Mehr als drei Jahrzehnte verboten US-Kette eröffnet erstes Kino in Saudi-Arabien

35 Jahre galt das Verbot, nun soll in wenigen Tagen in Saudi-Arabiens Hauptstadt Riad das erste kommerzielle Kino eröffnen - und gleich "das schönste der Welt" werden.

Mohammed bin Salman
AFP

Mohammed bin Salman


Der Termin für die Eröffnung steht: Am 18. April soll in Saudi-Arabiens Hauptstadt Riad ein Kino eröffnen - zum ersten Mal seit 35 Jahren. Betrieben wird es von einer US-Firma, der Kinokette AMC. Das teilte das saudische Regierungszentrum für Internationale Kommunikation am Mittwoch mit. Bis 2030 solle das Land über rund 350 Kinos mit mehr als 2500 Leinwänden verfügen, hieß es. Ziel seien Einnahmen in Höhe von knapp einer Milliarde Dollar pro Jahr.

Das Gebäude in Riads Finanzdistrikt, in dem nun das erste Kino eröffnen wird, sollte eigentlich eine Konzerthalle beherbergen. "Es ist spektakulär", sagte AMC-Chef Adam Aron. Der Hauptkinosaal werde mit 500 Ledersesseln und Marmorbädern ausgestattet. "Wir denken, dass es das schönste Kino der Welt wird."

Zur Eröffnung soll der Film "Black Panther" gezeigt werden. Bis zum Sommer sollen drei weitere Säle hinzukommen. Die Kosten trägt AMC nicht alleine - unterstützt wird die Kinokette von Saudi-Arabiens Public Investment Fund.

Keine Trennung nach Geschlecht im Kino

Das Projekt ist Teil des umfassenden Wirtschaftsumbaus in Saudi-Arabien, der "Vision 2030". Mit ihr will sich das Königreich unabhängiger von den Einnahmen aus den staatlichen Ölvorkommen machen. Es geht aber auch um eine Modernisierung des Landes. Mehr als die Hälfte der Einwohner Saudi-Arabiens ist jünger als 25 Jahre.

Die treibende Kraft dahinter ist Kronprinz Mohammed bin Salman. Er hatte erst Ende September 2017 das Ende des Fahrverbots für Frauen bekannt gegeben. Und vor wenigen Wochen hatte er in einem Interview erklärt, er wolle Frauen keine Verhüllung von Kopf und Gesicht und keine langen schwarzen Roben mehr vorschreiben. Ob er die Lockerung der Kleiderordnung durchsetzen kann, ist allerdings fraglich. Zumindest in den Kinos soll es eine Trennung nach Geschlecht, wie sie in Saudi-Arabien üblich ist, nicht geben.

Saudi-Arabien ist vom Wahhabismus geprägt, einer besonders strengen und traditionellen Lesart des Islam. Und die wahhabitischen Kleriker und Sittenwächter der Religionspolizei sind zwar nicht mehr so mächtig wie noch zur Jahrtausendwende, werden aber freiwillig ihre Macht nicht aufgeben.

vet/dpa/Reuters

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