Schottland-Referendum Unabhängigkeitsgegner können in TV-Debatte punkten

Applaus, Buhrufe, ein mahnender Moderator: Das erste TV-Duell vor dem Referendum über die Unabhängigkeit Schottlands zeigt, wie verhärtet die Fronten sind. Eine Umfrage sieht den schottischen Regierungschef Salmond als Verlierer der Debatte.

Salmond (l.), Darling (r.) nach dem TV-Duell: "Es gibt kein Zurück"
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Salmond (l.), Darling (r.) nach dem TV-Duell: "Es gibt kein Zurück"


Glasgow - Im ersten TV-Duell gut sechs Wochen vor dem Referendum über eine Unabhängigkeit Schottlands haben sich Regierungschef Alex Salmond und der frühere britische Finanzminister Alistair Darling einen leidenschaftlichen Schlagabtausch geliefert. "Niemand kann Schottland besser führen als die Menschen, die in dem Land leben und arbeiten", warb Salmond am Dienstagabend für ein Ja zur Unabhängigkeit von Großbritannien bei dem Referendum am 18. September. Darling, selbst Schotte, warnte seine Landsleute eindringlich: "Wenn wir uns entscheiden zu gehen, gibt es kein Zurück, keine zweite Chance."

Die Debatte wurde von permanenten Buhrufen und Applaus der Zuhörer begleitet, der Moderator musste das Publikum immer wieder zur Ruhe mahnen. Insbesondere das Lager der Unabhängigkeitsbefürworter hatte sich von dem TV-Duell einen Wendepunkt versprochen. Doch gelang es dem sprachgewandten schottischen Regierungschef Salmond offenkundig nicht, Darling, dem Anführer der Unabhängigkeitsgegner, den entscheidenden Schlag zu verpassen.

Eine Umfrage des "Guardian" ergab, dass eine Mehrheit der Zuschauer Salmond als Verlierer der Debatte sah. Demnach fanden 47 Prozent der Zuschauer, dass sich Darling im Fernsehduell besser schlug. 37 Prozent sahen dagegen den schottischen Regierungschef vorn.

Der als eloquent bekannte Salmond wirbt dafür, dass sich Schottland nach 307 Jahren vom Vereinigten Königreich lossagt. Darling setzt sich für den Verbleib bei Großbritannien ein. Die Meinungsumfragen zum Unabhängigkeitsreferendum gehen derzeit weit auseinander. Am Dienstag war eine Umfrage des Instituts Ipsos Morris bekannt geworden, die nur 40 Prozent für die Unabhängigkeit und 54 Prozent dagegen sieht. Andere Umfragen hatten zuletzt einen knapperen Ausgang prognostiziert. Viele Wähler seien zudem noch unentschlossen, hieß es zuletzt.

Salmond erklärte, Schottland könne wirtschaftlich und politisch auf eigenen Füßen stehen und wolle nicht länger aus London regiert werden. Der Labour-Politiker Darling, der im Auftrag der Zentralregierung aus London die Unabhängigkeitsgegner anführt, machte vor allem auf die Risiken eines schottischen Alleinganges aufmerksam. Er beschwor die Gefahr herauf, die ein Ausstieg aus dem Pfund für Schottland bringen würde. Der Preis dafür wäre zu hoch, warnte er. Die Fronten blieben verhärtet.

Die drei größten Parteien im britischen Parlament waren Edinburgh kurz vor der Debatte noch mit einer gemeinsamen Erklärung entgegengekommen, in der sie den Schotten auch bei einem Verbleib in der Union mehr Selbstbestimmung zusicherten, insbesondere bei der Steuererhebung. Die Erklärung unterzeichnete auch der konservative britische Premierminister David Cameron, der sich dem Wunsch Salmonds zur Teilnahme an einem TV-Duell verweigert hatte.

phw/dpa/Reuters/AFP

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