Interview mit Armeesprecher Saudi-Arabien pocht auf Einhaltung von Rüstungsverträgen

Der Jemenkrieg befeuert die Debatte über Rüstungsexporte nach Saudi-Arabien. Riads Militärsprecher Asiri beteuert, dass sich das Königreich an bestehende Vereinbarungen halte - und fordert dasselbe von Deutschland.

Brigadegeneral Ahmed al-Asiri
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Brigadegeneral Ahmed al-Asiri

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Ahmed al-Asiri ist eines der bekanntesten Gesichter des saudi-arabischen Militärs. Der Brigadegeneral ist seit März 2015 Sprecher der von Riad angeführten Militäroperation im Jemen. Dort tobt seit zwei Jahren ein blutiger Konflikt, Tausende sind gestorben.

Dass sein Land deutsche Waffen im Jemen einsetzt, bestreitet Asiri im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE. Derzeit hält er sich zu politischen Gesprächen in Berlin auf. Er hat eine klare Botschaft an die Bundesregierung: In der Debatte um Ersatzteile für eine Rüstungsfabrik in Saudi-Arabien pocht er auf Einhaltung bestehender Verträge.

Zur Person Ahmed al-Asiri
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    Ahmed al-Asiri ist ein saudi-arabischer Elitesoldat. Seine Ausbildung absolvierte er in den Achtzigerjahren in den USA und Frankreich. Asiri wurde für seine Teilnahme an der Befreiung Kuwaits im Golfkrieg 1991 ausgezeichnet. Seit 2015 ist er Sprecher der saudi-arabischen Militärkoalition im Jemen. Sein Alter verrät Asiri nicht.

SPIEGEL ONLINE: Herr General, seit anderthalb Jahren führt Saudi-Arabien mit anderen Golfstaaten Krieg gegen die Huthi-Miliz im Jemen. Was soll die Intervention in Ihrem Nachbarland eigentlich bringen?

Asiri: Wir konnten nicht zulassen, dass eine Miliz den Jemen destabilisiert und die Macht an sich reißt. Wir mussten verhindern, dass der Jemen ein zweites Libyen wird. Die Huthis haben Kampfjets, Raketen, Artillerie erbeutet. Wenn wir so etwas im Nahen Osten zulassen, kann dasselbe morgen in Europa passieren. Uns geht es darum, der legitimen jemenitischen Regierung und der Armee zu helfen.

SPIEGEL ONLINE: Was haben Sie bisher erreicht?

Asiri: Zu Beginn unserer Operation im März 2015 beherrschten die Milizen das ganze Land. Inzwischen kontrolliert die Regierung dank unserer Hilfe wieder 80 Prozent des Jemen. Am Wochenende ist das Kabinett nach Aden zurückgekehrt. Der Hafen und der Flughafen sind wieder in Betrieb, die Lage ist stabil. Dieses Modell wollen wir Schritt für Schritt auf alle Provinzen anwenden.

SPIEGEL ONLINE: Welche Ziele müssen noch erreicht werden, damit Sie den Krieg beenden?

Asiri: Der Jemen muss ein sicheres und stabiles Land sein, und die Menschen müssen frei über ihre Regierung entscheiden können, so wie es Uno-Resolution 2216 vorsieht. Wenn wir das erreichen, werden wir der internationalen Gemeinschaft einen großen Dienst erwiesen haben.

SPIEGEL ONLINE: Sie setzen also auf eine militärische Lösung?

Asiri: Nein, am Ende kann es nur eine politische Lösung geben. Dafür aber müssen wir mit militärischen Mitteln gewisse Voraussetzungen schaffen. Nur durch reden werden wir nichts erreichen. Das ist eine Illusion. Das haben die gescheiterten Friedensgespräche in Kuwait gezeigt.

SPIEGEL ONLINE: Dann würde ein blutiger Kampf um die Hauptstadt Sanaa drohen.

Asiri: Nein, überhaupt nicht. Sanaa wird kein zweites Stalingrad. Wir müssen einfach nur gezielt die Stellungen der Milizen angreifen und ausschalten.

SPIEGEL ONLINE: Es gibt Zweifel an der Zielsicherheit Ihrer Luftwaffe. Sie haben mehrfach Krankenhäuser und Märkte bombardiert.

Asiri: Fehler passieren in jedem Krieg. Wir bedauern das. Aber die Milizen führen einen asymmetrischen Krieg. Sie mischen sich unter die Zivilbevölkerung und verwandeln Hospitäler und Schulen in Munitionslager und Trainingscamps. Und eine Schule, die ein Ausbildungslager ist, wird zum legitimen militärischen Ziel.

