Saudi-Arabien Inhaftierter Blogger Badawi tritt in Hungerstreik

Saudi-Arabien hat den inhaftierten Blogger Raif Badawi in ein anderes Gefängnis verlegt. Aus Protest ist der Sacharow-Preisträger nach Angaben seiner Frau nun in den Hungerstreik getreten.

Plakat für Badawi: "Wir sind sehr besorgt"
DPA

Plakat für Badawi: "Wir sind sehr besorgt"


Drei Jahre Haft und 50 Peitschenhiebe hat Raif Badawi bereits überlebt, doch nun hat Saudi-Arabien den Blogger in ein anderes, abgelegenes Gefängnis verlegt. Der 31-Jährige will das nicht hinnehmen. Badawis Ehefrau Ensaf Haidar hat mitgeteilt, dass ihr Mann vor drei Tagen in den Hungerstreik getreten ist.

Saudi-Arabiens Behörden begründeten die Verlegung mit "administrativen Gründen". Die kanadische Regierung will sich nun für Badawi einsetzen. Seine Ehefrau lebt nämlich mit ihren drei gemeinsamen Kindern in Kanada. "Wir sind wegen der Lage von Herrn Badawi sehr besorgt und tun unser Bestes, um sicherzustellen, dass die Sache gut ausgeht", sagte Kanadas Außenminister Stephane Dion.

Badawi hatte 2008 das Internetforum "Freie Saudische Liberale" gegründet, das fortan ins Visier der Behörden in dem konservativen Königreich geriet.

Begnadigung ist nicht in Sicht

2011 erhob die Justiz Anklage. Weil Badawi islamische Autoritäten beleidigt haben soll und theologische Grundsatzfragen erörterte, wurde er beschuldigt, religiöse Werte angegriffen zu haben. Der Rechtsgelehrte Abd al-Rahman al-Barrak erließ im März 2012 ein Gutachten, in dem er Badawi zu einem Ungläubigen erklärte, "der angeklagt und verurteilt werden muss, wie er es verdient". Badawi habe Muslime, Christen, Juden und Atheisten als gleichwertig bezeichnet - das dürfe nicht ohne Konsequenzen bleiben, forderte Barrak.

Die Behörden klagten ihn auch an, weil er vom Islam abgefallen sein soll. Darauf steht in Saudi-Arabien die Todesstrafe. Diese Strafe umging er, indem er in der Verhandlung dreimal das islamische Glaubensbekenntnis aussprach und damit bestätigte, Muslim zu sein.

Im Mai 2014 verurteilte ein Gericht in der Hafenstadt Dschidda Badawi zu zehn Jahren Gefängnis und 1000 Peitschenhieben. Die ersten 50 Schläge erhielt er im Januar 2015. Weitere Hiebe blieben ihm bislang erspart, trotzdem hatte Ensaf Haidar zuletzt im November mitgeteilt, dass es ihrem Mann nicht gut gehe. Auch Hoffnungen auf eine Begnadigung haben sich bislang nicht erfüllt.

Am kommenden Mittwoch wird Haidar in Straßburg den Sacharow-Preis des Europaparlaments stellvertretend für ihren Mann entgegennehmen. Mit der Auszeichnung würdigt die EU Badawis Einsatz für Meinungsfreiheit und Toleranz.

Strafen in Saudi-Arabien und beim IS im Vergleich
SPIEGEL ONLINE

Strafen in Saudi-Arabien und beim IS im Vergleich

dbate.de

syd/Reuters/dpa

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eisbärchen_123 11.12.2015
1. Ein mutiger Kerl!!
Der hätte den Titel "Person des Jahres 2015" tatsächlich verdient gehabt.
Analog 11.12.2015
2. Die Saudis sind das Problem
und werden nicht Teil der Lösung in Syrien. Wenn der "Westen" das verstanden hat, erst dann wird sich der Arabische Raum beruhigen. Wir sollten, mit wir meine ich die Länder der EU, mal ein Zeichen setzen. Alle EU-Länder bestellen den Saudischen Botschafter ein und fragen nach dem Raif Badawi.
Graphite 11.12.2015
3. unser Partner
die Saudis sind unser Partner, da können wir doch nicht deren Handeln kritisieren! schon garnicht wenn die Saudies uns für aber millionen € Waffen abkaufen. Dass die Strafen nahezu identisch mit dem IS sind muss purer Zufall sein! Preise kann die EU verleihen aber den Mund aufmachen oder gar Sanktionen gegen die Saudies aussprechen. das geht nun wirklich zu weit! kranke verlogene Welt!
dbrown 11.12.2015
4. Wo bitte
ist der Unterschied zwischen diesem Land und dem IS? Beides sind Terror-Regime und lassen Ungläubige einfach so hinrichten. Traurig, das Deutschland mit solchen Menschenschindern so glänzende Geschäfte macht.
remcap 11.12.2015
5.
Deutschlands Haltung zu Bawari ist klar. Die Geschäfte gehen vor und wir mischen uns nicht in interne Angelegenheiten ein. Das Gabriel sich mit diesem Fall einspannen lässt ist höchst Unprofessionel. Auch die Saudis haben allerlei Probleme am Hut. Dabei ist Bawari ausschließlich eine Angelegenheit zwischen Kanada und den Saudis. Aufgrund der Lage im nahen Osten, hat niemand wirklich interessiert an eine Änderung der politischen Situation oder an eine inhaftierten Blogger.
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