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Schlappe für McCain: Powell spricht sich für Obama aus

Was für ein Tag für Barack Obama: Erst bricht er seinen eigenen Spendenrekord. Dann bekommt er auch noch Rückendeckung von Bushs Ex-Außenminister Powell. Der Republikaner erklärte Obama für kompetenter als John McCain - und tadelte dessen Vize-Kandidatin Sarah Palin.

Washington - Es war ein Schlag für John McCain - und ein Ritterschlag für Barack Obama: Colin Powell, von 2001 bis 2005 Außenminister unter George W. Bush, hat sich offen für den Demokraten ausgesprochen.

Seine Entscheidung für Obama habe er angesichts der Wirtschaftskrise in den USA getroffen - und angesichts von McCains Entscheidung, die Gouverneurin von Alaska, Sarah Palin, zu seiner Vize-Kandidatin zu machen. "Ich glaube nicht, dass sie fähig ist, US-Präsidentin zu werden", sagte Powell.

McCain habe sich durch die wirtschaftliche Misere verunsichert gezeigt, Obama sei besser geeignet, die anstehenden Wirtschaftsprobleme in den Griff zu bekommen, sagte Powell in der Sendung "Meet the Press" .

Es falle ihm nicht leicht, seinen langjährigen Freund John McCain zu enttäuschen. Aber an diesem Wendepunkt der amerikanischen Geschichte sei ein Präsident nötig, der nicht einfach die alten Politikrezepte mit ein paar neuen Aspekten weiterführe. "Wir brauchen einen Präsidenten, der einen Generationenwechsel darstellt."

Obamas Wahl würde "nicht nur unser Land begeistern, sie würde die Welt begeistern", sagte Powell. Zugleich zeigte er sich besorgt über den Rechtsruck in seiner Partei und äußerte Enttäuschung über den negativen Ton in McCains Wahlkampf.

Powell machte ausdrücklich klar, dass er Obama nicht unterstütze, nur weil er Afroamerikaner sei. Obama verstehe es, die Amerikaner zu inspirieren, er habe "alle in seine Kampagne eingeschlossen". Die Amerikaner sollten "stolz sein", wenn er gewinne. "Nicht nur die Afroamerikaner." Aktiv werde er für Obama aber nicht Wahlkampf machen, erklärte der frühere Bush-Minister im der NBC-Show.

Obama nannte Powell "einen großartigen Soldaten, einen großartigen Staatsmann und einen großartigen Amerikaner". Zudem danke er ihm für seine jahrelangen Ratschläge.

Verblüffende Nachrichten verbreitete das Obama-Lager am Nachmittag: Der Präsidentschaftsbewerber habe allein im September mehr als 150 Millionen Dollar an Spendengeldern eingesammelt. Damit übertraf er seinen eigenen Rekord vom August mit 66 Millionen Dollar um mehr als das Doppelte. Am Samstag hatte die "New York Times" noch von einem angeblichen Rekord von 100 Millionen Dollar im September berichtet.

Im vergangenen Monat hätten 632.000 Menschen erstmals für Obamas Wahlkampf gespendet, insgesamt waren es damit 3,1 Millionen Unterstützer, teilte Wahlkampfleiter David Plouffe weiter mit. Die durchschnittliche Spendensumme habe dabei unter 100 Dollar gelegen. Gleichzeitig konnte Obama aber auch einige Großspender für sich gewinnen, so brachten mehrere Hollywood-Spendengalas allein neun Millionen Dollar ein. Für Obama traten unter anderem Barbra Streisand, Bruce Springsteen und Billy Joel auf.

Das alles bringt McCain in die Offensive: Mit aggressiver Telefonwerbung versucht der 72-Jährige derzeit, in mehreren "Swing States" an Boden zu gewinnen, in jenen Staaten also, in denen die Menschen sich immer wieder neu zwischen den Parteien entscheiden. In den Spots spielte McCain erneut auf Obamas Verbindungen zu dem früheren Linksextremisten William Ayers an.

Außerdem bemühte sich McCains Vize-Kandidatin Sarah Palin am Samstagabend mit einem Auftritt in der Comedy-Show "Saturday Night Live", ihre humorvolle Seite herauszustellen. Doch das klappte nicht wirklich.

Palin durfte die legendäre Kennung zu Beginn der Show rufen: "Live from New York, it's Saturday Night!" Ansonsten aber sah sie weitgehend schweigend zu, wie das "SNL"-Team über sie witzelte, über ihren Russland-Fauxpas, ihren Ölbohr-Wahlspruch "Drill, baby, drill!", ihre Obama-Hasspredigten und ihr Sauberfrau-Image als "Hockey-Mom".

jul/fsc/AP/dpa/AFP/Reuters

Anmerkung: In einer früheren Fassung dieses Textes hieß es, Powell habe "ausdrücklich erklärt", er werde "aktiv Wahlkampf" für Obama machen. Denn so hatte es die Nachrichtenagentur dpa gemeldet. Tatsächlich sagte Powell in dem NBC-Interview jedoch das genaue Gegenteil: Er werde nicht aktiv für den Demokraten Wahlkampf machen. SPIEGEL ONLINE hatte die dpa-Meldung nicht überprüft, die entsprechende Passage wurde inzwischen geändert. Wir bitten diesen Fehler zu entschuldigen.

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