Schlag gegen Saddams Leute Amerika sticht Karo-Dame, Herz-Sieben und Herz-Sechs

In der Fahndung nach Mitgliedern des Saddam-Regimes ist den USA ein weiterer Schlag gelungen. Vier Angehörige der früheren irakischen Führung gingen den Streitkräften jetzt ins Netz - darunter drei der berühmten Liste der 55 Meistgesuchten.


Die Karo-Dame: Kommandeur Tikriti
DoD

Die Karo-Dame: Kommandeur Tikriti

Washington/London - Damit befinden sich insgesamt elf der Gesuchten in der Gewalt der siegreichen Koalition. Für die Fahndung hatten die USA ein Steckbrief-Kartenspiel mit den Porträts und Namen von 52 der 55 meist gesuchten Iraker herausgebracht. Bei den drei jetzt Festgenommenen handele es sich um den Kommandeur der Luftverteidigung, Musahim Sab Hassan al-Tikriti, die Nummer zehn auf der Liste ("Karo-Dame"), der Direktor des militärischen Geheimdienstes, Suhair Talib Abd al-Sattar al-Nakib (Nummer 21/ "Herz-Sieben") und Handelsminister Mohammed Mahdi al-Salih (Nummer 48/"Herz-Sechs"), teilte das US-Zentralkommando in Doha (Katar) mit.

Außerdem fassten die Truppen den Amerika-Experten des irakischen Geheimdienstes, Salim Said Chalaf al-Dschumaili. Bei seiner Festnahme am Mittwoch in Bagdad habe es einen "feindlichen Toten" gegeben. Dschumaili könne wahrscheinlich dazu beitragen, irakische Spione in den USA zu entlarven, betonte das Zentralkommando.

Die Festgenommenen könnten nach Einschätzung der britischen BBC wichtige Informationen für die Suche nach Massenvernichtungswaffen geben. Militärgeheimdienst-Chef General Nakib, der sich laut BBC in Bagdad stellte, könnte zudem Angaben über mögliche terroristische Aktivitäten des Saddam-Regimes machen. Tikriti, der Chef der Luftverteidigung, war nach US-Medienberichten auch für die Ausbildung der paramilitärischen Fedajin-Einheiten zuständig.

Warnung an Iran

Unterdessen warnten die USA die iranische Regierung vor einer Einmischung in die Angelegenheiten des Irak. Als Beispiel für Teherans Verhalten nannte der Sprecher des Weißen Hauses, Ari Fleischer, Berichte, wonach iranische Agenten im Irak versuchten, die Schiiten im Süden des Landes zu beeinflussen. Das US-Zentralkommando gab bekannt, dass Marineinfanteristen bereits am Montag mit der Überwachung der Grenze zu Iran im Nordosten des Irak begannen.

Am Rande des größten Festes schiitischer Pilger seit 25 Jahren in der zentralirakischen Stadt Kerbela hatten Demonstranten den Abzug der amerikanischen und britischen Truppen gefordert. "Tod Amerika" und "Tod Israel" skandierten sie.

Die einflussreichste schiitische Oppositionsgruppe im Irak rief zur Mäßigung auf. "Wir sind gegen die Besatzung, aber wir möchten keine Kämpfe", sagte Abd al-Asis al-Hakim, Sprecher des Hohen Rates für die Islamische Revolution im Irak (SCIRI), dem arabischen Fernsehsender al-Dschasira. Der bewaffnete Kampf liege nicht im Interesse der Iraker. Rund 60 Prozent der Iraker sind Schiiten.

Briten wollen Truppen abziehen

Nach Ansicht des britischen Premierministers Tony Blair beginnt sich die Situation im Irak zu stabilisieren. Die Menschen dort würden jetzt die Freiheiten genießen, die sie in den vielen Jahren unter der brutalen Herrschaft Saddam Husseins nicht gehabt hätten. "Das irakische Volk hat eine Zukunft in Wohlstand, Gerechtigkeit und Freiheit vor sich", sagte Blair in London.

Die Zahl der britischen Bodentruppen im Irak soll deutlich reduziert werden. Nach Angaben einer ranghohen Militärquelle am Oberkommando der Alliierten in Katar wird in den kommenden Monaten nur noch eine von bislang drei Brigaden übrig bleiben. Insgesamt waren etwa 45.000 britische Soldaten in der Region stationiert.

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