Schießerei bei Journalisten-Befreiung Berlusconi unter Druck

Der im Irak getötete Geheimdienstmitarbeiter Nicola Calipari wird heute mit einem Staatsbegräbnis in Rom geehrt. An den Feierlichkeiten wird auch Silvio Berlusconi teilnehmen. Der Ministerpräsident gerät derweil innenpolitisch unter Druck.


Rom: Der Sarg Caliparis war am Sonntag öffentlich aufgebahrt worden
AP

Rom: Der Sarg Caliparis war am Sonntag öffentlich aufgebahrt worden

Rom - Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft und die Bemühungen der Regierung gehen weiter, die genauen Todes-Umstände von Nicola Calipari zu klären. Die Staatsanwaltschaft in Rom leitete Ermittlungen wegen Totschlags ein.

Der in eine italienische Flagge gehüllte Sarg Caliparis war gestern an Bord einer Militärmaschine in Rom eingetroffen. Zugegen waren neben Caliparis Witwe und den beiden Kindern auch Staatspräsident Carlo Azeglio Ciampi und Silvio Berlusconi. Die Autopsie ergab, dass Calipari von einer Kugel in die Schläfe getroffen wurde und sofort tot war. Ihm soll postum die Tapferkeitsmedaille verliehen werden.

An seinem in Rom öffentlich aufgebahrten Sarg pilgerten Tausende Menschen vorbei, um ihm die letzte Ehre zu erweisen.

Der Geheimdienstagent war nach der Freilassung der italienischen Journalistin Giuliana Sgrena von US-Soldaten getötet worden, als er am Freitag die Italienerin auf der Fahrt zum Flughafen Bagdad begleitete. Nach Angaben der US-Armee fuhr das Auto schnell auf eine Straßensperre zu. Der Fahrer habe die Aufforderung zum Anhalten ignoriert. Sgrena bestreitet dies. Sie sagt, die Soldaten hätten völlig grundlos das Feuer eröffnet.

Sgrena, die vor allem für die kommunistische Zeitung "Il Manifesto" arbeitet, behauptete mit Blick auf mögliche Lösegeldzahlungen an ihre irakischen Entführer, es sei nicht auszuschließen, dass sie selbst das Ziel gewesen war. "Jeder weiß, dass die Amerikaner keine Verhandlungen für die Befreiung von Geiseln wollen", sagte sie dem italienischen Rundfunk.

Nach Angaben italienischer Medien zahlte Rom möglicherweise bis zu sechs Millionen Dollar für die Freilassung der Frau, die auch für das Hamburger Wochenblatt "Die Zeit" schreibt. Silvio Berlusconi sowie Staatspräsident Carlo Azeglio Ciampi verlangten von Washington eine genaue Aufklärung.

In der Bevölkerung hat die antiamerikanische Stimmung nach dem Vorfall stark zugenommen. Die von Sgrena vermuteten politischen Hintergründe für den Beschuss ihres Konvois haben die Ablehnung des italienischen Engagement im Irak weiter angeheizt. Das bringt den Ministerpräsidenten unter Druck, der sich stets als enger Verbündeter der USA gezeigt hat und häufig stolz auf seine Besuche auf der Ranch von US-Präsident Geroge W. Bushs verwies.



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