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Schutz der Schiffe: Schweiz schickt Soldaten gegen Somalias Piraten

Die Schweiz macht Ernst: Auch die Eidgenossen wollen ihre Schiffe mit eigenen Soldaten vor den Piraten im gefährlichen Golf von Aden schützen.

Bern - Die Schweiz sagt den Piraten vor Somalias Küste den Kampf an. Auch die Schweiz will ihre Schiffe mit Soldaten vor Piraten am Horn von Afrika schützen. "Es gibt keine andere Lösung, als eigene Soldaten zu schicken, wenn unsere Schiffe bedroht werden", bestätigte Bundespräsident Pascal Couchepin der "SonntagsZeitung" den Einsatz von eigenen Soldaten.

"Wir haben doch keine andere Wahl. Wollen Sie den Piraten sagen: Halt, wir sind neutral - bitte kapern Sie doch dieses Schiff dort drüben?", wird der Bundespräsident zitiert. Die Schweizer Hochseeflotte zählt etwa 35 Frachter und Tanker mit rund 600 Seeleuten.

Einen Beschluss der Regierung gibt es dazu noch nicht, da juristische Fragen geklärt werden müssen. Bei den Soldaten soll es sich um Freiwillige handeln. "Es ist keine Kriegsaktion, sondern ein Polizeieinsatz zum Schutz von Schweizer Schiffen", sagte Couchepin, der auch Innenminister ist. Die Schweiz prüft auch eine Beteiligung an der EU-Schutzaktion "Atalanta" mit eigenen Spezialtruppen. Im Gegenzug wäre die EU wohl auch bereit, Schweizer Schiffe zu eskortieren.

In der vergangenen Woche war erstmals auch ein Schweizer Frachter von Piraten verfolgt, nicht aber angegriffen worden. Das Schiff der Reederei Enzian befand sich nach einem Bericht der "NZZ am Sonntag" auf der Fahrt von Piombino in Italien zum saudischen Hafen Dammam.

China beteiligt sich mit drei Kriegsschiffen an der Bekämpfung von Piraten vor der somalischen Küste. Vorrangiges Ziel sei der Schutz chinesischer Handelsschiffe, meldete die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua am Samstag unter Berufung auf einen Sprecher des Pekinger Außenministeriums, Liu Jianchao. Aber auch Schiffe mit Hilfsgütern für internationale humanitäre Einsätze sollten geschützt werden. Die beiden Zerstörer und ihr Versorgungsschiff sollen am 26. Dezember von Hainan in Südchina in den Golf von Aden aufbrechen.

Nach offiziellen Angaben sind in diesem Jahr ein Fünftel der 1265 die Schifffahrtsstraße durchfahrenden chinesischen Schiffe von Piraten angegriffen worden. Sieben chinesische Schiffe wurden mit ihrer Besatzung entführt. Schätzungen zufolge erpressten Piraten in diesem Jahr 30 Millionen Dollar Lösegeld aus insgesamt mehr als 40 Schiffsentführungen.

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) forderte die deutschen Reeder auf, ihre Schiffe unter deutscher Flagge fahren zu lassen. Reeder, die unter anderer Flagge fahren, sollten dies ernsthaft überlegen, wenn sie "jetzt nach Schutz rufen", sagte Steinmeier der "Bild am Sonntag". Trotz der Beteiligung der Bundeswehr am Kampf gegen die Piraten vor Somalias Küste warnte Steinmeier vor allem Kreuzfahrtschiffe vor einer Durchquerung der Region. Die Gewässer seien derzeit "keine Region für Urlaubskreuzfahrten". Auch die deutsche Marine könne nicht jedes Schiff schützen.

Auch wenn die deutsche Marine im Rahmen der EU-Mission "Atalanta" einen Beitrag dazu leisten werde, die Seewege am Horn von Afrika sicherer zu machen, bleibe die Region "eines der gefährlichsten Schifffahrtsgebiete weltweit", betonte Steinmeier. In diesem Jahr seien bereits mehr als 200 Schiffe entführt worden. 17 Schiffe mit rund 200 Mann Besatzung befänden sich derzeit noch in den Händen der Piraten.

Der Bundestag hatte am Freitag der Beteiligung der Bundeswehr an der EU-Mission zugestimmt. Deutschland beteiligt sich an der Überwachung der Gewässer vor der nordostafrikanischen Küste zunächst vor allem mit der Fregatte "Karlsruhe", die auch zwei Hubschrauber an Bord hat. Wie ein Sprecher des Verteidigungsministeriums am Samstag sagte, wurde die Fregatte noch am Freitag dem Einsatzverband der EU unterstellt. Insgesamt können bis zu 1400 deutsche Soldaten am Kampf gegen Piraten vor der Küste Somalias teilnehmen.

als/dpa/AP

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