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17. Februar 2013, 10:54 Uhr

Qaida-Herrschaft in Mali

Die Scharia-Richter von Timbuktu

Im Norden Malis herrschte bis zum Einmarsch der Franzosen das Terrornetzwerk al-Qaida. Jetzt entdeckte Dokumente aus dem Scharia-Gerichtshof in Timbuktu zeigen, was die Radikalislamisten unter Recht verstehen - und welche Anweisungen ihr Chef den Richtern erteilte.

Timbuktu - Besonders lang hatte das "Islamische Emirat von Timbuktu" nicht Bestand. Neun Monate, von April 2012 bis zum Einmarsch französischer Truppen im Januar 2013, regierten Radikalislamisten die nordmalische Stadt. Es reichte, um die Welt in Schrecken zu versetzen. Vermeintlichen Dieben wurde die Hand abgehackt, historische Mausoleen wurden mit Pickeln und Äxten zerstört.

Die Anhänger des Terrornetzwerks al-Qaida im Islamischen Maghreb wollten bis ins Detail das Leben der Bevölkerung in Mali regulieren. Dies zeigen Hunderte von Dokumenten der Radikalen, die Journalisten in der Polizeistation und dem Scharia-Gerichtshof von Timbuktu fanden.

Der Gerichtshof mit neun Richtern war danach in drei Kammern unterteilt: Eine befasste sich mit "Mord, Diebstahl, Ehebruch, Alkohol, Rauchen, Fluchen und Hexerei" - den Schwerverbrechen. Eine andere war für Scheidungen und Eheschließungen zuständig, und die dritte widmete sich Streitereien um Geld und Land. Jeder Verhandlungsfall wurde von den Islamisten fein säuberlich dokumentiert.

Die Chefs von al-Qaida im Islamischen Maghreb mahnten zur Zurückhaltung

Allerdings waren auch der Macht der Moralpolizei und Islamisten-Krieger Grenzen gesetzt. Abd al-Hamid Abu Zaid, einer der Oberen von al-Qaida im Islamischen Maghreb, legte in einem zweiseitigen Memorandum die Grundzüge der Gesetzgebung im "Islamischen Emirat" fest. Demnach dürfe niemand das Haus eines Bürgers betreten ohne Erlaubnis des "Emirs von Timbuktu". Wer dies war, ist unklar. Auch sollten die Radikalislamisten nicht ohne guten Grund die Handys von Bürgern auf verdächtige Musik oder Videos untersuchen.

Auch der Chef von al-Qaida im Islamischen Maghreb, Abdelmalek Droukdel, hatte die Radikalislamisten in Timbuktu in einem Brief davor gewarnt, zu schnell und brutal religiös inspirierte Gesetze anzuwenden. Man dürfe die örtliche Bevölkerung nicht verärgern.

Die Aufforderungen der Qaida-Chefs erklären womöglich, warum in Timbuktu die Herrschaft der Radikalislamisten weniger brutal war als die in der nordmalischen Stadt Gao. Dort hatten andere Gruppen das Sagen - erst Tuareg-Rebellen, dann Radikalislamisten der Gruppen Ansar Dine und der Bewegung für Einheit und Dschihad in Westafrika (MUHAO). Während es in Gao über ein Dutzend Amputationen gab, wurde in Timbuktu nur ein einziger Fall bekannt.

In dem Brief entwarf Droukdel auch die Strategie von al-Qaida in Nordafrika und warnte, dass ihre Macht in Timbuktu noch nicht gefestigt sei. Man solle sich selbst zurückhalten und verbündeten Gruppen wie den separatistischen Tuareg-Rebellen den Vortritt lassen. Kurzfristige Zugeständnisse seien notwendig für langfristige Erfolge. Im Falle einer internationalen Militärintervention solle man sich vorübergehend wieder in die Wüste zurückziehen.

ras

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