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Schlag gegen Anonymous: FBI nimmt 14 mutmaßliche Hacker fest

Das FBI geht massiv gegen die Hackergruppe Anonymous vor, in mehreren US-Bundesstaaten wurden Dutzende Razzien durchgeführt. Der Behörde zufolge nahmen die Beamten 14 Personen fest - sie sollen hinter einem Online-Angriff auf den Bezahldienst PayPal stecken.

FBI-Mitarbeiter (Archivbild aus dem Jahr 2010): Razzia wegen Cyberangriff gegen Firmen Zur Großansicht
AP

FBI-Mitarbeiter (Archivbild aus dem Jahr 2010): Razzia wegen Cyberangriff gegen Firmen

Washington - Die Ermittler schlugen gleich in mehreren Teilen des Landes zu: Die US-Bundespolizei FBI hat nach Angaben des Justizministeriums bei insgesamt 35 Razzien 14 mutmaßliche Mitglieder der Hackergruppe Anonymous festgenommen. Die Frauen und Männer im Alter von 20 bis 42 Jahren wurden demnach in Alabama, Arizona, Kalifornien, Colorado, Florida, Massachusetts, Nevada, New Mexico, Ohio und im District of Columbia verhaftet.

Sie werden verdächtigt, die Internetseite des Bezahldienstes PayPal angegriffen zu haben, nachdem das Unternehmen die Spendenabwicklung für die Enthüllungsplattform Wikileaks eingestellt hatte.

Die Razzien seien Teil einer Ermittlung zu "koordinierten Cyber-Attacken gegen große Unternehmen und Organisationen" gewesen, hieß es.

Im Zuge der Ermittlungen wurden vier weitere Personen in den Niederlanden und ein Verdächtiger in Großbritannien festgenommen. Wegen weiterer Cyberattacken auf Unternehmen und Organisationen stellte das FBI 35 Haftbefehle aus.

Anonymous hatte sich auch mit einem Angriff auf das US-Militär gebrüstet

Zuvor hatte das FBI im Zuge der Ermittlungen gegen Anonymous bereits mehrere Häuser im US-Staat New York durchsucht. Bei den Razzien im Bezirk Brooklyn und auf Long Island hätten die Agenten Computer beschlagnahmt, erklärte FBI-Sprecher Jim Margolin.

Der Anonymous-Angriff auf PayPal galt als Vergeltungsschlag, weil das Unternehmen nach der Veröffentlichung Tausender vertraulicher US-Depeschen im vergangenen November der Enthüllungsplattform Wikileaks ihr Konto gekündigt hatte. Als im vergangenen Dezember die Kreditkartenfirmen Visa und Mastercard die Spendenabwicklung für WikiLeaks einstellten, wurden auch sie Opfer von Hackerangriffen.

Erst vor wenigen Tagen hatte die Web-Guerilla Anonymous außerdem erklärt, Zehntausende E-Mailadressen und Passwörter des militärisch-industriellen Komplexes der USA erbeutet zu haben. Die Daten waren angeblich von einem Server der US-Beratungsfirma Booz Allen Hamilton kopiert worden. Anonymous bezeichnete den Hack als "MilitaryMeltdownMonday". Das Pentagon gab allerdings an, keine Kenntnis von dem Vorfall zu haben. Vor wenigen Tagen hatte das US-Verteidigungsministerium eingeräumt, dass Hacker Anfang des Jahres auf einen Schlag 24.000 geheime Dateien aus dem Pentagon entwenden konnten. Hinter dem Angriff wird eine ausländische Regierung vermutet.

