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Milliardär Sawiris: Der Mann, der eine Insel für 100.000 Flüchtlinge reservieren will

Ein Interview von

Insel in der griechischen Ägäis (Symbolbild): Hospitäler, Schulen, Arbeit Zur Großansicht
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Insel in der griechischen Ägäis (Symbolbild): Hospitäler, Schulen, Arbeit

Die Idee klingt aberwitzig: Der ägyptische Milliardär Naguib Sawiris plant im Mittelmeer eine Insel für Flüchtlinge - mit 100.000 Bewohnern. Wie soll das gehen? Ein Anruf.

SPIEGEL ONLINE: Herr Sawiris, Sie wollen den Opfern der Kriege im Nahen Osten eine Insel im Mittelmeer kaufen. Wie soll das funktionieren?

Sawiris: Ich will bis zu 200 Millionen Dollar investieren und eine Bleibe für etwa 100.000 Menschen schaffen. Als Unternehmer und Maschinenbauingenieur habe ich das Know-how, ich weiß, wie man Siedlungen aufbaut und einen Hafen, an dem die Flüchtlinge anlanden können, wenn sie über das Meer kommen. Es würde Hospitäler geben, Schulen und Arbeit.

SPIEGEL ONLINE: Was bringt Sie auf so ein Vorhaben?

Sawiris: Die Leiche des dreijährigen Jungen am Strand von Bodrum war doch wie ein Zeichen von Gott, dass wir endlich aufwachen müssen. Als ich dann noch die Bilder der Sicherheitskräfte in Ungarn sah, die diese Flüchtlinge abweisen und brutal behandeln, sagte ich mir, wir müssen etwas tun. Diese Menschen fliehen, weil der syrische Präsident Baschar al-Assad Fassbomben auf sie wirft und der "Islamische Staat" ihnen die Köpfe abschneidet und die Frauen vergewaltigt. Wenn sie nicht gehen, sterben sie.

Ägyptischer Geschäftsmann Sawiris: "Wird mich schon nicht arm machen" Zur Großansicht
REUTERS

Ägyptischer Geschäftsmann Sawiris: "Wird mich schon nicht arm machen"

SPIEGEL ONLINE: Die meisten Flüchtlinge wollen aber nicht auf eine Insel, sondern nach Deutschland.

Sawiris: Deutschland empfängt die Flüchtlinge mit offenen Armen, und Frau Merkel hat hier richtig gehandelt. Aber Deutschland kann natürlich nicht alle Menschen aufnehmen. Es muss einen Plan B und C geben. Die Insel ist ein sicheres Ziel und eine Perspektive. Das wird sich herumsprechen.

SPIEGEL ONLINE: Wann geht's los?

Sawiris: Die größte Hürde sind die europäischen Regierungen, die müssen das Projekt bewilligen. Ich habe einen Brief an den griechischen Ministerpräsidenten geschrieben und bin selbstverständlich bereit, unter den Regeln und Gesetzen seines Landes zu arbeiten. Er muss nur den Telefonhörer aufnehmen und sagen, Herr Sawiris, das ist die Insel, die wir Ihnen anbieten. Das Land muss lediglich die Zöllner und Sicherheitsbeamte stellen, um zu verhindern, dass sich unter die Flüchtlinge Kämpfer des "Islamischen Staates" schmuggeln. Wenn das Projekt scheitert, dann nicht an mir. Mir ist das ganz ernst.

SPIEGEL ONLINE: Ob Ihr Insel-Projekt gelingt oder scheitert, ist ungewiss, teuer wird es allemal. Sie sind Geschäftsmann, was treibt Sie an?

Sawiris: Auf der Insel würde mein Geld endlich für etwas Vernünftiges eingesetzt und es wird mich schon nicht arm machen.

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