SPIEGEL ONLINE: Nutzt Ihre Offensive nicht vor allem den Terrororganisationen "Islamischer Staat" (IS) und al-Qaida auf der Arabischen Halbinsel?

Asiri: Es gibt keinen IS im Jemen.

SPIEGEL ONLINE: Aber der IS hat sich doch zu zahlreichen Anschlägen im Jemen bekannt.

Asiri: Das ist ein Logo, das sich irgendwelche Leute anheften. Wie Coca-Cola. Jeder kann sich das kaufen. Was al-Qaida betrifft: Ja, die waren seit 2008 im Jemen aktiv und hatten dort ein sicheres Rückzugsgebiet. In den vergangenen drei Monaten aber haben wir große Erfolge verzeichnet, sie kontrollieren keine Stadt mehr im Jemen.

SPIEGEL ONLINE: In Deutschland wird kritisiert, dass Saudi-Arabien die jemenitische Armee und verbündete Milizen mit Waffen wie dem G3, das in Saudi Arabien als Lizenzprodukt hergestellt wird, versorgt.

Asiri: Wir liefern keine Waffen an Milizen, wir kooperieren auch nicht mit Milizen, wir arbeiten mit Regierungen zusammen. Die Waffen, die in der Fabrik von Heckler und Koch hergestellt werden, sind für unsere Armee, wir geben diese niemals an Dritte weiter und haben dies auch nicht getan. Wir haben diesen Fall umfassend untersucht und die Bundesregierung unterrichtet. Ich glaube, damit waren hier alle zufrieden.

SPIEGEL ONLINE: Es stimmt also nicht, dass die saudi-arabische Luftwaffe im April 2015 kistenweise G3-Gewehre aus deutscher Lizenzproduktion auf dem Flughafen von Aden abgeworfen hat?

Asiri: Das sind doch Bilder aus den sozialen Netzwerken. Sie beweisen nichts. Unsere Spezialkräfte im Jemen tragen sehr ähnliche Uniformen wie die jemenitische Armee, vielleicht hat es da Verwechslungen gegeben. Deswegen noch einmal: Wir liefern keine Waffen an Milizen im Jemen.

SPIEGEL ONLINE: Wie kann Saudi-Arabien garantieren, dass Waffen aus deutscher Produktion nicht in dem Konflikt eingesetzt werden?

Asiri: Die Waffen stammen aus einer Fabrik von Heckler und Koch, die wir vor langer Zeit gekauft haben. Die Waffen gehören uns, wir können mit ihnen tun, was wir wollen. Aber wir haben damals Vereinbarungen getroffen, und wir halten uns an diese Regeln.

SPIEGEL ONLINE: Genau für diese Fabrik für lizensierte Heckler-und-Koch-Gewehre will Deutschland keine Ersatzteile mehr liefern, weil man sich nicht sicher ist, wo diese Waffen landen.

Asiri: Wir haben einen Vertrag gemacht, als wir die Fabrik gekauft haben. Wir haben uns an alle Klauseln gehalten, wir haben die Waffen nicht an Dritte weitergegeben. Es geht also nicht, dass ein Land uns Waffen oder eben eine Fabrik verkauft und dann plötzlich sagt, man habe seine Meinung geändert. Verträge müssen erfüllt werden, auch wenn eine neue Regierung kommt. Derzeit wird das Problem verhandelt, hoffentlich gibt es eine gütliche Lösung.

SPIEGEL ONLINE: Und wenn nicht?

Asiri: Der Waffenmarkt ist frei. Saudi-Arabien kann seine Waffen überall auf der Welt kaufen, nicht nur in Deutschland. Viele Länder sind interessiert an uns, denn wir bezahlen sofort.

SPIEGEL ONLINE: Das hört sich wie eine Drohung an.

Asiri: Das soll es nicht sein. Wir schätzen Deutschland als Partner, auch wirtschaftlich. Und bei Rüstungsdeals geht es ja nicht nur um Waffen, zu ihnen gehören auch immer Vereinbarungen zum gemeinsamen Training, zur Ausbildung von Offizieren. Daraus entsteht ein Austausch zwischen den Kulturen. Wir würden diese Partnerschaft mit Deutschland gern fortsetzen.

SPIEGEL ONLINE: Was passiert, wenn Deutschland gar keine Genehmigungen mehr für Waffenexporte erteilt?

Asiri: Wir sehen das pragmatisch. Wenn wir in einer Frage nicht übereinstimmen, kippen wir deswegen nicht gleich die ganze Freundschaft. Es geht nur um einen Vertrag, diese Frage müssen wir lösen. Sie wird uns nicht daran hindern, mit Deutschland weiter eng zu kooperieren.



