Neue Umfrage Immer mehr Schottinnen für Unabhängigkeit

Bye-bye Vereinigtes Königreich? Nach einer neuen Umfrage in Schottland sprechen Meinungsforscher von einem bemerkenswerten Stimmungswandel. Auch unter Frauen wächst die Zahl der Unabhängigkeitsbefürworterinnen.

Anhängerin und Gegnerin einer Abspaltung Schottlands in Edinburgh: Kopf-an-Kopf-Rennen
REUTERS

Anhängerin und Gegnerin einer Abspaltung Schottlands in Edinburgh: Kopf-an-Kopf-Rennen


Edinburgh - In neun Tagen stimmen die Schotten über eine mögliche Loslösung von Großbritannien ab, Befürworter und Gegner der Abspaltung liefern sich laut einer aktuellen Umfrage ein Kopf-an-Kopf-Rennen. 38 Prozent der Befragten würden die Unabhängigkeit Schottlands unterstützen, während 39 Prozent dagegen stimmen wollen, teilte das Meinungsforschungsinstitut TNS mit.

Das neue Stimmungsbild bestätigt den Aufwärtstrend der Unabhängigkeitsbefürworter. Vor einem Monat hatte das Lager der Unionisten noch mit 13 Prozentpunkten vorn gelegen. "Die Umfrage offenbart einen bemerkenswerten Wandel der Stimmabsichten", sagte Tom Costley, Leiter von TNS in Schottland. "Das Rennen ist völlig offen."

Insbesondere bei den Frauen lasse sich ein Umschwung beobachten: Bisher hatten sie sich eher verhalten über eine mögliche Unabhängigkeit Schottlands geäußert. Die Zahlen im Überblick:

  • Noch vor einem Monat sagten 49 Prozent der befragten Frauen, sie würden mit Nein bei dem Referendum stimmen; 27 Prozent gaben laut TNS an, mit Ja votieren zu wollen.

  • Jetzt ergab die Umfrage der Demoskopen, dass sich das Lager der Befürworterinnen einer Loslösung Schottlands um acht Prozentpunkte auf 35 Prozent vergrößert hat. Nur noch 41 Prozent beabsichtigen, sich gegen die Abspaltung auszusprechen.

Die Gruppe der Unentschiedenen ist demnach angewachsen: von 16 Prozent auf 18 Prozent. Nach Angaben der Demoskopen sind das rund 600.000 Stimmberechtigte, die noch unentschlossen sind.

Parlamentsabgeordnete fordern Engagement der Queen

In einer Untersuchung des Instituts YouGov für die Zeitung "Sunday Times" hatte sich am Sonntag erstmals eine knappe Mehrheit der befragten schottischen Stimmberechtigten für die Unabhängigkeit von Großbritannien ausgesprochen. An den britischen Finanzmärkten hatte dies am Montag ernste Sorgen entfacht: Sowohl britische Aktien als auch das Pfund büßten an Wert ein.

Mehrere Parlamentsabgeordnete der Tories und der Labour-Partei drängen nun darauf, dass die Queen in den Wahlkampf eingreifen solle, wie die Zeitung "Telegraph" berichtet. "Her Majesty" solle sich höchstpersönlich für einen Verbleib Schottlands einsetzen, so der Wunsch der Politiker. Die Queen ist laut dem Bericht aber anderer Meinung: Die Entscheidung sei einzig und allein Sache der Schotten. Befürworter einer Abspaltung hatten bereits angekündigt, die Queen solle Schottlands Staatsoberhaupt bleiben. Das mache eine Äußerung der Königin noch unwahrscheinlicher, meint der "Telegraph".

Die Volksabstimmung findet am 18. September statt. Die britische Regierung warnt unter anderem davor, dass Schottland im Fall einer Loslösung das Pfund nicht behalten könne. Viele Befürworter der Unabhängigkeit wollen die britische Währung aber beibehalten. Ein weiterer Streitpunkt in der Debatte ist die Frage, ob Schottland als eigenständiger Staat automatisch Mitglied der Europäischen Union bleibt.

heb/Reuters/AFP

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insgesamt 102 Beiträge
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seneca55 09.09.2014
1. 39% gegen Abspaltung von Scotland
Gestern waren es noch 49% bei YouGov. Das sieht nicht gut aus für Queen, Cameron und die Unionisten. Bye, Bye UK!
napu 09.09.2014
2. Ich gratuliere den Schotten für soviel Mut ...
... und wünsche ihnen den Mut, das Vorhaben erfolgreich durchzuziehen, und wenn sie eine eigene Währung einführen müssen. Als moderne Währung die die Fehler der alten Währungen korrigiert, bietet sich schließlich Bitcoin geradezu an. Denselben Mut wünsche ich allen Württembergern, Elsässern und Badenern. Bayern und Sachsen sind ja bereits Freistaaten, auch diesen wünsche ich den Mut, in die völlige Selbständigkeit zu gehen. Wir müssen die Achse nach politisch links und rechts erweitern. Und zwar um die dritte Achse der Freiheit. Wir wollen keinen Rechts- und Linksfaschismus und keine wie auch immer geartete "bürgerliche Mitte", die lediglich eine abgemilderte Mischung aus Rechts- und Linksfaschismus darstellt, sondern wir wollen die Freiheit.
seine-et-marnais 09.09.2014
3.
Die Herzogin von Edinburgh, alias Queen Elizabeth ist zu alt. Dafür hat sich ihr Enkel William ins Zeug gelegt. Aber ich wage zu bezweifeln dass ein zusätzliches Royal Baby da zu einem Meinungsumschwung führt. Schotten gelten als sparsam, und ein zusätzlicher Royal bringt Kosten mit sich.
leidenfeuer 09.09.2014
4. Schotten dicht!
Schottland den Schotten und Bayern den Bayern!
Nepheron 09.09.2014
5.
Ja... So clever, wie die rothaarige Frau auf dem Bild schaut, so clever ist es auch, für eine Abspaltung zu stimmen.
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