Historische Wahl in Saudi-Arabien Mindestens 15 Frauen in Gemeinderäte gewählt

Zum ersten Mal in der Geschichte Saudi-Arabiens durften sich Frauen an einer Wahl beteiligen. Dabei haben mindestens 15 Kandidatinnen Sitze in Gemeinderäten gewonnen. Die USA sprechen von einem historischen Meilenstein.

Frauen beim Verlassen eines Wahllokals in Riad: Die erste Wahl
DPA

Frauen beim Verlassen eines Wahllokals in Riad: Die erste Wahl


Die USA haben die ersten für Frauen offenen Wahlen in Saudi-Arabien als "historischen Meilenstein" bezeichnet. Die Beteiligung von Frauen an den Gemeinderatswahlen sei ein "wichtiger Schritt" auf dem Weg zu wirklichen umfassenden Wahlen in dem Königreich, sagte der Sprecher des US-Außenministeriums, John Kirby.

Bei der Wahl am Samstag hatten sich rund 6000 Männer und 900 Frauen um die Sitze in den insgesamt 284 Gemeinderäten beworben - und mindestens 15 Frauen bekamen dabei genügend Stimmen. Das teilte die Hohe Wahlkommission des islamisch-konservativen Königreichs am Sonntagabend mit. Die Wahlbeteiligung habe bei 47,4 Prozent gelegen.

In der Hauptstadt Riad holten laut der staatlichen Nachrichtenagentur SPA drei Frauen Sitze. In der Hafenstadt Dschidda im Westen des Landes hätten zwei Unternehmerinnen genügend Stimmen bekommen, meldete die Nachrichtenseite Okaz. Es handle sich um Rascha Hifsi und Lama Abdulasis al-Sulaiman. Letztere war bereits als erste Frau in den Vorstand der lokalen Industrie- und Handelskammer gewählt worden.

Eine weitere Frau zog in das Lokalparlament von Mekka ein: In der Muslimen heiligen Stadt gewann die Kandidatin Salma Hisab al-Utaibi ein Mandat. Auch aus anderen Städten gab es Berichte über Erfolge von Kandidatinnen.

Wählen ja, Autofahren nein

Es waren nach 2005 und 2011 die insgesamt dritten Kommunalwahlen in dem Land. Und es war das erste Mal, dass Frauen wählen und kandidieren durften: Saudi-Arabien war der letzte Staat der Welt, der Männern das Wahlrecht vorbehielt. Menschenrechtler und Aktivistinnen begrüßten die Abstimmung daher als wichtigen Schritt für mehr Gleichberechtigung.

Generell sind die Rechte von Frauen in dem islamisch-konservativen Königreich jedoch weiterhin stark eingeschränkt. Sie dürfen weder Auto fahren noch ohne männliche Erlaubnis arbeiten, reisen oder heiraten. Im Wahlkampf durften die Kandidatinnen nur Frauen treffen.

Die Gemeinderäte sind das einzige Gremium in der absoluten Monarchie, deren Mitglieder zu zwei Dritteln vom Volk gewählt werden. Das verbleibende Drittel wird von der Regierung bestimmt. Die Befugnisse der Gemeinderäte beschränken sich weitgehend auf Straßenbau, öffentliche Anlagen und Müllabfuhr.

aar/dpa/AFP



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