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insgesamt 33 Beiträge
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Seite 1
Referendumm 28.09.2016
1. Ja, ja, und die Erde ist eine Scheibe ...
und die Sonne dreht sich um die Erde. Interessant allerdings, dass dieser Brigadegeneral genau die selben Sprüche wie die Amis drauf hat. Kein Wunder, er ging ja dort auch zur Schule; seine Ausbildung wurde dort wohl perfektioniert. Dass dieser verheerende Krieg - massiv auch gegen die Bevölkerung, also Zivilisten - ziemlich unter Ausschluss der Öffetnlichkeit stattfindet, ist sehr bezeichnend für den Westen und seinen Medien. Aber dann wieder losheulen, wenn sich demnächst auch die Jemener aufmachen, um in Europa Frieden und Arbeit zu finden. Wie wäre es denn mal, wenn der Westen und seine Vasallen aufhören, Länder zu destabilisieren? Ach ja, dann lassen sich diese nicht mehr so toll ausplündern. Alles klar, also weiter machen!
hansriedl 28.09.2016
2. Asiri: Wir konnten nicht zulassen, dass eine Miliz den Jemen destabilisiert
Aha, da mussnatürlich für Ordnung im Land gesorgt werden, in dem man das Land flach macht, die Menschen aushungert, dafür sorgt, das Elend und Not der Alltag ist. Wann werden diese Kopfabschneider endlich vom UN-Tribunal zur Verantwortung gezogen. Mit ihnen gleich auch die Waffenlieferanten, diesen Ehrlosen Verbrechern, denen Geld wichtiger ist als Menschenwürde u.Menschenleben.
chiefseattle 28.09.2016
3.
Sana'a mit Stalingrad zu vergleichen ist schon ziemlich lächerlich (militärisch gesehen). Die Saudis zerstören fast alles mit brutaler Gewalt, auch Schulen und Krankenhäuser - legitim, wie der General sagt. Schade, dass der Westen solche perfiden Machthaber unterstützt und ihnen Mord- und Folterwerkzeuge liefert.
Athlonpower 28.09.2016
4. Die Toten im Jemen sind offenbar viel weniger Wert als die Syrischen Bombentoten
Sehe ich ganz genauso, während die deutsche Regierungsmedien tagtäglich über Syrien berichten, aber nur wenn Assad oder die Russen die Schuldigen sind, obwohl die USA und Verbündeten dort schon seit mehreren Jahren bomben, wird über den Jemen und den seit Monaten andauernden Bombenterror der Saudis gegen die dortige Zivilbevölkerung nichts, aber auch gar nichts berichtet, lediglich in der SZ voriges Wochenende eine kleine Spalte über die Ausradierung eines Wohngebietes in der jemenitischen Hauptstadt durch Saudi-Arabiens Luftwaffe, Sind also für die deutschen Erziehungs- und Meinungsbildungsjournalisten die zivilen Morde nur dann relevant und berichtenswert, wenn es nicht durch die deutschen Geschäftspartner, sprich Saudi-Arabien und den USA in Syrien durchgeführt wird? Es gibt also für die Damen und Herren Erziehungsjournalisten wirklich minderwertige bzw. nicht berichtenswerte Kriegsopfer, weil es offenkundig politisch nicht opportun bzw. erwünscht ist, darüber zu berichten. Einfach nur ekelhaft und demaskierend für die deutsche "Lückenpresse"!
bibberbutzke 28.09.2016
5. Jo
Zitat von Referendummund die Sonne dreht sich um die Erde. Interessant allerdings, dass dieser Brigadegeneral genau die selben Sprüche wie die Amis drauf hat. Kein Wunder, er ging ja dort auch zur Schule; seine Ausbildung wurde dort wohl perfektioniert. Dass dieser verheerende Krieg - massiv auch gegen die Bevölkerung, also Zivilisten - ziemlich unter Ausschluss der Öffetnlichkeit stattfindet, ist sehr bezeichnend für den Westen und seinen Medien. Aber dann wieder losheulen, wenn sich demnächst auch die Jemener aufmachen, um in Europa Frieden und Arbeit zu finden. Wie wäre es denn mal, wenn der Westen und seine Vasallen aufhören, Länder zu destabilisieren? Ach ja, dann lassen sich diese nicht mehr so toll ausplündern. Alles klar, also weiter machen!
Top, absolut auf den Punkt gebracht. Das musste ich einfach mal loswerden (is ja meine Arbeitszeit im sicheren Westen...)
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