Washington/London - Irans Staatsmedien haben am Samstag sehr zurückhaltend auf den Anti-Piraten-Einsatz der USA im Arabischen Meer reagiert. Die amtliche Nachrichtenagentur Irna meldete zwar, die USA behaupteten, sie hätten die seit etwa anderthalb Monaten verschleppten iranischen Seeleute in Sicherheit gebracht. "Die Islamische Republik hat dies aber bisher nicht bestätigt", hieß es.
Das amerikanische Außenministerium teilte mit, die amerikanische und die iranische Regierung hätten wegen des Vorfalls keinen direkten Kontakt gehabt.
Am Freitag hatte die US-Regierung berichtet, Soldaten von dem Zerstörer USS "Kidd" hätten insgesamt 13 iranische Matrosen befreit und 15 Piraten festgenommen. "Es ist, als ob Gott euch geschickt hätte", sagte einer der geretteten Seeleute der "New York Times".
Die USS "Kidd" begleitet den Flugzeugträger USS "John C. Stennis" im Arabischen Meer. Am 29. Dezember 2011 hatte dessen Anwesenheit während eines iranischen Manövers in der Straße von Hormus zu erheblichen Verstimmungen in den ohnehin schon eisigen diplomatischen Beziehungen zwischen Washington und Teheran geführt. Damals hatte Iran mit einer Blockade der wichtigen Seeroute gedroht, sollte der Westen seine Sanktionen gegen das Land verschärfen. Die Straße von Hormus liegt zwischen Iran und Oman und gilt als wichtigstes Nadelöhr für den Ölexport in die USA, nach Japan und Westeuropa. Das iranische Regime reagierte auf die Entsendung der USS "John Stennis" und der Begleitflotte mit scharfen Drohungen gegen Washington.
Iranische Seeleute verabschieden sich mit US-Mützen
Angesichts dieser Spannungen ist der Anti-Piraten-Einsatz besonders brisant. Ein Befehlshaber der Navy sagte, es sei sehr zweifelhaft, dass die Seeleute oder die Piraten von den Ereignissen der vergangenen Tage gewusst hätten. "Als wir die Seeleute heute freiließen, machten sie sich sehr glücklich auf den Weg, sie winkten uns und trugen Mützen der USS 'Kidd'."
Wie die "New York Times" berichtet, soll der Kapitän des iranischen Schiffes um Hilfe gebeten haben. Die Navy hatte zu dem Schiff Kontakt aufgenommen, nachdem sie Somalier in einem kleinen Boot entdeckt hatten. Sie fragten daraufhin die iranischen Seeleute, ob sie Ausländer an Bord hätten. Das verneinten die Iraner zunächst. Kurz darauf sagte der iranische Kapitän allerdings in Urdu, in einer Sprache, die die Somalier offensichtlich nicht verstanden: "Wir brauchen Hilfe. Bitte helft uns", schreibt die Zeitung.
Die Navy habe sehr verantwortungsbewusst gehandelt, sagte Victoria Nuland, Sprecherin des US-Außenministeriums. Sie wollte allerdings nicht kommentieren, ob diese Rettungsaktion zu einer Verbesserung der Beziehung beitragen könnte.
Briten schicken modernstes Kriegsschiff in den Golf
Inzwischen zeichnet sich der nächste Konflikt in der Region ab, denn auch Großbritannien hat seine Präsenz in der Region verstärkt: Das Land entsendete sein modernstes Kriegsschiff in den Persischen Golf. Für den Zerstörer HMS "Daring" sei es die erste Mission, teilte das britische Verteidigungsministerium am Samstag in London mit.
Am Donnerstag hatte Verteidigungsminister Philip Hammond erklärt, eine iranische Blockade der strategisch wichtigen Seestraße von Hormus sei "illegal und erfolglos". Großbritannien werde alles tun, um den freien Warenverkehr zu gewährleisten.
Der Westen will mit Sanktionen bewirken, dass Iran sein Programm zur Urananreicherung aufgibt. Er verdächtigt die iranische Regierung, unter dem Deckmantel eines zivilen Nuklearprogramms heimlich am Bau von Atomwaffen zu arbeiten.
Der Einsatz des neuen Kriegsschiffs sei keine Reaktion auf neue Entwicklungen in der Region, sondern schon seit längerer Zeit geplant gewesen, teilte das britische Verteidigungsministerium weiter mit. Zwar sei der neue Hightech-Zerstörer mit futuristischem Tarnkappendesign leistungsfähiger als andere Kampfschiffe, sein Einsatz aber "absolute Routine". Er ersetze dort eine alte Fregatte. Die Royal Navy sei seit 1980 kontinuierlich in der Region präsent.
fln/AFP/dpa
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