Dekret des Königs Saudi-Arabien will Frauen das Autofahren erlauben

Jahrzehntelang war Frauen im konservativen Land das Autofahren verboten. Das will der König nun mit einem Erlass ändern, meldet die staatliche Nachrichtenagentur.


Saudi-Arabien erlaubt Frauen das Autofahren. Das meldete die staatliche Nachrichtenagentur unter Berufung auf ein Dekret des Königs. Menschenrechtsaktivisten hatten seit mehr als drei Jahrzehnten gegen das Fahrverbot in dem streng islamisch konservativen Land gekämpft.

Saudi-Arabien ist bislang das einzige Land weltweit, in dem Frauen nicht Auto fahren dürfen. International hatte das immer wieder für Kritik gesorgt. Die Reform gilt allerdings nicht ab sofort, sondern soll bis Juni 2018 umgesetzt werden.

In Saudi-Arabien unterliegen Frauen zahlreichen Beschränkungen, zuletzt gab es aber einige behutsame Lockerungen. Zum 87. Nationalfeiertag am Wochenende durften Frauen zum ersten Mal ein Stadion besuchen. Allerdings wurde dafür extra ein separater Bereich eingerichtet. Im Juli erlaubte das Bildungsministerium die Teilnahme von Mädchen am Sportunterricht staatlicher Schulen.

Die historische Entscheidung ist Teil eines gigantischen Reformprojekts: Riad will seine Wirtschaft und Gesellschaft umfassend modernisieren. Die treibende Kraft dahinter ist der 32-jährige Kronprinz Mohammed bin Salman, der als Hoffnungsträger gilt. Mehr als die Hälfte der Einwohner im Land sind jünger als 25 Jahre.

Allerdings gibt es weiterhin zahlreiche Einschränkungen: Noch immer muss ein männlicher Vormund - meistens der Vater, Ehemann oder Bruder - erlauben, dass eine Frau studieren oder reisen darf.

Erst kürzlich war eine junge Frau von der Polizei in Gewahrsam genommen worden, weil sie in einem Internetvideo im Minirock zu sehen gewesen sein soll. Menschenrechtsgruppen kritisieren immer wieder die schwierige Menschenrechtslage in Saudi-Arabien. In dem Land gilt noch immer die Prügelstrafe.

Einige Experten werfen Riad vor, mit den revolutionären Ausweitungen von Frauenrechten nur vom scharfen Vorgehen der Regierung gegen Kritiker ablenken zu wollen. Im September waren mehr als 20 Menschen festgenommen worden, unter ihnen einflussreiche Kleriker und Aktivisten.

ehh/AFP/Reuters/AP

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