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Flüchtlingsdrama im Mittelmeer: Schlepper sieht Kinderleichen - und bricht in Tränen aus

Überbleibsel einer Flucht am Strand: Nicht immer kommen die Boote heil an Zur Großansicht
DPA

Überbleibsel einer Flucht am Strand: Nicht immer kommen die Boote heil an

Beamte der griechischen Küstenwache haben einen mutmaßlichen Schlepper gezwungen, die Leichen von ertrunkenen Kindern anzusehen. Vor laufender Kamera fängt der Mann an, laut zu weinen. Ein Minister in Athen kritisiert die Aktion.

Die Szene ist befremdlich: Zwei Mitarbeiter der griechischen Küstenwache lassen einen Mann in Handschellen auf Deck knien. Er soll die in schwarze Folie gewickelten Kinderleichen ansehen, dann soll er sehen, wie der Vater eines toten Kindes weint.

Der Mann in Handschellen soll Schleuser sein - und somit für den Tod von drei Flüchtlingskindern verantwortlich.

"Okay, schau", sagt ein Beamter zu dem aus der Türkei stammenden mutmaßlichen Schleuser. Die Szene hat ein Videoteam von SkyNews festgehalten. Der mutmaßliche Täter betrachtet alles - und bricht schluchzend zusammen.

Die Bilder wurden auf der griechischen Insel Samos aufgenommen. Die Mitarbeiter der Küstenwache werfen dem Mann vor, er habe durch falsche Bewegungen das Boot mit mehreren Flüchtlingen an Bord zum Kentern gebracht.

Das Boot war auf dem Weg von der türkischen Küste Richtung Griechenland. An Bord sollen sich zwölf Männer, fünf Frauen und sechs Kinder befunden haben. Viele von ihnen wurden von dem sinkenden Boot gerettet, einige mussten aber wegen Unterkühlung ärztlich behandelt werden.

Am Montagabend reagierte der zuständige Minister Theodoros Dritsas auf die Aktion der Küstenwache. Er kritisierte das Verhalten seiner Mitarbeiter: Die Beamten müssten beruflich korrekt sein und Fassung bewahren, so der Minister.

Laut dem Bericht befindet sich der mutmaßliche Schleuser in Gewahrsam. Er selbst gab an, er habe in Griechenland Arbeit finden wollen. Er sei nicht dafür bezahlt worden, das Gefährt zu steuern - er sei in der Türkei dazu gezwungen worden. Er habe nie zuvor ein Boot gesteuert, wird er von SkyNews zitiert. Ihm droht eine Anklage wegen fahrlässiger Tötung und Menschenschmuggels.

Nach Uno-Angaben sind in den ersten 17 Tagen dieses Jahres bereits mehr als 30.000 Hilfesuchende aus der Türkei nach Griechenland gekommen. Zum Vergleich: Im gesamten Januar 2015 waren es knapp 1700. 87 Menschen sind seit dem 1. Januar im Mittelmeer ertrunken oder werden vermisst, wie das Uno-Flüchtlingshilfswerk (UNHCR) mitteilte.

vek/dpa

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