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Schweiz: Aufregung über Deutschen-Diskriminierung

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Die Schweiz diskutiert über ein Zuwanderer-Problem: Sind zu viele Deutsche im Land? Nationalrätin Natalie Rickli wetterte in einer Talkshow kräftig gegen Arbeitskräfte aus dem Norden. Sie fordert eine Einwanderungsbeschränkung. Nun tobt ein Sturm der Entrüstung.

Natalie Rickli will Zuwanderungsregeln für Deutsche: "Zu viele Deutsche im Land" Zur Großansicht
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Natalie Rickli will Zuwanderungsregeln für Deutsche: "Zu viele Deutsche im Land"

Hamburg - "Schade, dass in Europa noch so aufeinander rumgehauen werden muss. Das ist finsterer Populismus. Aber der scheint ja überall salonfähig zu werden", schreibt Leser Achim Spangenberg im Forum der Schweizer Boulevardzeitung "Blick". "Was soll das Geschrei. Ich habe viele Freunde in CH. Aber das geht mir gegen den Strich. Wir können nur gemeinsam leben und nicht gegeneinander. Davon profitieren beide Seiten", kommentiert Klaus Wegner den neuen Streit über deutsche Angestellte in der Schweiz. "Frau Rickli ist mit ihrem rein populistischen Geschwätz eine Schande für die Schweiz und auch für ihre Partei. Sie soll mal politische Sachpolitik betreiben anstatt uns im Ausland derart lächerlich zu machen," echauffiert sich Roland Meier.

Es geht hoch her im Forum bei "Blick". Viele verteidigen die rund 200.000 Deutschen, die in der Schweiz Arbeit gefunden haben. Andere sehen in ihnen Konkurrenz. "Ich bin letzthin auf der Autobahn Richtung Winterthur gefahren und an einer Baustelle vorbeigekommen. Lauter deutsche Firmen und Arbeiter! Und der Schweizer sitzt arbeitslos zuhause und hätte gern diesen Job", weiß Randy Tomlinson. Keller Mike schreibt: "Das Ganze hat ja nichts mit Deutschland-Hass oder dergleichen zu tun. Viele wollen kein zweites Mallorca in Zürich - das ist schon alles."

Angestoßen hat die Diskussion am Sonntag die Schweizer Nationalrätin Natalie Rickli von der nationalkonservativen Schweizerischen Volkspartei (SVP). Bei einem Auftritt in der TV-Sendung "SonnTalk" im Sender "Tele Züri" hatte sie kräftig gegen Deutsche in der Schweiz ausgeteilt.

Erschrecken im Studio

Eigentlich sollte darüber gesprochen werden, dass die Schweiz in der vergangenen Woche die Zuwanderung aus acht osteuropäischen Ländern eingeschränkt hat. Der Schweizer Bundesrat setzte die sogenannte Ventilklausel in Kraft, wonach nur für ein Jahr nur noch deutlich weniger Arbeitswillige aus diesen Ländern in die Schweiz kommen dürfen. Doch Rickl reicht das nicht. Sie plädierte in der Sendung für eine Ventilklausel auch für die Deutschen: "Wir haben da wirklich zu viele Deutsche im Land." So dächten ganz, ganz viele Leute, schob sie hinterher.

Die übrigen Gäste im Studio waren regelrecht erschrocken. Doch Rickli machte weiter: "Der Bundesrat hätte die Ventilklausel bereits 2009 aktivieren sollen, dann wären die Deutschen auch betroffen." Die Schweiz habe ein Problem mit der Masse der Zuwanderung. Sie habe bereits sehr viel Post von Landsleuten bekommen, die ihren Job verloren hätten, weil billigere Deutsche eingestellt worden seien.

Rickli führt damit konsequent die Politik ihrer Partei fort, die seit den neunziger Jahren mit ihrem Kampf gegen Europa, gegen Zuwanderung und für die marktliberale Wirtschaft zur stärksten Partei des Landes aufgestiegen ist. Die 35-Jährige hat in der Politik eine rasante Karriere hingelegt. Schon seit fünf Jahren sitzt sie im Schweizer Parlament. Die "Neue Zürcher Zeitung" nannte sie in einem Porträt einmal "die gefährlichste Frau der SVP". Beobachter schildern sie als klug, immens fleißig und tough.

Am Tag nach ihrem Auftritt in der Talkshow sagte sie, sie habe sehr viele positive Reaktionen auf ihren Vorstoß erhalten. Von denen, die dagegen sind, tragen es manche mit Humor. Wie User Peter Bauer am Dienstag im "Blick-Forum: "Ich würde gerne zwei Deutsche gegen einen SVPler tauschen. Ohne Scherz!!!!!"

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 550 Beiträge
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1.
yesman365 24.04.2012
irgendwie zu viele schweizer in der schweiz, bei gelegenheit austauschen gegen deutsche.
2.
silberstern 24.04.2012
Wir sind doch nicht billiger. Wir sind qualifizierter. Und ohne Deutsche Arbeitskräfte und deutsche Schwarzgeldmilliarden wäre die Schweiz nur ein weiteres Irland: Arm und verschuldet.
3.
mauimeyer 24.04.2012
Ich habe im Gastronomiegewerbe viele Fachkräfte aus den neuen Bundesländern getroffen. Es fällt schon auf, wenn man da in Sächsisch angesprochen wird. Aber die Bedienung ist meistens perfekt. Viele schweizer Hotels und Gastätten hätten schon zumachen können ohne diese Fachkräfte! Ein Integrationsproblem sollte es bei der ähnlichen Kultur doch gar nicht geben! Kauri
4.
diefreiheitdermeinung 24.04.2012
und nun wundern wir uns, dass Herr Steinbrueck und wir nicht mehr so willkommen sind ? Wir haben es uns doch selbst eingebrockt mit unserer Bulldozer Politik gegenueber unserem Nachbarn.
5.
mitleserb 24.04.2012
ist doch immer das gleiche und diese Diskussion schon uralt. Deutsche Politiker hauen auf die Schweiz ein und die Schweizer Kollegen keilen zurück. Populismus auf beiden Seiten ist der eigentliche Grund dahinter. Bei derzeit 3,2% Arbeitslosigkeit in der Schweiz ist die Zahl derjenigen, die durch den Zuzug von Arbeitskräften aus Deutschland keinen Job haben sicherlich statistisch vernachlässigbar, aber politisch lässt sich das hervorragend ausschlachten. Das deutsche Arbeitskräfte billiger als Schweizer sind halte ich für ein Gerücht. Das Lohnniveau ist nicht identisch, die Lebenshaltungskosten sind es aber eben auch nicht. Insofern ist das nur wieder eine weitere SVP-Nationalkonservative Meinungs- und Stimmungsmache. Aber, darin ist die SVP wirklich gut: Mit minimalen Inhalten maximale Medienwirkung erzielen. Wie wäre es denn mit einem Einreiseverbot für SVP Politiker nach Deutschland? ;-)
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