Krieg in Syrien: Saudi-Prinz warnt Israel vor Einmarsch

Jerusalem ist nervös: Der Nachbarstaat Syrien zerfällt. Was wird aus Assads Chemiewaffen? Ein Mitglied des saudi-arabischen Königshauses hat Israel ausdrücklich vor einer Intervention gewarnt. Doch nun gab es einen Luftschlag gegen einen Lastwagenkonvoi.

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Prinz Turki Al Faisal: "Israel sollte an ein Eingreifen nicht einmal denken"

Hamburg - Ein Vertreter des saudi-arabischen Königshauses hat Israel davor gewarnt, in den Konflikt in Syrien einzugreifen. "Jede Art eines israelischen Eingriffs würde katastrophale Folgen haben. Israel sollte nicht einmal darüber nachdenken", sagte Prinz Turki al-Faisal im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE.

Doch alle Warnungen könnten vergebens sein. Am Mittwoch flogen Kampfjets der israelischen Luftwaffe einen Angriff auf syrischem Gebiet unweit der Grenze zum Libanon. Ziel sei ein Konvoi mit hochmodernen Flugabwehrwaffen auf dem Weg zur Hisbollah-Miliz im Libanon gewesen, meldet die "New York Times". Russland kritisierte den Vorfall als "nicht akzeptabel".

Prinz Turki al-Faisal gilt als einer der Außenpolitik-Experten des saudi-arabischen Königshauses, hat jedoch keine offizielle Funktion mehr inne. Er war lange Chef des Geheimdienstes sowie Botschafter in London und Washington und ist der Bruder des seit 1975 amtierenden Außenministers.

Die israelische Regierung ist nervös. Sie fürchtet, dass syrische Chemiewaffen in die Hände von Extremisten fallen könnten. Am Sonntag hatte der stellvertretende Premierminister Silvan Shalom erklärt, dass Israel es nicht ausschließt, Syrien anzugreifen, sollte das Assad-Regime versuchen, seine Chemiewaffen an die libanesische Hisbollah weiterzureichen.

Zugleich wiederholte Prinz Turki die saudi-arabische Forderung nach mehr Unterstützung für die syrische Opposition. Der Westen müsse den Rebellen panzerbrechende Waffen und Flugabwehrraketen liefern. "Das ist die einzige Möglichkeit, das Kräfteverhältnis auszugleichen", sagte Prinz Turki. Turki war auf Einladung der Deutsch-Arabischen Freundschaftsgesellschaft (DAFG) in Berlin.

Rebellen brauchen mehr als Geheimdienstmeldungen

Das syrische Regime setzt die geballte Macht seiner Artillerie und Luftwaffe ein, unter anderem auch Scud-Raketen. Durch den Beschuss kommen regelmäßig auch Zivilisten ums Leben. Zum Teil werden zivile Einrichtungen wie Krankenhäuser oder Marktplätze gezielt bombardiert. Der Opposition gelingt es nur selten, einen Kampfjet oder Helikopter abzuschießen. Es fehlt ihnen nach wie vor an schweren Waffen. Den Großteil davon scheinen die syrischen Rebellen bei der Einnahme von Militärstützpunkten selbst erobert zu haben.

Lediglich stärker mit Rebellengruppen zusammenzuarbeiten, wie etwa beim Austausch von Geheimdienstinformationen, lehnt Prinz Turki als nicht ausreichend ab. "Wie schießt man ein Flugzeug ab? Nicht, indem man feststellt, dass es über einem fliegt."

Saudi-Arabien war das erste Land, das 2012 angekündigt hatte, die syrische Opposition mit Waffenlieferungen unterstützen zu wollen. Darüber, ob Saudi Arabien Waffen geliefert habe, könne er keine Angaben machen, da er nicht Teil der Regierung sei, sagte Prinz Turki. Saudi-Arabien gehört zu den wichtigsten Spendern für die humanitäre Hilfe für notleidende Syrer.

Die Sorge, dass für die syrische Opposition bestimmte Waffen möglicherweise in der Hand von Extremisten enden, teilt Prinz Turki nicht. Es sei Aufgabe der Geheimdienste sicherzustellen, dass die Waffen in den richtigen Händen und nicht in denen von radikalen Gruppen landeten. Nach wie vor machen Dschihadisten und Qaida-nahe Kämpfer eine Minderheit unter den syrischen Rebellenkämpfern aus. Je länger der brutale Konflikt andauert, desto größer scheint jedoch ihr Einfluss zu werden.

ras

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