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Nimr al-Nimr: Schiitischer Geistlicher in Saudi-Arabien zum Tod verurteilt

Nimr al-Nimr auf einem Plakat von Demonstranten (2012): Zum Tod verurteilt Zur Großansicht
AP

Nimr al-Nimr auf einem Plakat von Demonstranten (2012): Zum Tod verurteilt

Er unterstützte Demonstrationen der schiitischen Minderheit in Saudi-Arabien und wurde deshalb verhaftet: Jetzt soll der Prediger Nimr al-Nimr hingerichtet werden. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm "Krieg gegen Gott" vor.

Riad - Ein saudi-arabisches Gericht hat den schiitischen Prediger Nimr Bakir al-Nimr zum Tod verurteilt. Das teilte dessen Bruder über Twitter mit. Die Inhaftierung des Klerikers vor zwei Jahren hatte Ausschreitungen mit Toten zur Folge gehabt. In Saudi-Arabien sind die Schiiten in der Minderheit und werden unterdrückt. Nimr wird vorgeworfen, zu sektiererischer Gewalt im Osten des Landes und zum bewaffneten Widerstand gegen Sicherheitskräfte aufgerufen zu haben.

Die renommierte Zeitung "al-Iktisadija" aus Riad bestätigte die Meldung vom Todesurteil gegen Nimr. Das Blatt beruft sich auf Justizkreise. Eine offizielle Bestätigung vom Justizministerium werde demnächst erwartet.

Nimr war im Juli 2012 verhaftet worden. Er hatte zuvor die 2011 ausgebrochenen Proteste im Osten Saudi-Arabiens unterstützt. In der dortigen Region Katif leben mehrheitlich Schiiten, die sich gegen ihre Unterdrückung auflehnen. Weil Nimr diese Proteste unterstützt hatte, klagte die Staatsanwaltschaft den Geistlichen im vergangenen Jahr wegen der "Unterstützung von Terrorismus" und "versuchten Kriegs gegen Gott" an.

Bei der Verhaftung angeschossen

Nimr ist einer der prominentesten Vertreter der Schiiten in Saudi-Arabien. Den wahhabitischen Rechtsgelehrten, die den religiösen und politischen Kurs des Landes bestimmen, gelten die Schiiten nicht als gleichberechtigte Muslime. Deshalb dürfen sie ihre Feiertage nicht offen feiern, aus dem Staatsdienst sind sie weitgehend ausgeschlossen.

Nimr trat seit Jahren für eine größere Autonomie der Region Katif ein. Die Provinz im Osten des Königreichs zählt zu den ölreichsten Gegenden des Landes. Seit 2011 häuften sich in der Region die Proteste gegen die Herrscherfamilie Saud. Bei den Unruhen wurden seither mehrere Demonstranten getötet. Auch Nimr wurde bei seiner Festnahme angeschossen und an der Hüfte verletzt.

In diesem Jahr wurden bereits zwei weitere Schiiten im Zusammenhang mit den Protesten in Katif zum Tode verurteilt. Im vergangenen Jahr wurden in dem streng konservativ regierten Königreich mehr Menschen hingerichtet als in fast allen anderen Länder der Welt. Die meisten Delinquenten wurden öffentlich enthauptet.

syd/mxw/Reuters/dpa

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