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Schweden: Vier Atomkraftwerke nach schwerem Störfall abgeschaltet

Nach einem schweren Zwischenfall in einem schwedischen Atomkraftwerk sind vier Meiler vom Netz genommen worden - die Betreiber können ähnliche Störfälle nicht ausschließen. Experten sprechen vom schwersten Zwischenfall seit Tschernobyl und Harrisburg.

Stockholm - Nach einem schweren Störfall im Atomkraftwerk Forsmark sind insgesamt vier schwedische Reaktoren vom Netz genommen worden. Zwei der drei Blöcke des AKW Oskarshamm wurden heruntergefahren, weil die Sicherheit nicht gewährleistet sei, teilte der Betreiber mit. Auch in Forsmark wurden zwei Reaktoren heruntergefahren.

Atomkraftwerk Forsmark: Schwerer Störfall
Vattenfall / Hans Blomberg

Atomkraftwerk Forsmark: Schwerer Störfall

Am 25. Juli hatte es im Block Forsmark-1 einen Kurzschluss gegeben, der zur Trennung des Reaktors vom Stromnetz führte. Dann versagte die Notstromversorgung. Nur weil zwei der vier baugleichen Dieselaggregate doch noch ansprangen, konnte in Forsmark ein Teil der Notkühlung wieder in Betrieb genommen werden. Näher käme man an eine Kernschmelze nicht heran, sagte der Kernkraftexperte Lars-Olov Höglund der schwedischen Zeitung "Svenska Dagbladet".

Höglund, als Chef der Konstruktionsabteilung des schwedischen Vattenfall-Konzerns auch für den Forsmark-Reaktor zuständig, nannte die Störung den schwersten Zwischenfall seit Tschernobyl und Harrisburg. Er warf den Betreibern in Forsmark vor, den Zwischenfall zu bagatellisieren. Die staatliche Atombehörde SKI hatte Höglunds Einschätzung als "übertrieben" zurückgewiesen.

Ein Sprecher der Betreiberfirma des AKW Oskarshamm sagte, ein ähnlicher Vorfall wie in Forsmark könne nicht ausgeschlossen werden. Deshalb sollen nun Anweisungen der Behörden zur Verbesserung der Sicherheit abgewartet werden.

Die schwedische Umweltministerin Lena Sommestad will voraussichtlich alle schwedischen Reaktoren auf ihre Sicherheit hin prüfen lassen, sobald die Untersuchungen des Zwischenfalls abgeschlossen sind.

Nach Bekanntwerden der Reaktorschließung stiegen die Strompreise in Schweden auf ein Rekordhoch. Das Land steht am Anfang des Ausstiegs aus der Atomenergie und hat seit 1999 bereits zwei der ehemals zwölf Reaktoren stillgelegt. Eine kürzlich veröffentlichte Umfrage zeigt jedoch, dass eine wachsende Zahl von Bürgern an der Nukleartechnologie festhalten will. Nahezu die Hälfte des schwedischen Strombedarfs wird derzeit durch die Atomkraftwerke gedeckt.

sön/AFP/dpa

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