Schröder-Rückflug Kanzlermaschine warf Magnesium und Stanniolpapier ab

Auf dem Flug von Bundeskanzler Gerhard Schröder von Kabul nach Usbekistan wurde das automatische Raketenablenksystem der Transall-Maschine ausgelöst. Erste Meldungen, wonach das Flugzeug mit dem Kanzler ins Zielradar einer noch nicht identifizierten Raketenstellung geraten sei, wurden dementiert.


Kabul/Taschkent - Zunächst hatte es aus Kreisen der deutschen Delegation geheißen, die Kanzler-Maschine sei offenbar in Gefahr gewesen. Dann dementierte ein Sprecher der deutschen Luftwaffe, dass sich das Flugzeug im Zielradar einer Raketenstellung befunden habe. Er meinte, das Abwehrsystem der Transall könne durch ein Gewitter aktiviert worden sein. Er berief sich auf die Transall-Besatzung, die Piloten hätten wegen des Unwetters eine andere Flugroute gewählt.

Auch Regierungssprecher Uwe-Karsten Heye sagte, es sei noch unklar, warum das Abwehrsystem der Transall ausgelöst worden sei. Er gab an, dass an Bord zwei kleine Explosionsgeräusche zu hören gewesen seien. "Es hat aber keine Probleme an Bord gegeben", sagte Heye. Der Luftwaffensprecher wusste mehr zu sagen: Durch elektromagnetische Ladungen sei es zum "Fehlausschuss" von Kartuschen mit Magnesiumleuchtkörpern und Aluminiumtäuschkörpern gekommen. Diese Gegenstände entwickeln Hitze und sollen Raketen von ihrem eigentlichen Ziel ablenken. Verletzt wurde bei dem Zwischenfall niemand.

Zunächst war darüber spekuliert worden, ob Raketenstellungen in den afghanischen Bergen das Flugzeug ins Visier genommen haben könnten und ob dadurch der Abschuss der Ablenkmittel ausgelöst worden war. In Afghanistan gibt es noch immer zahlreiche Bodenluftraketen vom Typ Stinger. Flüge der Bundeswehr nach Kabul dürfen deshalb nur in Transall-Maschinen gemacht werden, weil diese mit dem speziellen Ablenksystem ausgerüstet sind.

Schröder in Usbekistan

Schröder ist inzwischen in Usbekistan mit Präsident Islam Karimow zusammengetroffen. In der Hauptstadt Taschkent wurde er mit militärischen Ehren empfangen. Der Kanzler hatte in der Stadt zuvor ein deutsch-usbekisches Röhrenwerk besichtigt.

Schröder war am Donnerstag von einem Kurzbesuch in der afghanischen Hauptstadt Kabul nach Taschkent weitergereist. Er ist der erste Bundeskanzler, der die frühere Sowjetrepublik Usbekistan seit deren Unabhängigkeit 1991 besucht. Schröder wollte sich bei Karimow auch für die Pressefreiheit im Land einsetzen. Usbekische Journalisten, Mitarbeiter der Deutschen Welle, hatten sich bei Intendant Erik Bettermann über unerträgliche Einschränkungen in ihrer Arbeit beschwert.



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