Scharia auf dem Motorrad: Indonesische Stadt zwingt Frauen in den "Damensitz"

Frauen auf dem Motorrad? Okay, aber bitte nicht in der regulären Sitzposition - die ist viel zu männlich. Eine Stadt in Indonesien will weiblichen Mitfahrerinnen vorschreiben, wie sie sich zu positionieren haben. Der Bürgermeister beruft sich auf die islamische Rechtsprechung.

Frauen auf Motorrollern: Sitzen ja, aber doch bitte nicht wie ein Mann Zur Großansicht
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Frauen auf Motorrollern: Sitzen ja, aber doch bitte nicht wie ein Mann

Lhokseumawe - Indonesiens Straßen sind oft verstopft und überfüllt. Am besten kommt man noch auf dem Motorrad durch. Die wendigen und flinken Zweiräder sind nicht umsonst ein bevorzugtes Fortbewegungsmittel und zu Millionen im Land unterwegs. Frauen als Passagiere sind allgegenwärtig, die meisten sitzen ganz "regulär" hinten auf den Maschinen. Nun schreitet der Bürgermeister der Stadt Lhokseumawe im Nordwesten des Landes ein. Er will Beifahrerinnen in den sogenannten "Damensitz" zwingen.

Bei der aus dem Reitsport bekannten Sitzposition positioniert sich die Person seitlich auf dem Polster, beide Beine baumeln auf der gleichen Seite.

Suaidi Yahya verteidigt seine Initiative mit der Scharia, der islamischen Rechtsprechung, die in der Provinz Aceh gilt. Mit dem Vorstoß wolle er die "Moral und das Benehmen" der Menschen bewahren, sagte er der britischen BBC.

"Wenn eine Frau wie auf einem Sattel sitzt, sieht sie aus wie ein Mann. Im Damensitz sieht sie aus wie eine Frau", so Yahya. Nur so könne man den islamischen Werten gerecht werden. Derzeit werden Flugblätter an Behörden und Offizielle versandt, in denen auf die neue Regelung hingewiesen wird.

Nach einer einmonatigen Testphase könnte der "Damensitz" in die Gesetzgebung der Region übergehen. Spätestens dann müssten Frauen bei Missachtung mit Strafen rechnen.

Mit seinem Vorstoß sorgt Yahya nicht nur für Verwunderung, sondern auch für offene Kritik - sogar von muslimischen Aktivisten. "Wie man auf einem Motorrad sitzt, steht nicht in der Scharia. So etwas wird im Koran nicht erwähnt", sagt etwa Ulil Abshar Abdalla, Aktivist aus der Hauptstadt Jakarta. Man müsse auch einmal den gesunden Menschenverstand benutzen.

Von solchen Unkenrufen lässt sich Bürgermeister Yahya nicht beeindrucken. Er sieht sich nicht nur moralisch im Recht - sondern auch die Unfallstatistiken auf seiner Seite. Schließlich würden Passagiere im "Damensitz" nur äußerst selten von den Motorrädern fallen.

jok

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