gemeint war damit der Feind Iran.

Die Annäherung wurde schon im vergangenen Monat deutlich: Saudi Arabien hat erstmals in seiner Geschichte seinen Luftraum für einen Passagierflug nach Israel geöffnet. Im November 2017 enthüllte ein Mitglied des israelischen Kabinetts geheime Kontakte zu Saudi-Arabien. Auch dieser Vorgang, den die saudische Herrscherfamilie immer noch leugnet, galt als Meilenstein.

bam



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