Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Schuldenkrise: Merkel ist bereit zur Bankenrettung

Von

Ein Stufenplan für die Insolvenz Griechenlands zeichnet sich ab: Die Euro-Retter diskutieren die umstrittenen Rettungsschirm-Hebel, den Schuldenschnitt - und eine erneute Bankenkapitalisierung. Die Märkte reagieren euphorisch, doch die Begeisterung wird kaum von Dauer sein.

Kanzlerin Merkel, EU-Kommissionschef Barroso: "Wir müssen Vertrauen wiederherstellen" Zur Großansicht
AP

Kanzlerin Merkel, EU-Kommissionschef Barroso: "Wir müssen Vertrauen wiederherstellen"

Brüssel - Die Euro-Retter scheinen sich über den nächsten Trippelschritt im Schuldendrama einig zu sein. Kanzlerin Angela Merkel sagte nach einem Treffen mit EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso am Mittwoch, dass die Bundesregierung für eine neuerliche Runde der Bankenkapitalisierung bereit sei.

Damit gab die mächtigste Frau Europas der Absprache der EU-Finanzminister vom Dienstag ihren offiziellen Segen. Wenn ein Konsens bestehe, dass die Bankenkapitalisierung notwendig sei, sagte Merkel, sei die Bundesregierung bereit zu handeln. Sie fügte sogar hinzu: "Die Zeit drängt." Deshalb könne die Entscheidung schon beim nächsten EU-Gipfel am 17. Oktober fallen.

Die Börsen rund um den Globus reagierten euphorisch. Sämtliche Details der Bankenkapitalisierung sind noch unklar, doch Anleger mögen den Anschein entschlossenen Handelns. Die Stützung schwachbrüstiger europäischer Banken wird als Vorbereitungsmaßnahme auf die Entscheidung gesehen, die viele Ökonomen seit Monaten für unvermeidlich halten: den radikalen Schuldenschnitt für Griechenland.

Längst gilt ein drastischer Schuldenerlass als einzige nachhaltige Lösung der griechischen Malaise, selbst die Finanzminister diskutierten am Dienstag bereits intensiv darüber. Bislang war dieser Schritt von den Euro-Ländern aus Angst um die eigenen Banken hinausgezögert worden. Für Panik hatte zuletzt die Nachricht gesorgt, dass die belgisch-französische Dexia-Bank einen Zahlungsausfall Griechenlands nicht verkraften würde. Die Bank, die viele südeuropäische Staatsanleihen hält, soll nun in eine Good Bank und eine Bad Bank aufgespalten werden.

Der Internationale Währungsfonds empfahl den Europäern am Mittwoch zügiges Handeln. "Wir müssen das Vertrauen wiederherstellen", sagte IWF-Europachef Antonio Borges. Am besten wäre es, das Kapital der Banken zu erhöhen. Damit sollen die Geldinstitute für den Fall von Kreditausfällen eines oder mehrerer Euro-Länder gewappnet werden.

Stunde der Wahrheit wird hinausgezögert

Doch ob die Europäer Finanzspritzen oder bloße Staatsgarantien wie im Fall Dexia geben werden, ist noch nicht klar. Auch woher frisches Kapital für die Banken kommen könnte, ist noch nicht entschieden. Zunächst sollen die nationalen Regierungen für ihren Bankensektor geradestehen, und wenn das nicht reicht, wäre der temporäre Euro-Rettungsfonds EFSF eine weitere Quelle. Dieser muss allerdings in seiner neuen Form erst mal in Kraft treten. Die Ertüchtigung des Fonds auf 440 Milliarden Euro ist in den meisten Euro-Ländern ratifiziert, nur in den Niederlanden, Malta und der Slowakei steht das Ja noch aus. Merkel und Barroso mahnten am Mittwoch die Skeptiker im slowakischen Parlament, dem Beschluss zuzustimmen.

