Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Folgen einer Abspaltung Schottlands: Neue Flagge, neue Währung - doch die Queen bleibt

Von , Edinburgh

Abspaltungs-Anhänger bei einer Demonstration in Glasgow: "Flower of Scotland" als Hymne Zur Großansicht
REUTERS

Abspaltungs-Anhänger bei einer Demonstration in Glasgow: "Flower of Scotland" als Hymne

Der Verlust Schottlands würde eine Staatskrise in Großbritannien auslösen. Doch was passiert bei den Schotten nach einem Ja-Votum? Die zehn wichtigsten Punkte.

1. Unabhängigkeitstag

Als Unabhängigkeitstag ist der 24. März 2016 vorgesehen. So lange bleibt Schottland Teil Großbritanniens. Die schottische Regierung hofft, bis zu dem Stichtag alle offenen Fragen in Verhandlungen mit London zu lösen.

2. Währung

Die schottische Regierung möchte das Pfund behalten und strebt eine Währungsunion mit England an. Die britische Regierung schließt eine Währungsunion jedoch kategorisch aus. Schottland bleiben drei Optionen: Pfund trotzdem benutzen, eigene Währung einführen oder der Eurozone beitreten. Für eine Übergangszeit könnten die Schotten sich sicherlich mit dem Pfund behelfen, doch langfristig werden sie sich für eine eigene Währung oder den Euro entscheiden müssen. Mehr Details finden Sie hier…

3. Monarchie/Nationalhymne

Die Queen bleibt Staatsoberhaupt, theoretisch könnte Schottland also "God Save the Queen" behalten. Wahrscheinlicher ist jedoch eine eigene Hymne. Eine Möglichkeit wäre "Flower of Scotland", ein Lied der Folk-Gruppe The Corries von 1967, das bereits bei Auftritten der schottischen Nationalmannschaften im Sport gesungen wird. Die Entscheidung trifft das erste Parlament des unabhängigen Landes.

4. Flagge/Hauptstadt

Die schottische Nationalflagge wäre das weiße Andreaskreuz auf blauem Grund. Hauptstadt ist Edinburgh. Es ist unklar, ob der britische Union Jack verändert würde. Er ist schließlich aus den Flaggen Schottlands und Englands zusammengesetzt. Das Londoner Flag Institute schlägt vor, das schottische Blau durch Schwarz zu ersetzen.

5. Öffentlich-rechtlicher Rundfunk

Die schottische Regierung will eine schottische Broadcasting Corporation (SBC) gründen, deren Nachrichten die schottischen Anliegen besser widerspiegeln. Gleichzeitig sollen die Schotten auf ihre angestammten Lieblingsserien der BBC nicht verzichten müssen. Durch einen nationalen Vertrag mit der BBC sollen alle Kanäle weiter frei verfügbar sein.

6. EU

Die schottische Regierung hofft, sich bis zum Unabhängigkeitstag 2016 mit den restlichen EU-Mitgliedern auf den Verbleib Schottlands in der EU zu einigen. Sollte das nicht klappen, würde Schottland am Tag der Unabhängigkeit automatisch aus der EU ausscheiden. Um wieder aufgenommen zu werden, müsste das Land theoretisch das übliche Beitrittsverfahren durchlaufen. Da in Schottland jedoch bereits EU-Recht gilt, dürfte eine pragmatische Lösung gefunden werden. Es ist schwer vorstellbar, dass die EU einen Nettozahler abweist. Fraglich ist allerdings, ob Schottland sich wie Großbritannien aus der Schengen-Gruppe und der Eurozone raushalten kann. Normalerweise müssen sich Neumitglieder darauf verpflichten. Einzelne EU-Mitglieder wie Spanien, das selbst mit Separatisten zu kämpfen hat, könnten den Aufnahmeprozess Schottlands verlangsamen.