hen/Reuters/AFP

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1. Gut!
salopp 20.07.2011
Es ist gut, dass damit ein Zeichen gesetzt wurde. Das Internet ist nun mal kein rechtsfreier Raum. Auch dort hat man sich an die gültigen Gesetze zu halten und sich nicht wie die "Wilde Sau" benehmen.
2. die armen........
wer es glaubt wird selig 20.07.2011
Zitat von sysopDas FBI geht massiv gegen die Hackergruppe Anonymous vor,*in mehreren US-Bundesstaaten wurden Dutzende Razzien durchgeführt. Der Behörde zufolge nahmen die Beamten 14 Personen fest - sie sollen hinter einem Online-Angriff auf den Bezahldienst PayPal stecken. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,775392,00.html
die Hacker koennen einem echt leid tun, man sollte besser die kriminellen Politiker in den Knast stecken.
3. .
ThomasPr, 20.07.2011
Zitat von sysopDas FBI geht massiv gegen die Hackergruppe Anonymous vor,*in mehreren US-Bundesstaaten wurden Dutzende Razzien durchgeführt. Der Behörde zufolge nahmen die Beamten 14 Personen fest - sie sollen hinter einem Online-Angriff auf den Bezahldienst PayPal stecken. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,775392,00.html
Gut so. Wegsperren und lebenslanges Verbot, jemals eine Tastatur auch nur zu berühren. Und bevor irgendwelche Freunde dieser Deppen sich zu Wort melden und sagen "es war ja nicht richtig abgesichert, wurde zu einfach gemacht, und und....": Wenn ich meine Haustür nicht abschließe und jemand "besucht" mein Haus ist das trotzdem Einbruch.
4. Hochmut kommt vor dem Fall
shokaku 20.07.2011
Da war anonym wohl nicht anonym genug. War ja nur eine Frage der Zeit, bis diese digitalen Möchtegerns auf Leute trafen, die selber weder vergeben noch vergessen. Hoffe die FBIler hatten Humor, und haben bei den Festnahmen diese Vendetta-Masken getragen.
5. -
Carnival Creation, 20.07.2011
Zitat von sysopDas FBI geht massiv gegen die Hackergruppe Anonymous vor,*in mehreren US-Bundesstaaten wurden Dutzende Razzien durchgeführt. Der Behörde zufolge nahmen die Beamten 14 Personen fest - sie sollen hinter einem Online-Angriff auf den Bezahldienst PayPal stecken. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,775392,00.html
Jetzt bin ich nur gespannt, wann die Hacker 'massiv gegen die Geheimdienste' vorgehen werden. Und was das für Folgen haben wird.
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Die Web-Guerilla Anonymous
Die Namenlosen
Anonymous ist eine lose Gruppierung, die ihren Ursprung einst im anarchischen Bilderforum 4Chan hatte. Zunächst konzentrierten sich Aktivisten auf Aktionen gegen Scientology. Inzwischen werden DDoS-Attacken, bei denen Websites durch massenhafte Anfragen überlastet werden, gegen eine Vielzahl von Zielen durchgeführt. Die Gruppe erklärte sich solidarisch mit den Aufständischen in Ägypten, Libyen, Syrien und anderswo, sie verteidigt WikiLeaks und bekämpft die Branchenverbände der Musik- und Filmbranche. Freie Information und das Recht auf Anonymität gehören zu den wenigen geteilten Zielen der zahlreichen Netznutzer weltweit, die sich zu Anonymous zählen.
Masken und Anzüge
AFP
Die Maske kommt aus Alan Moores Kultcomic "V wie Vendetta" und steht dort als Symbol für den Kampf gegen Unterdrückung, Überwachung und Zensur: Man erkennt die Gruppenzugehörigkeit, nicht aber den anynomen Träger. Angelehnt ist die Maske an Guy Fawkers, einen englischen Offizier, der 1605 den König und das Parlament in die Luft sprengen wollte, um die Verfolgung der Katholiken anzuprangern. Der Mann im Anzug ohne Kopf, das Logo der Bewegung, steht für eine Organisation ohne Anführer: Jeder kann Anonymous sein. Eine Vielzahl von Websites und Foren, Social-Network-Profilen und YouTube-Angeboten propagiert die Grundideen und -ziele der Bewegung.