Weil die Folgen eines Schuldenschnitts für Griechenland unkalkulierbar sind, wird im Kreise der Euro-Finanzminister auch bereits überlegt, wie man durch eine Hebelwirkung die Feuerkraft des EFSF auf zwei Billionen Euro vervielfachen kann. Diese Überlegungen deuten darauf hin, dass die Euro-Länder sich langsam auf den Schuldenschnitt vorbereiten.

Doch bevor das Unvermeidliche geschieht, spielen die Euro-Retter noch auf Zeit.

Da die griechische Regierung ihre Sparziele für 2011 voraussichtlich verfehlen wird, sollen die Sparanstrengungen nun über einen längeren Zeitraum bis 2012 bewertet werden. Damit wird die Stunde der Wahrheit weiter hinausgezögert.

Euro-Retter setzen sich selbst unter Erwartungsdruck

Das weitere Vorgehen in Griechenland wird vom nächsten Bericht der Troika aus EU-Kommission, IWF und Europäischer Zentralbank abhängen. Es sei noch offen, ob dieser bis zum nächsten EU-Gipfel am 17. Oktober vorliege, sagte Merkel. Erst dann könne über Modifikationen des zweiten Griechenland-Rettungspakets beraten werden. Das am 21. Juli beschlossene 109-Milliarden-Euro-Paket gilt schon jetzt als unzureichend.

Mit den Überlegungen zur Bankenkapitalisierung und der Umwidmung des Euro-Rettungsfonds in eine Bank, die mit geliehenem Geld operieren könnte, legen die Euro-Retter die Grundlage für eine geordnete Griechenland-Pleite. Damit geben sie dem Druck der Anleger nach, die eine tragfähige Lösung der Krise fordern. Die Begeisterung der Märkte könnte sich jedoch schnell in Enttäuschung verwandeln, wenn die Regierungschefs nicht liefern. Die Euro-Retter haben sich nun selbst unter Erwartungsdruck gesetzt.

Eines jedenfalls wird so schnell nicht passieren: Der in der Öffentlichkeit immer wieder diskutierte Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone bleibt für die Regierungschefs ein Tabu. "Ich sehe die Notwendigkeit, dass Griechenland Teil des Euro-Raums bleibt", sagte Merkel.

Diesen Artikel...
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 241 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Wann begreift Merkel endlich
reinhard_m, 05.10.2011
Zitat von sysopEin Stufenplan für die Insolvenz Griechenlands zeichnet sich ab: Die Euro-Retter diskutieren die umstrittenen Rettungsschirm-Hebel, den Schuldenschnitt - und eine erneute Bankenkapitalisierung.*Die Märkte reagieren euphorisch, doch die Begeisterung wird kaum von Dauer sein. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,790169,00.html
daß das Spiel aus ist. Will sie auch noch die Enkel unserer Enkel ins Unglück stürzen?
2. Merkel...
mm01 05.10.2011
will die Banken retten? Womit? Mit meinen Steuergeldern? Ach ja, die Antwort kenne ich schon. 3 mal JA !!!
3. Die Katze aus dem Sack
üpoiu 05.10.2011
Zitat von sysopEin Stufenplan für die Insolvenz Griechenlands zeichnet sich ab: Die Euro-Retter diskutieren die umstrittenen Rettungsschirm-Hebel, den Schuldenschnitt - und eine erneute Bankenkapitalisierung.*Die Märkte reagieren euphorisch, doch die Begeisterung wird kaum von Dauer sein. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,790169,00.html
Es ging NIE um Griechenland. Jetzt kann man die Katze aus dem Sack lassen, der Sündenbock ist nach der Propaganda-Hetze der letzten eineinhalb Jahren tief im Gedächtnis eingebrannt.
4. .
Zavi85 05.10.2011
"Das weitere Vorgehen in Griechenland wird vom nächsten Bericht der Troika aus EU-Kommission, IWF und Eurogruppe abhängen." Also bitte! Wer glaubt denn diesen Sch***! Deutschland zahlt unter Merkel onehin. Das Geld das Griechenland bekommt sorgt nur dafür dass das ganze Land sich immer mehr auf die EU verlässt.
5. Merkel ist bereit zur Bankenrettung?
MrMoonstomp 05.10.2011
Wir aber nicht!!!
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    

© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH




Finanzkrise in Griechenland
Europa wird ungeduldig: Griechenland bekommt sein Schuldenproblem nicht in den Griff - inzwischen wird offen über eine geplante Insolvenz des Landes gesprochen. Doch ist das die Rettung für den Euro?

dapd
Was würde eine Pleite Griechenlands bedeuten? Die wichtigsten Fragen und Antworten im Überblick:
Welche Folgen hätte eine Pleite Griechenlands?
Für die Euro-Zone wären die Folgen weitreichend: Die Gläubiger müssten ganz oder teilweise auf ihr Geld verzichten. Die Europäische Zentralbank etwa müsste Verluste auf die Staatsanleihen hinnehmen. Gleiches gilt für Geschäftsbanken oder Versicherer, die in griechische Staatsanleihen investiert haben. Das würde ihr Eigenkapital belasten. Allerdings haben die großen Banken im Ausland ihre Papiere schon zum Teil abgeschrieben.

Umstrittener sind die Folgen für Griechenland: Einige Ökonomen halten eine Pleite für die beste Option. Denn die Schuldenlast des Landes würde vermindert, die Zinsbelastung im Haushalt würde sinken, und die Tilgungsverpflichtungen dürften abnehmen. Als endgültige Lösung für die Schuldenkrise gilt eine Pleite aber keineswegs, denn die Griechen müssten ihre laufenden Ausgaben trotzdem ihren Einnahmen anpassen. Sonst häufen sie weiter Schulden an. Der Teufelskreis wäre nicht durchbrochen. Außerdem blieben griechische Banken bei einer Pleite auf Forderungen sitzen. Das Bankensystem im Land könnte kollabieren.
Wäre ein Austritt aus der Euro-Zone sinnvoll?
Die konkreten ökonomischen Folgen eines Austritts Griechenlands aus der Euro-Zone sind schwer vorhersehbar. Viele Experten sind sich aber sicher, dass die Auswirkungen für das Schuldenland und andere Staaten des Währungsraums verheerend wären.
Für Griechenland könnte es der wirtschaftliche Zusammenbruch sein. Ohne Euro müsste das Land wieder seine alte Währung Drachme einführen, die vermutlich eine drastische Abwertung erfahren würde. Über billigere Produkte würde dies zwar der internationalen Wettbewerbsfähigkeit Athens zugutekommen. Viel schwerwiegender wäre aber, dass zugleich die in Euro aufgenommenen Altschulden drastisch steigen würden. Das wäre allerdings nicht der Fall, wenn es vorher zu einer Pleite gekommen wäre.
Hinzu kommt, dass das Land seine Staatsausgaben mangels Kreditfähigkeit nur aus seinen Einnahmen finanzieren könnte. Die Folge wäre ein vermutlich noch viel stärkerer Abschwung als bisher.

Auch für die Euro-Zone hätte ein Austritt mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit verheerende Folgen. An den Finanzmärkten würden wohl schnell andere finanzschwache Länder unter Druck geraten, der sogenannte Domino-Effekt könnte eintreten. Die Risikoaufschläge für Staatsanleihen entsprechender Länder würden drastisch steigen und die jeweiligen Länder ähnlich wie Griechenland an den Rand der Zahlungsunfähigkeit führen. Letztlich könnte so der gesamte Währungsraum ins Wanken geraten.
Gibt es eine Alternative zu Pleite und Austritt?
Wichtig ist vor allem, dass Athen seine Sanierungspläne einhält und keine neuen Schulden anhäuft: Der Staat muss verschlankt werden, die Steuerhinterziehung bekämpft, die Privatisierung von Staatseigentum muss weitergehen. Zudem muss das zweite Rettungspaket für Athen umgesetzt werden, das bis 2014 die Unabhängigkeit vom Kapitalmarkt garantiert und dem Land so Zeit für tiefgreifende Reformen geben soll.

Fakten zur Euro-Zone

Zitate starten: Klicken Sie auf den Pfeil


Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: