Zürich - Natalie Rickli hat im Streit über deutsche Zuwanderer nachgelegt. "Einzelne Deutsche stören mich nicht, mich stört die Masse", sagte die 35-jährige Abgeordnete der Schweizerischen Volkspartei (SVP) dem "Sonntags-Blick".
Damit hat die Politikerin Unmut beim politischen Gegner und sogar in der eigenen Partei ausgelöst. "Die Deutschenfeindlichkeit hat ein bedenkliches Ausmaß angenommen", sagte die Abgeordnete Barbara Schmid-Federer von der Christlichdemokratischen Volkspartei (CVP) dem Aargauer "Sonntag". Viele Deutsche hätten ihr erzählt, sie seien als "Sau-Schwaben" beschimpft worden - "und das mitten in Zürich". Ihre Parteifreundin Kathy Riklin beklagt: "Gehässigkeiten gegen Deutsche sind salonfähig geworden." Dabei seien die Nachbarn für das Land und die Wirtschaft ein Gewinn.
Auch aus der eigenen, nationalkonservativen SVP kommt Kritik. "Ich bin absolut dagegen, dass man so mit Deutschen umgeht", sagte der Abgeordnete Ulrich Giezendanner dem "Sonntag". Er zähle Deutsche zu seinen "besseren Freunden" und mache mit Zuwanderern aus der Bundesrepublik "ausnahmslos beste Erfahrungen".
Rickli hatte bereits vor einer Woche Diskussionen ausgelöst, als sie in einer Fernsehsendung sagte: "Wir haben zu viele Deutsche im Land." Jetzt erklärte sie, speziell im Kanton Zürich würden Deutsche in Massen auftreten. "Wenn es aber nur noch deutsche Serviertöchter (Kellnerinnen) hat, deutsche Ärzte, ich in den Schweizer Bergen nur noch von Deutschen bedient werde, fühle ich mich nicht mehr daheim."
Ärger in der Tourismusbranche
Trotz Äußerungen wie dieser wehrt sich Rickli gegen Vorwürfe, sie hetze gegen Deutsche. "Ich spreche die Problematik an, dass zu viele hier sind." Nach den Angaben der in der SVP unter anderem mit Ausländerpolitik beschäftigten Abgeordneten leben 276.000 Deutsche in der Schweiz, die knapp acht Millionen Einwohner hat. "Rechnen wir das auf Deutschland um, wären 2,7 Millionen Schweizer in Deutschland."
Auch aus der Tourismusbranche gibt es nun Kritik an Rickli. Mehrere Gäste aus Deutschland hätten ihre geplante Reise in die Schweiz bereits storniert, sagte Jürg Schmid, Chef des Branchenverbands Schweiz Tourismus, dem "Sonntag". Ricklis Attacke komme zu einem ungünstigen Zeitpunkt, sagte Gaudenz Thoma, Chef von Graubünden Ferien. Der Tourismus leide bereits unter dem starken Franken. "Da sind unausgegorene Rückenschüsse aus der Politik umso unverständlicher."
Rickli wiederum wollte diese Beschwerde nicht auf sich sitzenlassen. Sie sagte dem Portal Südostschweiz, die Branchenchefs machten es sich ein bisschen einfach. "Einerseits verlangen sie vom Staat immer mehr Subventionen, andererseits wollen sie aber in ganz Europa möglichst günstige Arbeitskräfte rekrutieren können." Das führe dazu, dass in den Feriengebieten fast nur noch Deutsche arbeiten würden.
Ganz anders sei das etwa in Österreich, so Rickli. "Dort wird man vorwiegend von Einheimischen bedient, das trägt zum Charme des Landes bei."
cte/dpa
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik Politik | Twitter | RSS |
| alles aus der Rubrik Ausland | RSS |
| alles zum Thema Schweiz | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH