Schattennetzwerke für Dissidenten Iran wirft Washington Cyber-Kriegsführung vor

70 Millionen Dollar will die US-Regierung für sogenannte Schattennetzwerke im Ausland ausgeben - Gegner autoritärer Regime sollen dadurch zensurfrei miteinander kommunizieren können. Iran geißelt die amerikanische Cyber-Strategie als kriegerisch und droht mit entsprechender Vergeltung.


Teheran - Iran hat die US-Regierung davor gewarnt, den möglicherweise geplanten Aufbau sogenannter Schattennetzwerke zur Unterstützung von Dissidenten auch in iranischem Staatsgebiet umzusetzen. "Das würde nach hinten losgehen und den USA eine weitere große Pleite einbringen", sagte der Sprecher des iranischen Außenministeriums, Ramin Mehmanparast, am Dienstag in Teheran.

Die "New York Times" hatte am Sonntag berichtet, dass die US-Regierung mit dem Aufbau der "Schattennetzwerke" die Kommunikationswege von Dissidenten im Ausland schützen wolle. Die Initiative der Regierung von US-Präsident Barack Obama sei "in gewissem Sinne eine neue Front in den seit langem währenden Bemühungen, Meinungsfreiheit und Demokratie zu fördern", hieß es.

Allein in Afghanistan hätten Außenministerium und Pentagon mindestens 50 Millionen US-Dollar ausgegeben, um ein Mobilfunknetz zu errichten, das von den Taliban nicht willkürlich abgeschaltet werden kann. Insgesamt will die Regierung Obama der Zeitung zufolge 70 Millionen Dollar für die Unterstützung der mobilen Infrastruktur im Cyber-Untergrund ausgeben.

Teheran reagiert nun mit scharfer Kritik der US-Regierung - und einer offenen Drohung: "Die Amerikaner versuchen schon seit längerer Zeit, den sanften Krieg gegen Iran voranzutreiben, und planen nun den Cyber-Krieg im Internet", sagte Mehmanparast. Washington sollte bedenken, dass Iran im Bereich Internettechnologie über hochqualifizierte Experten verfüge.

"Dementsprechend könnten solche Initiativen eine sehr konsequente Antwort zur Folge haben, und dann wird man sehen, wer am Ende als Gewinner dasteht", drohte Mehmanparast.

Twitter-Intervention nach Iran-Wahl

Außenministerin Hillary Clinton hatte bereits vor gut einem Jahr erklärt, die Freiheit des Internets sei zu einem fundamentalen Prinzip amerikanischer Außenpolitik geworden. Erst vor wenigen Tage hatte Washington die weitgehende Internetblockade durch die Regierung in Syrien scharf kritisiert.

Es sei klare Linie des Weißen Hauses, dass kein Staat seinen Bürgern den Zugang zum Internet oder zu anderen technischen Kommunikationsmitteln verwehren darf, so Clinton. Sie warnte das syrische Regime, den politischen Umbruch nicht dadurch verhindern zu können, indem es das Volk zu Schweigen bringe.

Bereits 2009 hatte die US-Regierung nach der Iran-Wahl den Kurznachrichtendienst Twitter gebeten, geplante Wartungsarbeiten aufzuschieben. So sollte sichergestellt werden, dass Demonstranten ungehindert mit seiner Hilfe kommunizieren können.

amz/dpa



insgesamt 67 Beiträge
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Seite 1
firem 14.06.2011
1. Cyber-Krieg
Irgendwie müssen die 82 Mrd. USD der US-Geheimdienste ja verballert werden. Wofür? Nur um Krieg zu machen. Die spinnen, die Amis. Es ist die Wiedergeburt der Faschistenideologie mit Übermenschtum und Weltherrschaft.
ratxi 14.06.2011
2. Alles anders
Zitat von sysop70 Millionen Dollar will die US-Regierung*für sogenannte Schattennetzwerke im Ausland ausgeben - Gegner autoritärer Regimes sollen*dadurch*zensurfrei miteinander kommunizieren können. Iran*geißelt*die*amerikanische Cyber-Strategie als kriegerisch und droht mit entsprechender Vergeltung. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,768338,00.html
Solange die USA keine innenpolitischen Kämpfe führen muss, kann sie das gut propagieren. Wenn dem aber so wäre, wäre plötzlich alles anders und es hiesse wieder "America first".
cooleriker 14.06.2011
3. eigenartig
"Die Initiative der Regierung von US-Präsident Barack Obama sei "in gewissem Sinne eine neue Front in den seit langem währenden Bemühungen, Meinungsfreiheit und Demokratie zu fördern", hieß es." Meinungsfreiheit und US-Regierung, in einem Satz? http://www.zdnet.de/news/41542480/us-air-force-zensiert-sites-mit-wikileaks-inhalten.htm
n.holgerson 14.06.2011
4. Genau darum geht es
Zitat von firemIrgendwie müssen die 82 Mrd. USD der US-Geheimdienste ja verballert werden. Wofür? Nur um Krieg zu machen. Die spinnen, die Amis. Es ist die Wiedergeburt der Faschistenideologie mit Übermenschtum und Weltherrschaft.
Es geht um Meinungsfreiheit. Schauen sie sich ihren Kommentar an. Keine Qualität, kein Hintergrundwissen, Autor scheint wenig Bildung zu haben, kein Niveau,... aber viel Meinung... Und darum geht es. Das Typen wie sie auch die Möglichkeit haben mal ihren Quark loszuwerden....
Thor73, 14.06.2011
5. Unverständlich
Zitat von firemIrgendwie müssen die 82 Mrd. USD der US-Geheimdienste ja verballert werden. Wofür? Nur um Krieg zu machen. Die spinnen, die Amis. Es ist die Wiedergeburt der Faschistenideologie mit Übermenschtum und Weltherrschaft.
Gleichgültig welche geostrategischen Interessen der USA dahinter stehen mögen, aber wie kann man sich allen Ernstes über den Versuch der verhinderung von Einschränkungen der Meinungsfreiheit empören? Lieber ein US Schattennetz, um seine Meinung uneingeschränkt äußern zu dürfen, als ein abgeschaltetets iranisches, syrisches oder sonstiges Netzwerk.
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