7. Verteidigung/Nato

Die schottische Regierung will die britischen Atomwaffen verbannen, aber nicht neutral werden. Schottland soll der Nato beitreten und eigene Streitkräfte mit 15.000 Mann aufbauen. Eine eigene Marine und eigene Luftwaffe mit 12 "Typhoon"-Kampfjets sind geplant. Auch ein eigener Geheimdienst soll aufgebaut werden. Die Verteidigungsausgaben sollen bei 2,5 Milliarden Pfund pro Jahr liegen.

8. Atomwaffen

Die vier britischen Atom-U-Boote auf dem schottischen Marinestützpunkt Faslane sollen bis 2020 aus dem Land verschwunden sein. Das genaue Datum wird von den Verhandlungen zwischen Schottland und England abhängen. Es könnte einige Jahre länger dauern, bis ein neuer Standort für die Nuklearsprengköpfe in England gefunden ist. Mehr Details finden Sie hier…

9. Grenzen/Einwanderung

Schottland will der gemeinsamen Reisezone von Großbritannien und Irland beitreten, in der alle Bürger frei ohne Pass reisen dürfen. Zugleich will die schottische Regierung jedoch mehr Einwanderer ins Land holen. Die britische Regierung hat bereits klargestellt, dass es nur das eine oder das andere geben kann. Entscheidet sich Schottland für eine sehr offene Einwanderungspolitik, würde Großbritannien wohl Grenzkontrollen an der schottischen Grenze einführen.

10. Rest-Großbritannien

Der Rest Großbritanniens würde wahrscheinlich weiterhin Vereinigtes Königreich heißen. Der Rumpfstaat bestünde nur noch aus drei Landesteilen: England, Wales und Nordirland. England wäre noch dominanter als bisher: 92 Prozent der Briten wären Engländer.

Diesen Artikel...
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 161 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Labour wäre am Ende
rohfleischesser 18.09.2014
Schottland ist so ziemlich die einzige Region, in der Labour stabile Mehrheiten hat. Aufgrund des britischen Wahlrechts wären die Chancen von Labour, jemals wieder einen Premier in Großbritannien zu stellen, nahe null, sollten sich die Schotten abspalten.
2.
Immanuel_Goldstein 18.09.2014
Das Positive ist doch: Großbritannien braucht nicht mal die Verfassung zu ändern. Sie haben ja als einziges Land der EU gar keine. Bequemer kann man es nicht haben.
3. Ich hoffe mal nicht...
niela 18.09.2014
...das diese Szenarien eine Rolle spielen werden. Es waere schlecht fuer den Rest Grossbritanniens und ich glaube auch dass es letztendlich schlecht fuer Schottland waere. Was ich aber in der Debattbe bemerkt habe ist, dass das YES Lager wesentlich mehr auf perfide Emotionen und einen unterschwelligen Hass auf England und Westminster abziehlt. Die meissten befuehrworter vereint lediglich eine Ablehnung gegenueber der Grossen Parteien. Es ist so, als wuerden sich AfD waehler in einem Bundesland versammeln und versuchen sich abzukapseln. Auch damit kann ich sympatisieren. (gegen das establishment, nciht mit der AfD) Allerdings ist es natuerlich Quatsch. Ein "freies" Schottland wuerde ueber kurz oder lang dieselben Rattenfaenger an der Regierung haben wie jedes andere Land auch. Es hat nichts mit England oder Schottland zu tun, das die Politik hauptsaechlich dem Machterhalt der Eliten dient. Es ist eine nette romantische Vorstellung, aber mehr auch leider nicht.
4. Nettozahler?
jojack 18.09.2014
Ob Schottland ein EU-Nettozahler wäre, bleibt abzuwarten. Eine Abspaltung würde die schottische Wirtschaft arg beuteln und warum sollten die patriotischen Schotten sich dem undemokratischen EU-Moloch unterwerfen?
5. Kleinbritannien
zorngibel 18.09.2014
dann wird wohl aus Groß- künftig Klein-Britannien.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH





Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: