Schotten-Referendum Umfragen sehen knappen Vorsprung für das Nein-Lager

Der Vorsprung in den neuen Umfragen zum Schottland-Referendum ist äußerst knapp: Wenige Tage vor dem Referendum will eine Mehrheit demnach für den Verbleib im Vereinigten Königreich stimmen.

Unabhängigkeitsgegner in Edinburgh: Nicht alle Mitstreiter sind willkommen
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Unabhängigkeitsgegner in Edinburgh: Nicht alle Mitstreiter sind willkommen


Hamburg - An diesem Donnerstag sollen die Schotten über ihr Schicksal entscheiden: Werden sie unabhängig oder bleiben sie ein Teil Großbritanniens? Die neuesten Umfrageergebnisse deuten darauf hin, dass die Gegner der Abspaltung gewinnen könnten - wenn auch nur sehr knapp.

In einer am Wochenende veröffentlichten Befragung von mehr als tausend Teilnehmern sprachen sich 47 Prozent gegen die Unabhängigkeit aus, 40,8 Prozent stimmten dafür. Neun Prozent sind noch nicht entschieden, und 3,2 Prozent wollten sich nicht äußern. Die Umfrage war von der "Better Together"-Kampagne in Auftrag gegeben worden, die sich für einen Verbleib Schottlands im Vereinigten Königreich einsetzt. "Diese Umfrage legt nahe, dass das 'Nein'-Lager führt, aber das Rennen ist alles andere als vorbei", sagte Kampagnen-Direktor Blair McDougall.

In einer weiteren Umfrage der Zeitung "Observer" gaben 47,7 Prozent der Befragten an, gegen die Unabhängigkeit stimmen zu wollen, 42,3 Prozent waren dafür. Die Zahlen decken sich in etwa mit einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov, die bereits am Freitag veröffentlicht worden war.

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Referendum in Schottland: Arm gegen Reich
Damit zeichnet sich wenige Tage vor der Abstimmung eine Mehrheit der Unabhängigkeitsgegner ab. Am vergangenen Wochenende war es noch umgekehrt: Damals hatten die Befürworter einer Abspaltung zum ersten Mal in einer Umfrage eine Mehrheit erreicht. Das Ergebnis hatte die Londoner Politik alarmiert. Seither appellierten die Vorsitzenden der drei wichtigsten britischen Parteien eindringlich an die Schotten, sich nicht vom Vereinigten Königreich loszusagen.

Ungewollte Unterstützung für die "Nein"-Kampagne

Wie knapp das Rennen auch jetzt noch ist, zeigt eine weitere aktuelle Umfrage im Auftrag des "Sunday Telegraph", wonach die Abspaltungsbefürworter knapp vorne liegen. Meinungsforscher zweifeln allerdings an der Aussagekraft, da sie lediglich auf Aussagen von 705 Befragten beruhte.

Fest steht: Beide Seiten haben noch gute Chancen, eine Mehrheit der Bürger auf ihre Seite zu ziehen - und betreiben dafür viel Aufwand. Die Schottische Nationalpartei (SNP) von Regierungschef Alex Salmond schickte am Wochenende 35.000 Unterstützer auf die Straßen, die mehr als 2,5 Millionen Reklamezettel für die Unabhängigkeit Schottlands verteilen sollten.

Das Lager der Unabhängigkeitsgegner kann dagegen auf viele Prominente wie Paul McCartney, Mick Jagger oder Judi Dench setzen. Auch "Harry Potter"-Autorin J.K. Rowling, die seit 21 Jahren in Edinburgh lebt und mit einem Schotten verheiratet ist, engagiert sich für die "Nein"-Kampagne.

Die erhielt am Wochenende auch Unterstützung vom ultrakonservativen, protestantischen Oranierorden. Nach Angaben der Organisatoren zogen am Samstag 15.000 uniformierte Mitglieder mit Musikkapellen durch die schottische Großstadt Edinburgh. "Wir sind stolz, zu Großbritannien zu gehören", sagte der Großmeister der Schottischen Loge, Henry Dunbar, bei der Kundgebung am Schloss von Edinburgh.

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So richtig willkommen sind die Ordensleute den anderen Abspaltungsgegnern allerdings nicht. "Ich will mit denen nichts zu tun haben", sagte der Labour-Abgeordnete Jim Murphy. "'Better Together' will mit denen nichts zu tun haben."

stk/AFP/Reuters

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schmusel 14.09.2014
1. Blabla
Gestern waren die Ja-sager vorne. Und vorgestern die Nein-sager. Wer ein Muster erkennt, darf es behalten. Mein Tipp an SPON: Erspart euch die täglichen Wasserstandsmeldungen bis nächsten Mittwoch. Ist schliesslich keine deutsche Unabhängigkeitsabstimmung.
atze_bommel 14.09.2014
2. Sollten es anders kommen...
und sollten die sich doch für eine Unabhängigkeit entscheiden, dann wählen die eben nochmal und nochmal... bis es passt. Kennen wir doch von anderen pseudodemokratischen Veranstaltungen.
Airkraft 14.09.2014
3. Und täglich grüßt das Murmeltier ;-)
Man wird's wohl einfach abwarten müssen!
Hulda 14.09.2014
4. So was nennt man gezielte Desinformation
"Die Umfrage war von der "Better Together"-Kampagne in Auftrag gegeben worden, die sich für einen Verbleib Schottlands im Vereinigten Königreich einsetzt." Die Umfrage ist so vertrauenswürdig, wie es die Umfrageergebnisse des Staatsfernsehens oder des ADAC sind.
michelpartei 14.09.2014
5. Die gewollte Trennung hat schon Jahrhunderte nicht funktioniert!
Wer glaubt das Schottland von England getrennt wird, der glaubt auch daran , dass die Welt nicht von Geheimdiensten überwacht wird. Bevor die ersten Prognosen ausgegeben werden , haben Englischer und Amerikanischer Geheimdienst schon gehandelt. Denn wenn es in Schottland gelingen sollte sich von England zu trennen wird es einen Run in der westlichen Welt geben. Auch in Deutschland! Die Bayern werden als erstes gehen und vermutlich mit Östereich einen Staat bilden. Bestrebungen in Bayern und Östereich gibt es schon lange. NRW wird sich nicht heute aber in 20-25 jahren vielleicht der Türkei anschliessen und wenn die Linke alle Parlamente gewinnen sollte wird der Osten wieder aus der BRD austreten. Eine Wiedervereiniging gab es ja nicht. Man sieht ja auch wie die Schweiz von der EU erpresst wird und daher nicht mehr frei in ihren Entscheidungen ist. Das ist auch eine Drohung an alle Separatisten1
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