Schlacht um Homs Assad-Gegner berichten von Gräueltaten gegen ganze Familien

Die syrischen Streitkräfte haben ihren Sturm auf die Rebellenhochburg Homs verschärft. Offenbar überfallen die Soldaten wehrlose Familien in ihren Häusern. Aufständische berichten von Messer-Massakern - auch an Kindern.


Beirut - Mit militärischer Macht und Milizenterror versucht das syrische Regime den Willen der Aufständischen in der Stadt Homs zu brechen. Schon den fünften Tag in Folge bombardieren die Streitkräfte die Stadt mit schweren Waffen. Aktivisten berichteten am Mittwoch, das Viertel Baba Amr sei mit Raketen und Mörsern beschossen worden. Sie sprachen von Dutzenden von Toten. Auch in anderen Vierteln der zentral gelegenen Stadt habe es erneut Kämpfe gegeben. Panzer seien nun im Viertel Inschaat.

Milizionäre hätten zudem drei Familien in ihren Häusern massakriert, hieß es. Die Eindringlinge hätten insgesamt 20 Menschen mit Messern getötet - darunter viele Kinder. Die Offensive gegen Homs soll seit dem Wochenende mehr als 200 Menschen das Leben gekostet haben. Wegen der eingeschränkten Bewegungsfreiheit für Journalisten in Syrien ist es schwer, derartige Angaben zu überprüfen.

Die Arabische Liga forderte inzwischen ihre Beobachter auf, Syrien zu verlassen. Das bestätigte ein Mitarbeiter der Liga in Kairo. Der Leiter der Beobachtermission, Mohammed al-Dabi, und sein Stab sollen jedoch vorerst in Damaskus bleiben. Mehrere arabische Länder hatten zuvor bereits aus Protest gegen die Gewalt des Regimes ihre Beobachter aus Syrien abgezogen. Die Beobachter waren im Dezember mit dem Auftrag dorthin geschickt worden, den Abzug der Armee aus den Städten und die Freilassung aller politischen Gefangenen zu überwachen.

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Schlacht um Homs: Bilder aus der umkämpften Stadt
Der russische Außenminister Sergej Lawrow hatte bei einem Treffen mit Präsident Baschar al-Assad am Dienstag noch erklärt, die Beobachtermission könne ausgeweitet werden.

Die Organisation Syrischer Menschenrechtsbeobachter meldete, in der Provinz Daraa seien nahe der jordanischen Grenze ein Offizier und 17 Soldaten desertiert. Der syrische Menschenrechtsanwalt Haitham al-Maleh sagte dem Nachrichtensender al-Arabija, regimetreue Sondereinheiten seien für die gewaltsame Unterdrückung der Proteste verantwortlich, nicht die regulären Truppen der Armee.

Westerwelle will mit Russland im Gespräch bleiben

Außenminister Guido Westerwelle will weiter auf Russland einwirken, um zu Syrien doch noch eine Uno-Resolution hinzubekommen. "Ich bedaure, dass der russische Außenminister sich hier so klar auf die falsche Seite der Geschichte gestellt hat, und ich bedaure auch, dass er sich für solche Propagandaeinsätze des Regimes hergibt, aber dennoch sind es unsere Gesprächspartner", sagte Westerwelle am Mittwoch im ZDF-"Morgenmagazin". Es sei wichtig, Russland davon zu überzeugen, dass man nicht die Interessen des russischen Staats in der Region schwächen, sondern lediglich die Gewalt in Syrien beenden wolle.

Einen militärischen Einsatz schloss der Außenminister weiterhin aus. Dies sei keine Alternative zu einer politischen Lösung. "Das sehen auch alle Beteiligten so", sagte Westerwelle. Eine Schlüsselrolle in der Lösung des Konflikts spiele die Türkei gemeinsam mit der Arabischen Liga.

Außenminister Lawrow hatte bei einem Besuch am Dienstag in Damaskus Verständnis für das Vorgehen Assads im Konflikt mit der Opposition geäußert. Zuvor hatten die Uno-Vetomächte Russland und China eine westlich-arabische Resolution gegen die Gewalt in Syrien im Weltsicherheitsrat blockiert - und waren damit international in die Kritik geraten.

ler/dpa/dapd/Reuters

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insgesamt 215 Beiträge
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Seite 1
Layer_8 08.02.2012
1. Ich bin mal gespannt...
Zitat von sysopAP / APTNDie syrischen Streitkräfte haben ihren Sturm auf die Rebellenhochburg Homs verschärft. Offenbar überfallen die Soldaten wehrlose Familien in ihren Häusern. Aufständische berichten von Messer-Massakern - auch an Kindern. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,813995,00.html
...welche Argumente die Relativierer jetzt hier wieder vorbringen. Traurig das ganze
freigeist56 08.02.2012
2. Ah
Ein Russe oder Chinese?
Koda 08.02.2012
3. Sehr geehrter Al-Nemsi
Es ist aber nun mal leider so, dass in Kriegen Soldaten ausrasten und Greueltaten begehen. Da wären "Ihre" sysrischen Soldaten weder die Ersten noch würden sie die Letzten sein. Ausserdem läßt sich mit komplett unschuldigen Opfern auch durchaus Gegenpropanda machen indem man behauptet, die Gegenseite sei es gewesen. Aber in einem Punkt haben Sie natürlich recht: man kann nicht alles so unreflektiert aufnehmen, wie es gemeldet wird, da freie Presse in Syrien nicht möglich ist.
Alzheimermaus 08.02.2012
4. powerseller
Zitat von freigeist56Ein Russe oder Chinese?
Definiert sich dadurch was er zu verkaufen hat.
Welehamm 08.02.2012
5. Medienschlacht
Kriege werden über mit Medien geführt. Wer die "schönste" Grausamkeit hat, der gewinnt. Bei Bush war es die Brutkastenlüge und hier vergeht kein Tag, wo nicht die Beobachtungsstelle aus London neue Geschichten fabriziert. Einmal hieß es, Assad wolle Horms dem Erdboden gleichmachen. Hier wird mal wieder wahllos in die Häuser eingedungen. Babies und Kleinkinder werden auch gerne genommen.Im Internet kursieren Bilder, die einst im Irak fotografiert wurden und jetzt den Assad-Truppen in die Schuhe geschoben werden. Die Bevölkerung soll durch diese stetigen Meldungen "kriegsbereit" gekocht werden, denn dann müssen wir ja die Welt retten (= zahlen für Kriege).
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