Dauerfeuer aus Ionenkanonen
Anonymous setzt häufig auf Distributed-Denial-of-Service- oder kurz DDoS-Attacken. Darunter versteht man Angriffe über das Internet, bei der eine Vielzahl von Rechnern für so massenhafte Seitenaufrufe sorgt, dass die angegriffenen Server mit der Überlast nicht mehr fertig werden und kollabieren. Meist sind sie Stunden später aber wieder am Netz. Die "Niederorbit-Ionenkanone" ist ein Tool, das DDoS-Attacken für jedermann ermöglicht - und den freiwilligen Anschluss an ein Botnetz. Klingt cool, ist bei Einsatz aber kriminell. Anonymous hat mehrere zehntausend dieser DDoS-Tools für sogenannte Raids in Umlauf gebracht.
Anonymous gegen Scientology
REUTERS
Anlass zur Gründung der Bewegung waren 2008 Versuche von Scientologen, das Internet zensieren zu lassen: Ein ganz besonders wirres Video, in dem der Schauspieler Tom Cruise über Scientology redet, sollte aus dem Web entfernt werden. In den Foren einiger Imageboards (vor allem 4Chan, wo alle Teilnehmer Anonymous heißen) wurde daraufhin eine DDoS-Attacke verabredet. Seitdem protestiert ein "Arm" von Anonymous regelmäßig, auch ganz in echt auf der Straße, gegen Scientology.
Unterstützung für WikiLeaks
Bekannt wurde Anonymous durch Blockade-Angriffe auf Mastercard und Visa, die "Operation Payback". Die Finanzdienstleister hatte der Enthüllungsplattform WikiLeaks die Unterstütung entzogen. Später startete Anonymous "Operation Leakspin", eine Crowdsourcing-Initiative, um die von WikiLeaks veröffentlichten Dokumente nach interessanten Geschichten zu durchsuchen. Sympathisanten sollen ihre Energie darin investieren, Enthüllungen in "bürgerjounalistischer" Aufmachung auf allen denkbaren Kanälen so weit wie möglich zu verbreiten.
Anonymous und Sony
REUTERS
Sony möchte nicht, dass die Nutzer der Playstation auf der Spielkonsole eigene Software laufen lassen. Der Hacker GeoHot veröffentlichte eine Anleitung, wie es trotzdem geht - und bekam deshalb juristischen Ärger. Anonymous blies als Reaktion Mitte April zum DDoS-Angriff, zur "Operation Sony". Unbekannte stahlen parallel mehr als hundert Millionen Nutzerdaten des Playstation-Networks, weitere Hacker-Angriffe folgten - und Sony verdächtigt Anonymous, beschuldigt die Gruppe der Mittäterschaft.
Im Visier der Ermittler
Die Website-Blockaden provozieren staatliche Gegenwehr: Das FBI ermittelt, Anfang des Jahres wurden Wohnungen durchsucht und Verdächtige festgenommen. In Deutschland durchsuchten Ermittler im Mai, mitten im Wahlkampf, Server der Piratenpartei: Auf einer offenen Plattform soll, ohne Wissen der Partei, ein DDoS-Angriff geplant worden sein. Im Juni nahm die Polizei in Spanien drei mutmaßliche Anonymous-Mitglieder fest, mehr als zwei Millionen Chat-Protokolle sollen ausgewertet worden sein. Auch das Militärbündnis Nato, das sich für den Cyber-War rüstet, hat Anonymous im Visier.

Die Hackergruppe LulzSec
Das nach eigenen Angaben kleine Hackerkollektiv LulzSec hat sich auf das Aufspüren und Ausnutzen von Sicherheitslücken spezialisiert. Ziele waren unter anderem Sony, Nintendo, die Nachrichtenseite PBS und der Cyber-Sicherheitsverband InfraGard. LulzSec steht für "Laughing at your security". Die "Lulz", der Spaß am Unsinn, sind eine Erfindung aus dem Anarcho-Bilderforum 4Chan, in dessen Umfeld auch die lose organisierte Spaßguerilla Anonymous entstanden ist. Der Werbespruch im Twitter-Profil von LulzSec lautet: "Weltmarktführer in Sachen Spitzenunterhaltung auf Eure Kosten."

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