Schock-Diagnose Brasiliens Ex-Präsident Lula hat Krebs

Schock für Luiz Inácio Lula da Silva: Brasiliens ehemaliger Präsident hat einen Tumor im Kehlkopf. Dem früheren Staatschef steht jetzt eine Chemotherapie bevor. Doch möglicherweise kam die Diagnose für den charismatischen Politiker gerade noch rechtzeitig.

Luiz Inácio Lula da Silva: Brasiliens Präsident bis Ende 2010
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Luiz Inácio Lula da Silva: Brasiliens Präsident bis Ende 2010

Von , Rio de Janeiro


Rio de Janeiro - Brasiliens früherer Präsident Luiz Inácio Lula da Silva ist an Krebs erkrankt. Nach einer Reihe von Untersuchungen sei ein Tumor im Kehlkopf des 66-Jährigen entdeckt worden, gaben Ärzte des Krankenhauses Sírio-Libanês in São Paulo bekannt.

Lula hatte sich Freitagabend zur Behandlung ins Krankenhaus begeben, weil er seit Tagen ungewöhnlich heiser war. Nun stellten die Spezialisten der Klinik einen "kleinen und begrenzten Tumor" an Lulas Kehlkopf fest, so der leitende Arzt Paulo Hoff.

Lula, der Brasilien von 2003 bis 2010 regierte, wird sich in den nächsten Tagen einer Chemotherapie und anschließend einer Strahlenbehandlung unterziehen. Eine Operation sei voraussichtlich nicht nötig, hieß es. Lula raucht seit Jahrzehnten, vor allem Zigarillos. Raucher sind besonders anfällig für diese Krebsart. Kehlkopfkrebs gilt als heilbar, wenn er - wie in Lulas Fall - rechtzeitig entdeckt wird.

Beliebt und gefragt

Mehrere lateinamerikanische Staatschefs und Regierungsmitglieder sind in den vergangenen Jahren an Krebs erkrankt. Brasiliens Präsidentin Dilma Rousseff wurde wenige Monate vor ihrer Kandidatur wegen Krebs behandelt. Bei ihr war vor zwei Jahren ein Knoten in der Lymphdrüse festgestellt und entfernt worden, seither gilt sie als geheilt.

José Alencar, Vizepräsident unter Lula, kämpfte jahrelang mit einer Krebserkrankung, er starb vor einigen Monaten. Venezuelas Präsident Hugo Chávez wurde vor drei Monaten in Kuba ein Tumor aus dem Unterleib entfernt, Paraguays Staatschef Fernando Lugo ließ sich wie Rousseff in São Paulo wegen Lymphdrüsenkrebs behandeln.

Der immer noch äußerst beliebte Lula ist nach wie vor politisch aktiv, er bereitet die Kandidatenaufstellung seiner Arbeiterpartei PT bei den Gemeindewahlen im kommenden Jahr vor. Außerdem leitet er ein Institut in São Paulo, das seine Aktivitäten koordiniert und sein politisches Erbe verwaltet.

In den vergangenen Wochen hat Lula in verschiedenen Ländern Europas und Lateinamerikas Ehrungen entgegengenommen und Reden gehalten, vergangene Woche kehrte er aus Mexiko zurück. Lula ist ein gefragter Redner: Für einen Auftritt des Ex-Präsidenten werden bis zu 300.000 Real bezahlt - das entspricht 120.000 Euro.



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